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Contra Märklin war für Grobmotoriker

04.02.2009 ·  Jetzt bloß nicht das Retten anfangen! Hoffentlich hat Günther Oettinger als Kind mit Fleischmann gespielt. Denn im Grunde wusste schon jedes Kind, dass es mit Märklin irgendwann mal zu Ende gehen muss. Die Marke hatte zwei ganz gewichtige Nachteile.

Von Tillmann Neuscheler
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Ehrlich gesagt hab ich das schon als Kind gewusst. Märklin war was für grobmotorische Nachbarskinder. Bei uns fuhr Fleischmann durchs Wohnzimmer. Immer zu Weihnachten wurden die Möbel zur Seite geschoben und die Gleise aus dem Karton geholt - mit Riesenchaos auf einem riesigen Tisch. Großer Bruder, Vater und ich.

Gegenüber Fleischmann hatte Märklin zwei ganz gewichtige Nachteile: In der Mitte der beiden Gleise waren für die Stromzufuhr metallische Haken montiert. Mag sein, dass so etwas Ingenieure toll finden - Gleichstrom contra Wechselstrom oder so ähnlich. Aber interessiert das Kinder? Uns ging es um eine echte Abbildung der Realität - ja so philosophisch können Kinder sein. Für uns waren die Metallhaken in der Mitte der Gleise ein krasser Bruch mit der Wirklichkeit. Was diese Punkte im wirklichen Leben darstellen sollten, konnte mir nicht einmal mein Vater am Trafo erklären. Und der wußte eigentlich alles.

Metallhaken zwischen echten Schienen?

Als Kind hat man ein feines Gespür für so etwas: Mein Bruder hatte detailgetreu den Bonner Hauptbahnhof mit all seinen Backsteinen nachgebaut. Am Kiosk (beleuchtet!) im Inneren des Bahnhofs gab's Zeitungen und dubiose Gestalten. Handbemalte Männchen, die wir mit Flüssigklebstoff irgendwann in einer 70er-Jahre-Nacht in die Bahnhofsvorhalle und an die Bahnsteige geklebt haben. Aber hat schon jemand Metallhaken zwischen echten Schienen gesehen?

Das gab es selbst im Schwabenland nicht - Märklin hätte es also wissen müssen. Aber sei's drum. Viel schlimmer war der zweite Punkt: das Gleisbett. Bei Märklin war Schotter unter die Gleise geklebt. Oder besser gesagt: Es sollte wohl Schotter sein. In Wahrheit war es ein ungelenkes Metallblech, das mit gelblichen Steinen bemalt war. Das sah schon farblich so aus, als hätte man die Schienen 15 Jahre in die Räucherkammer gehängt. Irgendwann später haben das wohl auch die Märklin-Designer bemerkt. Wahrscheinlich zu spät, wie man heute sagen kann.

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Jahrgang 1973, Redakteur in der Wirtschaft.

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