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Contra Der Euro bleibt und das ist gut so

20.02.2010 ·  Der Euro stiftet die Stabilität, die ein Kaufmann braucht, der in ganz Europa Handel treibt. Touristen lieben den Euro ohnehin. Allein das Gefühl, nie mehr von Wechselstuben übers Ohr gehauen zu werden, verschönert den Urlaub von Lissabon bis Athen.

Von Winand von Petersdorff-Campen
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Alle denken an Griechenland. Hier kommt eine kleine Geschichte aus England. Ein britischer Großhändler im Outdoorbusiness kaufte Zelte in Schweden und belieferte damit englische Geschäfte. Als die Geschäfte liefen, gab er eine große Bestellung auf. Da brach das Pfund ein, der Unternehmer machte mit jedem Zeltverkauf Verlust. Die Story endet traurig. Der Händler erlitt einen Herzinfarkt und gab sein Geschäft auf.

Währungsschwankungen bedeuten Stress für kleine Unternehmer und große Volkswirtschaften. Sie verderben grenzüberschreitende Geschäftsbeziehungen. Importeure im Euro-Raum sind dankbar, dass der französische Käse nicht plötzlich unverkäuflich wird, weil die Heimatwährung abgewertet wurde. Der Euro stiftet die Stabilität, die ein Kaufmann braucht, der in ganz Europa Handel treibt. Touristen lieben den Euro ohnehin. Allein das Gefühl, nie mehr von Wechselstuben übers Ohr gehauen zu werden, verschönert den Urlaub von Lissabon bis Athen.

Euro erhöht Wettbewerb durch Transparenz

Dass der Euro Preisvergleiche im Euro-Raum kinderleicht macht und Unternehmen Preisdiskriminierung erschwert, ist ein weiterer wundervoller Effekt. In der technischen Sprache der Ökonomen heißt das: Der Euro schafft die destruktive Volatilität ab, sorgt für geringere Transaktionskosten beim Einkaufen im Ausland und erhöht den Wettbewerb durch Transparenz. Wenn das nichts ist!

Ein wichtiges Argument der Euro-Gegner lautet: Mit der gemeinsamen Währung fehlt den fußkranken Ländern in schweren Zeiten die Möglichkeit, die heimische Wirtschaft durch Abwertung der Währung zu stimulieren.

Über Abwertungen weiß man eines sicher: Die Weichwährungsländer importieren Inflation. Der vermeintliche Positiveffekt der Abwertung gründet nun darauf, dass die Leute zu dumm sind, den inflationsbedingten Verlust ihrer Kaufkraft einzukalkulieren. Die Erfahrung lehrt aber das Gegenteil: Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaften gleichen Kaufkraftverluste in Tarifrunden wieder aus, höhere Arbeitskosten schmälern den durch Abwertung erkauften Wettbewerbsvorteil.

Der Währungsunion fehlen Strafmittel

Selbst der kurzfristige Effekt von Abwertungen ist in der Praxis klein, weil viele Preise nur im Jahresrhythmus geändert werden. Die Geschichte der Abwertungen ist eine Misserfolgsgeschichte, in vielen Ländern sind sie mit hoher Inflationsrate und hoher Arbeitslosigkeit einhergegangen. Der Euro hat übrigens bessere Inflationsziffern produziert als die verklärte D-Mark. Schwerer wiegt das euroskeptische Argument, die Währungsunion lade zum Missbrauch ein. Griechenland konnte über seine Verhältnisse leben, weil das Land immer im Hinterkopf hatte, reichere Euro-Länder zahlten zur Not die Zeche. Der Währungsunion fehlen Strafmittel, um die Schlingel zu züchtigen.

Und wenn Griechenland damit durchkommt, wie kalkulieren dann Spanien, Portugal, die Italiener? Mal sehen. Spanien zum Beispiel hat eine geringe Staatsverschuldung und durch eine beachtliche Disziplin Haushaltsüberschüsse erwirtschaftet, bevor die Wirtschaftskrise zuschlug. Die nächste Sparrunde hat Madrid angekündigt. Irland verordnet sich gerade ein rigides Sparprogramm. Selbst Athen meint es offenbar mit dem Sparen ernst. Und gewiss ist: Die Haushaltsdisziplin der Euro-Länder ist nicht schlechter als die jener Länder außerhalb des Euro-Raums.

Sollte Griechenland seine Staatsanleihen nicht bedienen, ist das keine Katastrophe für den Euro. Griechenland ist zu klein, um die immer noch selten stabile Gemeinschaftswährung zu gefährden. Eine Katastrophe würden aber Banken erleben, die auf griechischen Papieren sitzen. Als Angela Merkel kürzlich eine Garantieerklärung abgab („Wir lassen die Griechen nicht allein“), hatte sie ihre Banken im Sinn und weniger den Euro.

Eine echte Alternative zum Euro haben Griechenland & Co. übrigens nicht. Die Abtrennung produzierte gewaltige Kosten, die selbst hartgesottene Euro-Feinde nicht riskieren. So bleiben ihre Argumente reichlich akademisch.

Winand von Petersdorff

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Jahrgang 1963, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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