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Comroad-Prozess : KPMG unter Beschuss

  • Aktualisiert am

Am zweiten Tag des Comroad-Prozesses knüpften sich Richter und Anwälte den Unternehmensgründer Bodo Schnabel vor.

          Im Prozess um den größten Bilanzskandal am Neuen Markt bei dem Telematikunternehmen Comroad haben Richter und Anwälte den Druck auf den angeklagten Firmengründer Bodo Schnabel am zweiten Verhandlungstag massiv erhöht.

          „Sie sind kurz davor, als Clown des Neuen Markts in die Geschichte einzugehen“, kritisierte der Verteidiger von Schnabels Ehefrau, Wolfgang Dingfelder, am Mittwoch vor dem Landgericht München. Ingrid Schnabel hatte bereits gestanden, im Auftrag ihres Mannes Rechnungen gefälscht zu haben. Trotz dieser Aussage beteuerte Bodo Schnabel auch am zweiten Prozesstag, es seien keine Umsätze erfunden worden.

          Clown des Neuen Marktes

          Der Vorsitzende Richter Wolf-Stefan Wiegand verlor zunehmend die Geduld mit dem Angeklagten. „Hören Sie sich eigentlich selbst mal zu, wenn Sie reden?“, fuhr er den Angeklagten an. Er solle endlich aufhören „irgendetwas zu erzählen“. Bei der Befragung des ehemaligen Comroad-Chefs Andreas Löhr erkundigte sich der Richter sogar nach dem geistigen Zustand Schnabels. „Hatten Sie den Eindruck, dass er manchmal nicht ganz bei der Sache war?“ Löhr antwortete jedoch, auf ihn habe Schnabel stets einen klaren Eindruck gemacht. „Dann können wir ja beruhigt sein. Wir haben uns schon Sorgen um Sie gemacht, Herr Schnabel“, sagte der Richter.

          Staatsanwalt Peter Noll wirft Schnabel vor, in den Jahren 1998 bis 2001 mit Hilfe seiner Frau einen Großteil des Umsatzes über eine Scheinfirma in Hongkong frei erfunden zu haben. In einer früheren Vernehmung habe Schnabel dies gestanden. Warum er die Vorwürfe nun vor Gericht zurückweist, ist allen Beteiligten ein Rätsel. „Sie sollten der Realität ins Auge blicken und Manns genug sein, die Vorwürfe einzuräumen“, forderte Noll ihn auch mit Blick auf seine kleine Tochter auf.

          Auch der Richter erinnerte Schnabel an einen Satz aus seinem früheren Geständnis. „Ich hätte nicht gedacht, dass das so lange gut geht“. Diese Passage habe ihm besonders gut gefallen, spottete der Richter. Ohne ein Geständnis riskiert Schnabel nach Einschätzung von Experten eine mehrjährige Gefängnisstrafe. Er sitzt bereits seit März in Untersuchungshaft.

          Das ABC der Wirtschaftsprüfer vergessen?

          Schnabels Verteidiger brachte aber auch die Rolle der Wirtschaftsprüfer von KPMG zur Sprache. Es sei verwunderlich, dass die Prüfgesellschaft den Schriftverkehr mit dem wichtigsten Comroad- Geschäftspartner in Asien nicht überprüft habe, sagte Thomas Pfister. „Das ist doch wohl das kleine ABC der Wirtschaftsprüfer.“ KPMG hatte die Comroad-Bilanzen jahrelang abgezeichnet und war dafür stark in die Kritik geraten.

          KPMG hatte den Vertrag mit Comroad erst Anfang 2002 wegen Zweifel an der Geschäftsleitung und der Existenz der Firma VT Electronics in Hongkong gekündigt. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner suchte daraufhin im Rahmen einer Sonderprüfung laut Mitarbeiter Andreas Schacht vergeblich nach der Hongkonger Firma. Zunächst baten die Wirtschaftsprüfer Schnabel um die Herausgabe von Visitenkarten, Verträgen und Schriftverkehr der Firma. „Diese haben wir aber nur sehr zögerlich oder gar nicht bekommen“, sagte Schacht als Zeuge. Auch Recherchen in Hongkong halfen nicht weiter. Im dortigen Handelsregister sei die Firma im fraglichen Zeitraum nicht eingetragen und auch unter der auf Rechnungen angegebenen Adresse nicht zu finden gewesen.

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