27.07.2003 · Stifte, Mäuse oder gar Tasten sind out: In naher Zukunft werden Computer und Handys gedreht und gequetscht. Ein Ruck, das Adreßbuch öffnet sich. Wer jetzt nickt, wird auch noch verbunden.
Von Detlef BorchersMobile Kleingeräte mit seltsamen Namen sind heute immer mit uns. Ob sie nun Handy oder PDA heißen, Organizer oder iPod - stets geht es darum, aus ihnen mit einem Stift oder durch winzige Tästchen Daten herauszukitzeln. Manchmal hilft auch Anbrüllen, damit eine Telefonnummer gewählt wird. Nur auf Kippen, Schütteln und Verbiegen reagieren die kleinen Freunde nicht. Das jedoch könnte sich in Zukunft ändern.
Heutige Mobilgeräte können nicht erkennen, in welcher Lage sie gehalten werden. Dafür fehlt ihnen aber nur ein winziger Baustein - in der Raumfahrt sind solche Sensoren gang und gäbe. Nur sechs mal sechs Millimeter etwa mißt der Mikrochip ADXL202, den die Firma Analog Devices für hochpräzise Bewegungsmessungen konstruiert hat. Er wurde vor zwei Jahren von der Firma Compaq in eine Abwandlung der iPAQ-Taschencomputer eingebaut, die unter dem Namen Itsy bekannt wurde. Das Microsoft Research Center im englischen Cambridge programmierte die Betriebssoftware dieser Rechner, Pocket PC Windows, auf Bewegungseingabe um: Zum Scrollen der Inhalte im Web-Browser konnte man das Gerät nach vorne oder hinten kippen - je schräger, desto schneller zogen die Inhalte auf dem Schirm vorbei.
Ein Schwenk genügt fürs Breitformat
Das Microsoft-Projekt ist mittlerweile beendet, die Idee aber taucht nun wieder auf: in einem Telefon. Die Firma MyOrigo aus dem finnischen Oulu bietet Mobilfunkbetreibern ein Handy namens "MyDevice" zur Vermarktung an, das einen länglichen, berührungsempfindlichen Bildschirm besitzt. Das Gerät reagiert auch auf Bewegungen. Schaut man sich eine Website an, die bei den 176 mal 320 Bildpunkten des Schirms arg gequetscht aussieht, so genügt ein Schwenk um 90 Grad, und schon erscheint dieselbe Darstellung im Breitwandformat. Durch Kippen navigiert man auch durch die Inhalte einzelner Websites.
MyOrigo nennt diese Technik "Mirroring", in Anlehnung an eine Person, die sich im Taschenspiegel betrachten möchte und ihn dazu vom Kopf bis zu den Füßen schwenkt. Das Adreßbuch des neuen Telefons funktioniert ebenfalls so. Ein Ruck, ein Zuck, und schon steht der nächste Name auf dem Schirm, ein kurzes Nicken wählt die zu ihm gespeicherte Nummer.
Marktkompatibel?
Das Konzept hinter MyDevice ist interessant, doch es ist fraglich, ob das druckempfindliche Handy für den Massenmarkt taugt. Den aber muß es aus der Perspektive der Spieleentwickler bedienen, und ihre Programme sind es, die aus einem normalen Handy erst ein vor allem für Jugendliche attraktives Unterhaltungsgerät machen. MyDevice benutzt ein Betriebssystem namens Tao und die Benutzeroberfläche Intent, beides exotische britische Software. Deshalb rückt der Hersteller die Java-Fähigkeiten des Geräts in den Vordergrund, die Möglichkeit also, Programme aus dem Netz auf das Telefon zu laden. Daß die in Java geschriebenen Spiele den Markt aufrollen können, ist allerdings eine schon etwas ältere Idee, die sich bisher nicht durchsetzen konnte.
Noch außerhalb jeder Konkurrenz steht "Gummi". So heißt ein Prototyp, der im Interaction Lab des japanischen Sony-Konzerns in Tokio getestet wird. Den Namen ließ sich offenbar ein beteiligter Entwickler deutscher Herkunft einfallen. Das Gerät wird mit allen denkbaren Handbewegungen bei Laune gehalten. Die Elektronik steckt in einem Kunststoffgehäuse - wenn man es biegt und verwindet, steuert man damit die Software und die Anzeige auf dem Bildschirm. Knöpfe und Tasten seien vollkommen überflüssig, verkünden die Sony-Forscher stolz.
"Gummi", so groß wie eine Kreditkarte
Der heutige Gummi-Prototyp ist noch so groß wie ein Taschencomputer, doch geben sich die Sony-Leute zuversichtlich, ihn in zwei bis drei Jahren auf die Größe einer Kreditkarte schrumpfen zu können. Die Anzeige eines solchen Geräts könnte etwa einen interaktiven Stadtplan bieten. Biegt man das Gehäuse dann in die eine oder andere Richtung, würde man damit den Maßstab des Plans ändern und beispielsweise bestimmte Ausschnitte vergrößern.
Eine interessante Idee ist auch, die Unterseite der Karte berührungsempfindlich zu machen, so daß man mit dem Finger von der Rückseite aus den Cursor steuern und Aktionen auf dem Bildschirm auslösen kann. Mit einem eingebauten GPS-Modul zur Satellitennavigation könnte ein interaktiver Stadtplan der beschriebenen Art auch die aktuelle Position des Nutzers darstellen. Im Vergleich dazu würde ein herkömmlicher Falkplan wie ein Stück nutzloses Origami wirken, sieht man einmal von der Tatsache ab, daß er keine Batterien benötigt.
So anziehend der Gedanke auch ist, Benutzeroberflächen von der Tyrannei der Knöpfe, Tasten und Stifte zu befreien - möglicherweise werden Nebeneffekte den Erfolg verhindern. In seinem Science-fiction-Epos "Per Anhalter durch die Galaxis" hat sich der britische Autor Douglas Adams schon vor Jahren über ähnliche Erfindungen amüsiert. Radios hatten zunächst Knöpfe und Schalter, dann bekamen sie Schieberegler und danach berührungsempfindliche Felder, schrieb Adams: "Heute können wir Radios ohne jeden Knopf allein mit Gesten steuern, müssen aber mucksmäuschenstill dasitzen, wenn wir Musik hören wollen, ohne gleich den Sender zu verstellen."
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |