Die Computermesse Cebit muß im kommenden Jahr einen herben Verlust verkraften. Hewlett-Packard (HP), der zweitgrößte Hersteller von Personalcomputern (PC), hat nach Informationen dieser Zeitung der Deutschen Messe AG in Hannover für die Cebit im März 2004 abgesagt.
Der amerikanische Konzern begründet die Entscheidung mit seinem neuen Marketingkonzept, wie es in der Branche in Deutschland heißt. Seit einiger Zeit wirbt HP mit großen Anzeigen in Zeitungen für seine Produkte. Messeauftritte sind nach Darstellung des Unternehmens nicht mehr so wichtig.
Die Messegesellschaft in Hannover hat vergeblich versucht, den Konzern zu einer Teilnahme zu überreden, rechnet aber nicht damit, daß die Absage ein Signal für die ganze Branche ist. Alle anderen großen Aussteller wie IBM, Dell oder SAP hätten ihr Auftreten auf der Cebit 2004 schon zugesagt, heißt es. Außerdem erwartet die Messe in Hannover, daß HP bald zurückkehren wird, da es sich der Konzern nicht auf Dauer erlauben könne, auf der wichtigsten Computermesse der Welt zu fehlen.
Bisher fest in Halle 1
HP gehörte zu den seit langem vertretenen und wichtigen Ausstellern, die in der Halle 1 auf dem Messegelände in Hannover einen großen, fest eingebauten Stand besitzen. Die Kosten für den Abbau aufgrund der Absage werden auf eine halbe Million Euro geschätzt. In der Branche wird vermutet, daß das neue Marketingkonzept von Hewlett-Packard nur ein vorgeschobenes Argument für die Absage ist. Tatsächlich sei die Ertragsentwicklung unbefriedigend. Außerdem erinnere sich Carly Fiorina, die Vorstandsvorsitzende von HP, nur ungern an ihren Auftritt auf der Cebit vor zwei Jahren. Ihre Rede sei beim Publikum nicht gut angekommen.
Nach Angaben der Marktforschungsunternehmen IDC und Gartner hat Hewlett-Packard im vergangenen Quartal den Rückstand zum Branchenführer Dell, gemessen an den Verkaufszahlen für PC, verringert. HP sei dies aber nicht nur mit neuen kleinen Computern (Notebooks) gelungen, sondern auch mit einer aggressiven Preispolitik. IDC beziffert den aktuellen Marktanteil von HP mit 17,1 Prozent, verglichen mit 17,4 Prozent von Dell.
Systems nur noch Regionalmesse
Auf der Systems, der Messe für Informationstechnik und Telekommunikation in München, stellt die deutsche Gesellschaft von Hewlett-Packard Produkte noch auf zwei Ständen aus. Die Veranstaltung beginnt an diesem Montag mit insgesamt 1300 Ausstellern, 300 weniger als im vergangenen Jahr. Im Jahr 2000 waren es sogar 3300 gewesen, doch hat die Zahl seit dem besten Jahr für die Branche deutlich abgenommen. Branchenkenner stufen die Systems inzwischen als Regionalmesse ein, die nur noch für Süddeutschland, die Schweiz und Österreich bedeutend sei. Über ihre Zukunft werde im kommenden Frühjahr entschieden.
Der Präsident des deutschen Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom), Willi Berchtold, hofft, daß die Systems ähnlich wie zuletzt die IAA für die Autoindustrie ein Aufbruchssignal bedeutet. Allerdings rechnet der Bitkom für seine Branche nach einer Stagnation in Deutschland in diesem Jahr für 2004 nur mit einem leichten Wachstum von 2 Prozent, wie Berchtold zur Eröffnung der Messe am Sonntag sagte. Er bedauert, daß in der Agenda 2010 von Bundeskanzler Gerhard Schröder das Thema "Innovation" ausgespart worden ist. Der Bitkom hat deshalb selbst ein Programm entwickelt, in dem Innovation im Mittelpunkt der Vorschläge an die Politik und die Unternehmen steht.