29.07.2004 · Nach Vortagesverlusten von sieben Prozent ist der Kurs des Elektronik-Großhändlers Medion, der auch Aldi die Computer liefert, nochmals um 35 Prozent eingebrochen. Der deutsche Markt scheint gesättigt.
Nach Vortagsverlusten von rund sieben Prozent ist der Kurs des Essener Elektronikgroßhändlers Medion am Donnerstag morgen um weitere 35 Prozent eingebrochen. Mit dem Kurssturz um mehr als zehn Euro auf zwischenzeitlich unter 19 Euro reagierte die Börse geschockt auf die vorgelegten Halbjahreszahlen und die deutlich nach unten korrigierten Prognosen für das Gesamtjahr.
Die zu Jahresanfang noch realistisch erschienenen Umsatz- und Ergebnisziele erwiesen sich aus heutiger Sicht als zu ehrgeizig, teilt das auf die Vermarktung von Personalcomputern, Unterhaltungs- und Haushaltelektronik spezialisierte Unternehmen mit, zu dessen Kundenkreis Handelsunternehmen wie Aldi oder Tchibo gehören. „Sollten sich die Rahmenbedingungen in Deutschland nicht stabilisieren, kann trotz der zu erwartenden positiven Entwicklung des Auslandsgeschäftes für das Gesamtjahr ein Umsatz- und Ergebnisrückgang nicht mehr ausgeschlossen werden.“
Analysten senken ihre Einschätzungen
Verschiedene Analysten stuften das Papier daraufhin zurück. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) werde sich das Geschehen vom Berichtstag genauer ansehen, sagte BaFin-Sprecher Andre Wetzel am Donnerstag.
Zwar hat der Umsatz im ersten Halbjahr um insgesamt fünf Prozent auf etwas mehr als 1,25 Milliarden Euro zugelegt. Das Wachstum stammte aber allein aus dem Ausland, wo Medion immerhin um 23 Prozent auf 487 Millionen Euro Umsatz zulegen konnte.
Wachstum in Europa kann Konsumschwäche in Deutschland nicht ausgleichen
In Deutschland mußte das Unternehmen trotz der in wesentlichen Bereichen gestiegenen Absatzmengen eine Umsatzeinbuße von nahezu vier Prozent hinnehmen, was den beschleunigten Preis- und Margenverfall bei Konsumelektronik verdeutlicht. Nur das zweite Quartal betrachtet, ist das Umsatzwachstum mit plus 3,8 Prozent noch schwächer ausgefallen als im Halbjahr.
Der Vorstand verweist darauf, daß sich das Wachstum des in Europa erzielten Umsatzes indessen nochmals beschleunigt habe, um zwar von 20 Prozent im ersten auf mehr als 25 Prozent Plus im zweiten Quartal. Am kräftigsten legt Medion derzeit auf den Märkten in Übersee zu. Im den ersten sechs Monaten betrug dort das Wachstum fast 28 Prozent auf 46,5 Millionen Euro.
Das verschlechterte Konsumklima in Deutschland, von dem zunehmend auch das sogenannte Hartwarengeschäft und damit die punktuellen Verkaufsaktionen der Discountunternehmen betroffen sind, schlägt sich in einer deutlich eingetrübten Ertragslage nieder. So ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern infolge des fortschreitenden Margendrucks im Halbjahr um 14,7 Prozent auf 58,1 Millionen Euro gesunken. Dabei hat sich das im zweiten Quartal erzielte Ergebnis auf 12,2 Millionen Euro sogar halbiert. Das Ergebnis nach Steuern sank im ersten Halbjahr um rund 13 Prozent auf 33,9 Millionen Euro; im Zeitraum April bis Juli lag es bei 6,9 (Vorjahr: 13,8) Millionen Euro.
Medion will stärker expandieren
Da der Vorstand in naher Zukunft keine Besserung im Inland erwartet, soll die Auslandsexpansion noch stärker forciert und der Auslandsanteil von zuletzt knapp 39 Prozent weiter gesteigert werden. Wie hervorgehoben wird, hat der amerikanische Einzelhändler für Konsumelektronik, „Best Buy“, den Verkauf ausgewählter Medion-Personalcomputer auf weitere Filialen in den Vereinigten Staaten und Kanada ausgedehnt.
Daneben sollen die Kostenstrukturen weiter optimiert werden, um künftig auch im Heimatmarkt ein zufriedenstellende Ergebnisse erzielen zu können.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.394,15 | +1,26% |
| Dow Jones | 12.552,20 | +0,78% |
| EUR/USD | 1,2488 | −0,42% |
| Rohöl Brent Crude | 106,23 $ | −0,96% |
| Gold | 1.574,60 $ | +0,32% |
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