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CO2-Zertifikate Erfolgreich und zum Scheitern verdammt - der Emissionshandel

Der Handel mit CO2-Zertifikaten spaltet die EU. Wie funktioniert er, welche Zukunft hat das einstige Vorzeigeprojekt?

© Lüdecke, Matthias Vergrößern Viel Rechenarbeit: Für jede Tonne CO2 die die Industrie ausstoßen möchte, muss sie ein Zertifikat kaufen. Der Preis wird in Leipzig und London festgelegt.

Als er vor acht Jahren eingeführt wurde, waren die Erwartungen an den europäischen Emissionhandel groß. Er sollte Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen, indem er einen Markt für Verschmutzungsrechte schuf. Acht Jahre später aber ist der Handel mit den Zertifikaten zum Streitfall in der EU geworden - und das, obwohl er sein Ziel offenbar erreicht hat. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum europäischen Emissionshandel.

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-Welches Ziel hat der Handel mit Emissionszertifikaten in Europa?

Treibhausgase, allen voran Kohlendioxid (CO2), gelten als Verursacher der Klimaerwärmung. Im Kyoto-Protokoll, das 2005 in Kraft trat, haben sich Staaten erstmals zu konkreten Einsparzielen verpflichtet. Verglichen mit 1990 strebt die EU an, die Emissionen bis 2020 im Durchschnitt um 20 Prozent zu senken. Als Beitrag dazu sollen Energiekonzerne und Industrie den Ausstoß um 21 Prozent reduzieren. Um das zu erreichen, hat die EU 2005 das Emissionshandelssystem (EU-ETS) eingeführt. Andere Emittenten, allen voran der Verkehrssektor, sind darin nicht eingebunden.

-Wie funktioniert der Emissionshandel?

Die Stärke des Emissionshandels ist sein Mechanismus, der das Klimaziel mit einem marktwirtschaftlichen Verfahren verbindet. Der Politik kommt nur die Aufgabe zu, die Höchstgrenze der erlaubten Emissionen zu bestimmen - wer welchen Anteil dieser Menge ausstoßen kann, regelt der Markt: Für jede Tonne CO2, die die Industrie ausstoßen möchte, muss sie ein entsprechendes Zertifikat vorweisen. Dieses Zertifikat kann gehandelt werden. Der Preis wird an den Strombörsen in Leipzig und London festgelegt. Die Emittenten haben die Wahl: Sie können Zertifikate kaufen oder ihren Ausstoß durch Investitionen in klimaschonende Technik senken und die dadurch eingesparten Zertifikate verkaufen. Sie entscheiden, was sich für sie eher lohnt, nicht der Staat. So wird stets dort in den Klimaschutz investiert, wo das am günstigsten ist.

-Welche Unternehmen und Branchen müssen sich am Emissionshandel beteiligen - und wer ist befreit?

Der Emissionshandel umfasst die Branchen, die besonders viele Emissionen verursachen. In den 27 EU-Staaten sind rund 12 000 Unternehmen betroffen: Stromkonzerne, Chemieunternehmen, Eisen- und Stahlwerke, Papier- und Kalkfabriken. Nicht beteiligt sind die Landwirtschaft und Privathaushalte. Eine Sonderrolle spielt der Flugverkehr: Seit Januar 2012 müssen Fluganbieter für jede in Europa verursachte Tonne CO2 zahlen. Auf Druck vor allem aus Amerika und China wurden jedoch Flüge, die in Übersee starten oder dorthin fliegen, für ein Jahr befreit.

-Wer besitzt wie viele Zertifikate - und bis wann haben sich die Unternehmen mit Zertifikaten eingedeckt?

Zwar ist bekannt, wie viele Zertifikate jede Woche neu in Umlauf gebracht werden, wer genau welche Mengen besitzt, ist dagegen unklar. Fachleute sind sich allerdings einig, dass sich Unternehmen in den vergangenen Jahren im großen Stil mit Zertifikaten eingedeckt haben, die sie nicht unmittelbar benötigen. Zwischen 1,5 und 2 Milliarden überschüssige Zertifikate sind demnach im Umlauf. Zum Vergleich: Das ist etwa die Menge, die ausreicht, um den CO2-Ausstoß aller regulierten Anlagen für ein Jahr zu decken. An der Leipziger Strombörse mussten in diesem Jahr bereits Auktionen neuer Zertifikate wegen fehlender Nachfrage abgesagt werden. Der Markt ist auch deshalb unübersichtlich, weil sich auf ihm längst nicht zuletzt große institutionelle Anleger, Finanzinvestoren und Rohstoffunternehmen tummeln, die von Preisschwankungen profitieren wollen.

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Veröffentlicht: 17.05.2013, 16:30 Uhr

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