Die amerikanische Gesundheitsbehörde erwägt, in Fällen von Milzbrand-Verdacht zunächst ein anderes Antibiotikum als das von Bayer hergestellte Cipro einzusetzen.
Der für die bisherigen Erkrankungen verantwortliche Milzbrand-Erreger könne leicht durch den älteren und billigeren Wirkstoff Doxycyclin abgetötet werden, während das neuere Cipro erst im wirklichen Bedarfsfall eingesetzt werden solle, teilte die amerikanische Gesundheitsbehörde (CDC) am Montag (Ortszeit) in Washington mit.
Bayer erklärte, die Vereinbarungen mit der Regierung in Amerika zur Abnahme von Cipro wären von einer solchen Maßnahme nicht betroffen. Wie und wann die Wirkstoffe eingesetzt würden, müsse vor Ort entschieden werden, sagte Bayer-Sprecher Michael Diehl.
Bayer vertraut auf Absprachen
Die Behörde fürchte, dass Patienten nach einer längeren Einnahme von Cipro auf dieses Mittel nicht mehr ansprechen, wenn sie es später wegen einer anderen Infektionskrankheit nehmen müssten, sagte Bradley Perkins von der CDC. So lange die aufgetauchten Milzbranderreger auch mit Doxycyclin bekämpft werden könnten, solle dieses Mittel auch eingesetzt werden. Dies gelte zumindest so lange, bis ein weiterer Fall mit einer anderen Erreger-Art bekannt werde. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde sprechen die Anthrax-Erreger auch auf andere Antibiotika wie Penicillin und Doxycyclin an.
Nach Angaben von Bayer-Sprecher Diehl wäre die vor Tagen getroffene Vereinbarung mit der US-Regierung zur Abnahme von 100 Millionen Cipro-Tabletten im Gesamtwert von 95 Millionen Dollar davon nicht berührt. „Die Tabletten werden bis Jahresende abgenommen", sagte Diehl. Die amerikanische Regierung hatte außerdem eine Option zum Kauf weiterer 200 Millionen Tabletten mit dem Pharma- und Chemiekonzern vereinbart. Ob diese wahrgenommen werde, könne man ohnehin noch nicht sagen. Dies hinge vom weiteren Verlauf der Dinge in den USA ab. Bayer sei jedoch gebeten worden, dieses Volumen bereitzustellen. Am Vortag hatte Bayer deutlich gemacht, der Konzern erwarte von den USA, dass sie sich an Absprachen halte und Cipro im Frühstadium von Milzbranderkrankungen als Behandlungsmittel empfiehlt.
Kaum Auswirkungen auf Ergebnisschätzung
Analyst Klaus Kist vom Bankhaus Merck Finck sagte: „Ich gehe so oder so davon aus, dass Bayer alle 300 Millionen Tabletten verkauft.“ Selbst bei einem geringeren Absatz als erwartet wären die finanziellen Auswirkungen auf das Gesamtergebnis von Bayer auf Grund des relativ niedrigen Geschäftsvolumens eher gering. Zuletzt hatten mehrere Banken ihre Bayer-Ergebnisschätzungen reduziert, dies aber vorwiegend mit der schlechteren Chemie-Konjunktur begründet.
Der im amerikanischen Bundesstaat Florida ansässige Pharmakonzern Ivax Corp will der US-Regierung nach eigenen Angaben rund 1,2 Milliarden Doxycyclin-Tabletten liefern. Doxycyclin wird in den USA zu einem Preis von 45 bis 50 Cents je Tablette verkauft. Bayer hatte auf Druck der US-Regierung den Preis für seine Cipro-Tabletten bereits auf 95 Cents von 1,77 Dollar zurückgenommen. Auch nach Kanada sollen die Tabletten nun zu diesem niedrigeren Preis geliefert werden.