Home
http://www.faz.net/-gqe-12hwm
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Chrysler-Insolvenz Chefaufseher Obama

01.05.2009 ·  Obama machte seine Drohung war und ließ Chrysler auflaufen. Nun soll das Insolvenzverfahren und die Allianz mit Fiat alles lösen. Doch Fiat und Chrysler haben bereits desaströse transatlantische Partnerschaften hinter sich. Wird das gut gehen?

Von Roland Lindner
Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (1)

Barack Obama spielt nach eigenem Bekunden nur ungern die Rolle des Chefaufsehers der amerikanischen Autoindustrie. Das ist Unfug, wie er nun bei der Insolvenz des Autoherstellers Chrysler unterstrichen hat. Noch Mitte der Woche verkündete der amerikanische Präsident, die Regierung würde sich lieber heute als morgen wieder aus der Branche zurückziehen, die sie mit Milliardenkrediten künstlich am Leben erhält. Aber das war schon am Donnerstag Geschwätz von gestern, als er sich vor die Fernsehkameras stellte und die Chrysler-Insolvenz verkündete.

Obama hat keinerlei Absicht, das Schicksal von Chrysler nun endlich in die Hand von Insolvenzgerichten zu legen. Vielmehr diktiert der Präsident, wie er sich das Insolvenzverfahren von Chrysler und die Allianz mit dem italienischen Wettbewerber Fiat vorstellt. Für sich selbst reklamiert die Regierung schon einmal Verwaltungsratsmandate und einen Anteil an Chrysler nach der Sanierung.

Garniert wurde die Rede von Obama mit ebenso billigem wie alarmierendem Populismus und Protektionismus. Er attackierte die Gläubigerbanken, die sich gegen eine aus ihrer Sicht unfaire Vereinbarung zum Schuldenabbau wehrten, als Spekulanten. Seine Landsleute forderte er auf, jetzt amerikanische Autos zu kaufen.

Obama ließ dabei geflissentlich unter den Tisch fallen, dass ausländische Hersteller von Toyota bis Daimler eine große Zahl von Werken auf amerikanischem Boden haben.

Schulterzucken bei Fiat

Eines ist nun jedenfalls klar: Barack Obama hat nicht geblufft. Seine vor wenigen Wochen ausgesprochene Drohung, kein Geld mehr in Chrysler zu investieren und das Unternehmen in die Insolvenz stürzen zu lassen, war ernst gemeint. Es drängt sich sogar der Eindruck auf, dass das Insolvenzverfahren zwangsläufig war.

Obama tut nun so, als ob Chrysler durch erfolgreiche Abkommen mit den Gewerkschaften und Fiat beinahe vor der Insolvenz bewahrt worden wäre, und er stellt die störrischen Gläubiger als die Schuldigen hin. Allerdings hat die Regierung schon seit Wochen durchsickern lassen, sie sehe ein Insolvenzverfahren als bestes Instrument der Restrukturierung - nicht nur für Chrysler, sondern auch für den Opel-Mutterkonzern General Motors.

Auch der designierte neue Chrysler-Partner Fiat machte zuletzt beinahe den Eindruck, er würde eine Insolvenz herbeiwünschen. Die Italiener sagten schulterzuckend, die Allianz sei unabhängig von einer Insolvenz.

Insolvenzverfahren sind unberechenbar

So eigenartig es erscheinen mag, wenn ein Unternehmen sich auf eine Partnerschaft mit einer Pleiteadresse einlassen will: Fiat dürfte darauf setzen, dass Chrysler in einem Insolvenzverfahren aggressivere Mittel zur Restrukturierung hat. So wird es leichter sein, das Händlernetz zu reduzieren und Verbindlichkeiten abzustreifen.

Das Insolvenzverfahren von Chrysler war überfällig, weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren zum schwächsten der drei amerikanischen Autohersteller verkommen ist, mit einer Produktpalette, die völlig am Markt vorbeiging. Die Wirtschaftskrise hat dem ohnehin angeschlagenen Unternehmen jede Überlebenschance genommen. Es war offensichtlich, dass der Milliardenkredit der Regierung im vergangenen Dezember innerhalb kurzer Zeit verpuffen würde.

So folgerichtig das Insolvenzverfahren auch ist: Es ist ein riskantes Unterfangen und sicher nicht so unkompliziert, wie es Obama gerne darstellt. Die Regierung beschreibt eine Insolvenz von Chrysler (und womöglich später auch für General Motors) in optimistischen Tönen als einen „chirurgischen“ Prozess, der das Unternehmen im Schnellverfahren restrukturiert und wiederauferstehen lässt.

Insolvenzverfahren sind aber grundsätzlich unberechenbar und können sich in die Länge ziehen, wenn Gläubiger und andere Interessengruppen Widerstand leisten. Die Verbindung zu Chrysler könnte dann auch für Fiat zu einem Albtraum werden.

Obama hat sich in die Rolle als Chefaufseher eingefunden

Diese amerikanisch-italienische Allianz muss sich ohnehin erst einmal bewähren. Die Regierung stellt die Kombination als eine Art Allheilmittel für Chrysler dar. Dabei sollte man nicht vergessen: Beide Unternehmen haben desaströse transatlantische Partnerschaften hinter sich - Chrysler mit Daimler und Fiat mit General Motors.

Sicher war Fiat während seiner Allianz mit General Motors in schwacher Verfassung und ist heute ein viel attraktiverer Partner. Dennoch ist zumindest Skepsis angebracht, ob Chrysler und Fiat zusammen gelingt, was sie mit anderen Partnern nicht geschafft haben.

Es ist zu begrüßen, dass Obama den Mut hatte, Chrysler nicht vor der Insolvenz zu bewahren. Er sollte aber Konsequenz zeigen und der Versuchung widerstehen, das Geschehen im Insolvenzverfahren bestimmen zu wollen. Obama hat auch keinen Zweifel daran gelassen, dass er auch General Motors an der kurzen Leine führen will. Hier steht sogar zur Diskussion, dass die Regierung einen Mehrheitsanteil übernimmt - und den größten Autohersteller damit zum Staatskonzern macht.

Barack Obama mag noch so oft das Gegenteil behaupten: Er hat sich in der Rolle des Chefaufsehers für die amerikanische Autoindustrie eingerichtet.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Die Freiheit des Rauchers

Von Winand von Petersdorff

Verbote und Steuern zeigen Wirkung, vor allem bei jungen Leuten. Für Liberale ist das schwer zu schlucken. Mehr 6 18

10.02.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.692,96 −1,41%
 OK
10.02.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.692,96 −1,41%
FAZ-INDEX 1.495,13 −1,32%
TecDAX 769,89 −0,43%
MDAX 10.249,10 −1,04%
SDAX 4.985,13 −0,71%
REX 421,06 −0,02%
Eurostoxx 50 2.480,76 −1,65%
F.A.Z. EURO INDEX 80,01 −1,60%
Dow Jones 12.801,20 −0,69%
Nasdaq 100 2.547,32 −0,65%
S&P500 1.342,64 −0,69%
Nikkei225 8.947,17 −0,61%
EUR/USD 1,3195 −0,67%
Rohöl Brent Crude 117,61 $ −0,91%
Gold 1.711,50 $ −2,09%
Bund Future 138,62 € +1,01%