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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Chronologie Eine lange Tradition

25.02.2008 ·  Das Saarland gehört zu den bedeutendsten Steinkohlerevieren in Europa. Angefangen hat es im Jahr 1429. Im Jahr 1948 erreicht die Zahl der Bergleute mit 62.000 ihren Spitzenwert. Die Chronologie des Bergbaus an der Saar.

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Das Saarland gehört zu den bedeutendsten Steinkohlerevieren in Europa. Das ehemalige Grubengebiet erstreckt sich von Bexbach im Nordosten bis zum Warndt im Südwesten. Es ist etwa 50 Kilometer lang und 15 Kilometer breit. Erstmlas schriftlich erwähnt wird es in Quellen über die Kohlegewinnung im Raum Ottweiler aus dem Jahr 1429. Etwas mehr als 300 Jahre später verstaatlichte Graf Wilhelm-Heinrich von Nassau-Saarbrücken die bestehenden Kohlegruben. Bis 1766 gab es im Saarland zwölf Gruben. Die Förderleistung erreichte Ende des Jahrhunderts rund 50 000 Tonnen im Jahr. Das letzte verbleibende Bergwerk im Saarland fördert heute rund 15.000 Tonnen Kohle am Tag.

Die einsetzende Industrialisierung steigerte im 18. und 19. Jahrhundert die Bedeutung der Kohleförderung. Knapper werdende Holzvorräte und die aufkeimende Industrie machten die Kohle zu einer begehrten Handelsware. Durch die Ausbreitung der Eisenbahn und den steigenden Einsatz von Dampfmaschinen wuchs die Fördermenge bis 1860 auf 2 Millionen Tonnen im Jahr. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs förderten aus den saarländischen Gruben rund 56 000 Bergleute rund 14 Millionen Tonnen Kohle im Jahr.

Nach dem Ersten Weltkrieg unterstellt der Völkerbund das Saargebiet und den Kohlebergbau Frankreich. 1935 wird das Saarland wieder dem Deutschen Reich eingegliedert. Im Kriegsjahr 1942 fördern 54 000 Bergleute 15,3 Millionen Tonnen Kohle.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gehört das Saarland zur französischen Besatzungszone. Im Jahr 1948 erreicht die Zahl der Bergleute mit 62.000 ihren Spitzenwert.

-Am 1. Januar 1954 übernehmen die Saarbergwerke die Grubenanlagen. 1955 wird das Saarland nach einer Volksabstimmung als eigenständiges Bundesland in die Bundesrepublik Deutschland rückgegliedert.

-1957 wird die Saarbergwerke AG gegründet. Hauptanteilseigner mit 74 Prozent der Aktien ist der Bund. Die restlichen 26 Prozent hält das Saarland.

-In den sechziger Jahren sinkt die Jahresproduktion im Zuge der Kohlekrise von 17 Millionen auf 10 Millionen Tonnen. Von den 18 bestehenden Gruben werden 12 geschlossen.

-In den siebziger Jahren geht der Strukturwandel im Bergbau weiter. Der Kohleausstieg wird vorangetrieben.

-1987 beschließt die Bonner Kohlerunde die Steinkohleförderung in den nächsten Jahren drastisch zu reduzieren.

-Im August 1989 verständigen sich Bundeskanzler Helmut Kohl und die Ministerpräsidenten Johannes Rau (Nordrhein-Westfalen) und Oskar Lafontaine (Saarland) auf die Fortsetzung des Steinkohlevertrages mit einer Verstromungsmenge von 40,9 Millionen Tonnen im Jahr. Die Mikat-Kommission als Beratungsgremium zur Weiterentwicklung der Kohlepolitik wird einberufen.

-Im November 1990 wird die Zeche Camphausen geschlossen.

-Ende 1994 wird die Kohleförderung am Standort Luisenthal eingestellt.

-Der Steinkohlekompromiss vom März 1997 sieht vor: Die Zahl der Bergleute im Saarland soll bis 2005 von 14 400 auf 8200 verringert werden. Von den drei noch bestehenden Bergwerken im Saarland wird das Bergwerk Göttelborn/Reden zum 1. September 2000 stillgelegt.

-1997 wird außerdem die Ruhrkohle AG zur RAG umgewandelt, sie konzentriert sich auf die Sparten Chemie, Energie und Immobilien. Die defizitäre Steinkohle wird als RAG-Tochter in die Deutsche Steinkohle AG ausgliedert. Ein sozialverträglicher Ausstieg aus dem Bergbau wird erarbeitet. Die saarländische Regierung verkauft Ende des Jahres ihren Anteil an den Saarbergwerken zum symbolischen Preis von einer Mark an die RAG.

-Im Juni 2000 lösen sich die Unternehmerverbände Saarbergbau, Aachener und Niedersächsischer Steinkohlenbergbau auf. Die Aufgaben übernimmt der Unternehmensverband Steinkohle.

-2001 erwirkt ein Hausbesitzer, der seine Immobilie wegen des Kohleabbaus und der dadurch verursachten Erschütterungen gefährdet sieht, einen vorläufigen Abbaustopp beim Verwaltungsgericht. Das Oberverwaltungsgericht Saarlouis hebt im Mai den Abbaustopp wieder auf.

-Ende 2006 arbeiten in Deutschland noch acht Zechen, davon sieben in Nordrhein-Westfalen. Die letzte saarländische Zeche, das Bergwerk Saar in Ensdorf fördert mit rund 4000 Mitarbeitern 3,7 Millionen Tonnen Kohle im Jahr.

-Am 29. Januar 2007 beschließt die Bundesregierung zusammen mit den Steinkohleländern Nordrhein-Westfalen und Saarland das Ende des deutschen Steinkohlbergbaus bis zum Jahr 2018.

-Am 10. Juli 2007 wird die RAG-Stiftung gegründet. Aufgabe der Stiftung ist es einerseits, die Geschäftsfelder Chemie, Energie und Immobilien des Industriekonzerns Evonik an die Börse zu bringen, andererseits den sozialverträglichen Anpassungsprozess im deutschen Steinkohlebergbau bis zum Jahr 2018 zu steuern und die sogenannten Ewigkeitslasten zu finanzieren.

-Seit Juni 2007 erschüttern vermehrt heftige, durch den Steinkohlebergbau verursachte Erdbeben das Saarland. Ursachen sind Spannungen unter Tage, die zum Bruch fester Gesteinsschichten führen und die Erde über Tage beben lassen.

-Im Januar 2008 fordert der saarländische Ministerpräsident Peter Müller angesichts dieser Beben von der Deutschen Steinkohle AG ein sozialverträgliches Ende des saarländischen Bergbaus vor dem Jahr 2014.

-Nach dem bisher stärksten Beben am 24. Februar wird die Steinkohleförderung im Saarland vorerst eingestellt. Die Oppositionsparteien SPD, Grüne und FDP fordern einen sofortigen Abbaustopp.

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