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Christine Hohmann-Dennhardt : Warum diese Juristin so schnell VW verlässt

Nach gut einem Jahr in Wolfsburg verlässt Christine Hohmann-Dennhardt VW schon wieder. Bild: AP

Christine Hohmann-Dennhardt sollte für eine bessere Führung im Volkswagen-Reich sorgen. Nun geht sie „im gegenseitigen Einvernehmen“ – was bedeutet: Es gab Krach.

          Wenn in einem Arbeitszeugnis steht, man habe sich in gegenseitigem Einvernehmen getrennt, weiß jeder, dass es in Wahrheit Krach gab. Nach nur einem Jahr im Vorstand von Volkswagen gibt Christine Hohmann-Dennhardt, zuständig für Recht und Integrität im Konzern, ihr Amt überraschend auf. Sie scheide „im gegenseitigen Einvernehmen“ aus, teilte das Unternehmen an diesem Donnerstag in Wolfsburg mit.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Dass Hohmann-Dennhardt, die 2016 nach dem Abgasskandal von Daimler zu VW wechselte, nicht ganz freiwillig das Handtuch wirft, das zeigt auch die Mitteilung von VW deutlich: Man trenne sich „aufgrund unterschiedlicher Auffassung über Verantwortlichkeiten und die künftigen operativen Arbeitsstrukturen in ihrem Ressort“, heißt es dort. Die Managerin scheide zum 31. Januar aus. Ihre Nachfolgerin wird Hiltrud Werner werden, die seit Januar 2016 die Konzernrevision von Volkswagen verantwortet.

          Feministin in der Männerwelt

          Es war vor allem die Initiative von VW-Konzernchef Matthias Müller, der die frühere Verfassungsrichterin  Anfang 2016 von Daimler als Vorstand für Integration und Recht nach Wolfsburg holte. „Ohne die Gespräche, die ich mit ihm geführt habe, hätte ich auch gar nicht zugesagt“, berichtete sie damals.

          Die promovierte Juristin, überzeugte Sozialdemokratin seit den Zeiten Willy Brandts, die politisch eher links eingeordnet wird und allein schon mit ihren feministischen Überzeugungen in der Wolfsburger Männergesellschaft auffallen musste, sollte ein Garant dafür sein, dass im Volkswagen-Reich nach dem Abgasskandal eine saubere Unternehmensführung einzieht. Diesen Auftrag hat sie ernst genommen.

          Nach dem Manipulationsskandal befindet sich VW in der tiefsten Krise des Unternehmens. Öffnen

          An Selbstbewusstsein fehlte es ihr dabei nicht, ist in Wolfsburg zu hören. „Es geht nicht nur darum, Regeln aufzustellen, sondern auch den Sinn und die Motivation anzusprechen“, sagte Hohmann-Dennhardt vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview.

          Ob sie zufrieden war mit dem, was VW beim „neuen Denken“ bislang erreicht hat?  Für Hohmann-Dennhardt scheint im Streit bei Volkswagen aber auch eine Rolle gespielt zu haben, ob sie zufrieden mit der eigenen Machtposition war, die sie für sich erwartete.  „Volkswagen wird weiter weiterhin unverändert und mit Nachdruck den Wandel im Denken und Handeln vorantreiben“, schrieb das Unternehmen in seiner Trennungsmitteilung.

          Die 66 Jahre alte Hohmann-Dennhardt wollte nicht nur mehr Wandel, sondern vor allem mehr Einfluss für sich als mancher, der in den alten Strukturen des Konzerns groß geworden ist, sich das vorstellen wollte. Unter Juristen hieß es, es sei ein offenes Geheimnis, dass die Zusammenarbeit zwischen Hohmann-Dennhardt und dem Chef der Rechtsabteilung von VW, Manfred Döss, nicht reibungslos verlaufen sei.

          Volkswagen hatte Döss fast gleichzeitig als neuen Chefjuristen nach Wolfsburg geholt. Der Unterschied zwischen den beiden: Er kannte den Konzern und seine internen Machtstrukturen. Döss war zuvor Leiter Recht der Porsche-Holding, die die Mehrheit der Stammaktien am Volkswagen-Konzern hält, und zudem Vorstand für Recht und Compliance.

          Entsprechend nah steht er den Eigentümerfamilien. Döss hat in den letzten Monaten maßgeblich den jüngsten Vergleich mit den amerikanischen Behörden ausgehandelt. Mancher im Vorstand habe sich da von der stets sehr selbstbewusst und von Selbstzweifeln frei auftretenden Hohmann-Dennhardt in der Substanz mehr erwartet, hieß es.  Der Aufsichtsrat von VW danke ihr dafür, dass sie mit ihrer „herausragenden Fachkompetenz und Erfahrung“ zum Erreichen wichtiger Meilensteine beigetragen habe, hieß es jetzt zu ihrer Arbeit in den letzten 12 Monaten in der Trennungs-Mitteilung aus Wolfsburg.

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