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Projekt in Schweden : Ein Chip in jedermanns Hand

Pflaster mit Bedeutung: Hier hat sich der BBC-Reporter Rory Cellan-Jones einen Chip einpflanzen lassen. Bild: BBC

Die schöne neue Welt kommt mit einem Chip unter der Haut. Türen öffnen, den Kopierer bedienen - und was noch?

          Mit Handy oder Chipkarte ist manches schon ziemlich einfach geworden: Tickets bestellen, Türen öffnen und dergleichen. Der nächste Schritt ist vielleicht der Chip unter der Haut. Eine Vision ist das nicht mehr, sondern Wirklichkeit in einem schwedischen Büro-Komplex.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Wer sich dort einen Chip in die Hand einpflanzen lässt, kommt damit ins Haus und kann auch den Kopierer bedienen, berichtet der britische Fernsehsender BBC. Mittelfristig werde es auch andere Angebote geben, etwa die Möglichkeit, im Café mit dem Chip zu bezahlen.

          Einmal spritzen, fertig: der Chip wird ganz einfach unter die Haut injiziert.
          Einmal spritzen, fertig: der Chip wird ganz einfach unter die Haut injiziert. : Bild: BBC

          Rory Cellan-Jones, Technik-Korrespondent  der BBC, hat einen Selbstversuch unternommen. Bei seinem Besuch im Epicenter in Stockholm, einer Art Business-Zentrum für Unternehmensgründer und High-Tech-Firmen, hat er sich selbst einen Chip einpflanzen lassen.  Das ist nichts Aufwändiges: die Handoberfläche zwischen Daumen und Zeigefinger wird desinfiziert, der Chip eingespritzt, Pflaster drüber, fertig. Besonders schmerzhaft sei das nicht, berichtet Cellan-Jones, und dann verzieht der Reporter doch ziemlich das Gesicht, vielleicht nicht wegen der medizinischen Nebenwirkungen, sondern im Gedanken an die Perspektiven für eine Gesellschaft, die Menschen mit Chips versieht.

          Der RFID-Chip von der Größe eines Reiskorns soll allen Nutzern des Bürokomplexes – voraussichtlich 700 Menschen – angeboten werden. Während einige sich darauf freuten, zeigten andere deutlich ihre Abneigung, berichtet der BBC-Reporter von seinen Recherchen im Epicenter.


          Entwickelt wurde das Projekt von einer schwedischen Bio-Hacking-Gruppe um den Aktivisten Hannes Sjoblad. Er verweist auf die Vorteile: man könne damit das Fahrradschloss öffnen und das Smartphone entriegeln und brauche nicht so viel mit sich herumtragen. Und das Internet der Dinge werde noch viel mehr ermöglichen.

          Bevor das Finanzamt oder Google kommen...

          Sjoblad versteht das Projekt aber ausdrücklich auch als Experiment, das kritische Fragen ermöglichen soll: „Wir wollen diese Technologie verstehen, bevor andere uns Chips einpflanzen“, sagt Sjoblad in dem BBC-Beitrag. Wenn eines Tages das Finanzamt Ansprüche stelle oder die Internetriesen mit verlockenden Angeboten kämen, die mit dem Einpflanzen eines Chips verbunden seien, werde man schon Erfahrung damit haben, erklärt Sjoblad sein Vorpreschen: „Wir werden diese Versprechen hinterfragen können.“

          Biohacker beschäftigen sich meist mit Gentechnik. Die Analogie des Begriffs zum Computerhacken ist bewusst gewählt: es geht den Hackern darum, die Forschung aus den Universitäten in Heimlabors in Keller und Küchen zu holen und auch vieles in Frage zu stellen. Als Keimzelle der Bewegung gilt das MIT in Cambridge, wo Wettbewerbe zur Gentechnik tausende von Studenten anlocken. Bei solchen Wettbewerben werden beispielsweise Bakterien mit neuen Erbgutstücken ausgestattet, so dass sie in bestimmten Farben leuchten.  

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