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Schwächelnde Konjunktur : Chinas Automarkt könnte erstmals seit fast 30 Jahren schrumpfen

  • Aktualisiert am

Neuwagen im Hafen von Dalian in der Liaoning-Provinz in China Bild: Reuters

Der Handelskonflikt mit Amerika verunsichert chinesische Verbraucher – sie kaufen weniger Autos. Das belastete im Oktober auch manch deutschen Hersteller.

          Angesichts der schwächelnden Konjunktur in Folge des Handelsstreits mit Amerika läuft der chinesische Automarkt in diesem Jahr Gefahr, erstmals seit Anfang der 1990er Jahre zu schrumpfen. Es werde schwierig, bis zum Ende des Jahres eine positive Tendenz zu bewahren, sagte der Vize-Generalsekretär des Branchenverbandes CAAM, Yao Jie, am Freitag. „Es könnte auch einen Rückgang geben.“

          In den ersten zehn Monaten diesen Jahres fiel der Absatz um 0,1 Prozent auf 22,97 Millionen Autos. Allein im Oktober betrug das Minus 11,7 Prozent, so viel wie seit sieben Jahren nicht mehr. Es war schon der vierte Monat in Folge mit rückläufigen Verkaufszahlen.

          Sorgen über die wirtschaftliche Situation in China hätten dazu geführt, dass sich viele Menschen größere Anschaffungen überlegten, gab der Verband als Grund an. In den Monaten zuvor hatte der CAAM auch den Handelsstreit mit den Vereinigten Staaten aufgeführt. Zuletzt hatten sich hier aber Annäherungen angedeutet. Eigentlich hatte der CAAM sich für 2018 ein Wachstum des weltgrößten Automarktes von drei Prozent zum Ziel gesetzt. Das wäre das Niveau des Vorjahres, aber immer noch weit weg von dem Plus von 13,7 Prozent 2016. 

          Audi trotzt der Marktschwäche

          Die schwache Kauflust in China belastet auch Deutsche Autohersteller. Die Verunsicherung der chinesischen Verbraucher ließ den Absatz in dem für den weltgrößten Autokonzern Volkswagen wichtigen Markt um 9,8 Prozent auf 274.100 Autos sinken, wie der Autokonzern am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Weltweit sank der Absatz um 6,2 Prozent auf 516.900 Fahrzeuge. 

          Auch die Verkäufe in Europa wurden im Oktober weiterhin von der Umstellung auf den neuen Abgasstandard WLTP beeinträchtigt, wenn auch nicht mehr so stark wie im September. „Wir erwarten, dass sich diese Erholung im November und Dezember fortsetzt“, sagte Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Europaweit verbuchte VW einen Rückgang von 7,1 Prozent auf 122.000 Fahrzeuge. Besonders deutlich fiel das Minus mit 11,7 Prozent abermals in Deutschland aus. Positive Impulse verzeichnet VW nach eigenen Angaben in Russland und Brasilien.

          Auf die ersten zehn Monate des Jahres gerechnet liegt VW aber immer noch im Plus. Mit 5,14 Millionen Fahrzeugen verkaufte VW 1,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Laut Volkswagen entspricht dies einem neuen Spitzenwert.

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          Anders als VW trotzte Audi der Marktschwäche in China mit einem Auslieferungsplus von 5,4 Prozent, wie der Konzern am Freitag in Ingolstadt mitteilte. Dennoch verzeichnete der Autohersteller einen tiefroten Absatzmonat. Im Oktober verkaufte die Volkswagen-Tochterfirma mit weltweit 117.600 Fahrzeugen knapp 26 Prozent weniger als noch vor einem Jah. Im bisherigen Jahresverlauf summieren sich die Auslieferungen damit auf 1,525 Millionen Fahrzeuge, damit steht Audi mit 0,9 Prozent im
          Rückstand im Vergleich zum vergangenen Jahr.

          Besonders hart traf es das Unternehmen im vergangenen Monat in Europa, wo Audi mit der schleppenden Zulassung seiner Fahrzeuge nach dem neuen WLTP-Standard kämpft und deshalb viele Modelle nicht lieferbar sind. Dort wurden im Oktober 32.150 Fahrzeuge von der Marke mit den vier Ringen verkauft, knapp 53 Prozent weniger als noch vor einem Jahr.

          Audi sieht inzwischen aber etwas Licht am Tunnel: Im vergangenen Monat habe sich die Zahl der Modelle mit WLTP-Genenehmigung nahezu verdoppelt. Das Unternehmen geht allerdings weiterhin davon aus, dass erst bis Jahresende das normale Angebot wieder erreicht wird.

          Mercedes lieferte im Oktober 190.021 Wagen (plus knapp vier Prozent) aus, BMW hat noch keine Zahlen für den vergangenen Monat vorgelegt.

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