19.07.2005 · China lockt Investoren mit hohen Wachstumsraten und einem riesigen Zukunftsmarkt mit 1,3 Milliarden Menschen. Aber von innen sieht die Wahrheit etwas anders aus. Investoren, wie die BASF, stehen vor ungeahnten Hürden.
Wie schön liegt es sich in einem Krankenhausbett in Nanjing? Wie lange hält man es im Jiangbei-Hospital der chinesischen Provinzhauptstadt aus? Und wie bekommt man jemanden dort wieder heraus, der nicht hineingehört?
Das sind Fragen, mit denen sich der größte Chemiekonzern der Welt derzeit herumschlagen muß. Die Ludwigshafener BASF AG arbeitet mit Hochdruck auf die Einweihung ihres Großprojektes in Nanjing am 28. September hin. In technischer Sicht läuft das meiste so, wie es sich die Deutschen vorgenommen haben.
Aus dem Krankenhaus herauskaufen
Dennoch ist der Weg steinig. Und die Steine liegen meist an Stellen, wo sie niemand erwartet. So wurden nach einem Unfall mit Austritt von Ammoniak auf dem Werksgelände in Nanjing am 28. Juni zwei chinesische Anwohner und eine Anwohnerin des Chemiewerkes ins Krankenhaus eingeliefert. „Nach einigen Tagen Beobachtung haben die Ärzte keine Symptome und keine Notwendigkeit einer Behandlung erkennen können.
Die drei konnten nach Hause gehen“, sagt BASF-Sprecherin Anke Schmidt. Sie gingen aber nicht. Bis heute, drei Wochen nach dem Unfall. „Wir vermuten, daß sie auf eine höhere Entschädigung pokern“, heißt es bei BASF. Außerdem sei das Essen im Krankenhaus wohl besser, die Umgebung angenehmer als daheim. Der einzige Weg, der wohl bleiben dürfte: BASF muß das Hospital-Trio für ein paar hundert Euro aus dem Krankenhaus herauskaufen - ein leicht verdienter Lohn mehrerer Monate.
Skurrile Probleme
China ist das Land der großen Versprechungen und der großen Verheißungen. Es lockt ein Markt von 1,3 Milliarden Menschen, es lockt ein Wachstum von neun Prozent jährlich. So stellt sich China von außen dar. Von innen sieht es freilich ganz anders aus. Investoren kämpfen mit Hürden, die weit über Bürokratie oder Korruption hinausreichen.
Armut und wachsendes Sozialgefälle treiben die Menschen dazu, jede Chance auf ein paar Yuan zu ergreifen. Und die Ausländer bieten jede Menge solcher Chancen. Jeder der Ausländer weiß ein Lied davon zu singen. BASF ist nur ein Unternehmen von vielen, die sich mit Problemen herumschlagen, die im Westen als skurril gelten würden.
Für Umsiedlung gezahlt
Denn nicht nur die Betten im Krankenhaus sind begehrt, solange man darin Geld verdienen kann. Auch die Immobilie direkt am Werkszaun gilt in Nanjing derzeit als hochattraktiv. So siedeln sich mehr und mehr Menschen rund um das Chemiegelände an. „Wenn Sie am Standort entlangfahren, sehen Sie, wie viele neue Häuser dort in unmittelbarer Nähe errichtet werden.
Dies hat sicher damit zu tun, daß die Entschädigung, die einem Besitzer gezahlt wird, vom Alter des Hauses abhängt: Je neuer ein Haus, desto höher fällt sie aus“, heißt es bei BASF. Ohnehin wohnen dort rund 200 Menschen, die die Behörden entgegen der Verträge mit BASF seit Jahren versäumt haben umzusiedeln. Dabei haben die Ludwigshafener beim Kaufpreis des Geländes ordnungsgemäß auch eine Summe für die Umsiedlung entrichtet.
Wie ein Katastrophenfall
Die Chinesen haben gelernt, BASF als gewichtigen Fürsprecher zu nutzen. So kam es während der Bauphase vor dem Werkstor immer wieder zu Protesten, die nichts mit dem Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen zu tun hatten. „Die Demonstranten wußten, daß BASF-YPC Co. Ltd. die Behörden darauf ansprechen würde. Die Proteste waren Taktik, um den Namen eines international anerkannten Investors zu nutzen, die Probleme zu adressieren“, mußten die Deutschen lernen.
Trittbrettfahrer
Proteste gab es auch in den vergangenen Tagen beim Anfahren des Steamcrackers, des Herzstücks der Anlage. Denn das ist laut, und meterhohe Flammen wirken bedrohlich. Die Menschen in Ludwigshafen kennen das, in Nanjing aber wirkte es auf manchen wie der Katastrophenfall - obwohl die Deutschen als erstes Unternehmen des riesigen Chemieareals die Anwohner darauf vorbereitet hatten.
Nun wird BASF eine Entschädigung für die Belästigung leisten. Die Höhe wird nicht genannt, „sonst hätten wir direkt wieder Nachahmer“. Denn seit Anwohner nach dem Ammoniak-Austritt stundenweise das Haupttor blockierten, flammen diese Demonstrationen immer wieder auf. „Heute sind das Trittbrettfahrer aus anderen Dörfern“, heißt es bei BASF. Sie hoffen auf Entschädigung.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.746,45 | −0,11% |
| FAZ-INDEX | 1.505,34 | −0,01% |
| TecDAX | 772,82 | +1,19% |
| MDAX | 10.302,10 | −0,04% |
| SDAX | 4.962,52 | +0,76% |
| REX | 421,06 | −0,60% |
| Eurostoxx 50 | 2.512,77 | −0,05% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,97 | +0,04% |
| Dow Jones | 12.834,10 | −0,34% |
| Nasdaq 100 | 2.526,72 | −0,21% |
| S&P500 | 1.347,05 | +0,20% |
| Nikkei225 | 9.015,59 | +1,10% |
| EUR/USD | 1,3236 | −0,20% |
| Rohöl Brent Crude | 116,22 $ | +0,18% |
| Gold | 1.724,00 $ | 0,00% |
| Bund Future | 137,84 € | −0,13% |