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China Die Wanderarbeiter sind die ersten Opfer der Krise

02.02.2009 ·  Die Wirtschaftskrise kostet auch in China zunehmend Arbeitsplätze: Vor allem die Zahl der arbeitslosen Wanderarbeiter steigt rapide. Bislang hat die Krise nach offiziellen Angaben rund 20 Millionen von ihnen den Job gekostet. Die Regierung in Peking befürchtet soziale Unruhen.

Von Christoph Hein
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Die Krise in China bekommt ein Gesicht - den Wanderarbeiter. Mehr als 20 Millionen Wanderarbeiter hätten durch den scharfen Einbruch der Ausfuhr und des Wirtschaftswachstums schon ihre Stelle verloren, sagte ein hoher Parteivertreter am Montag. Bislang war die Regierung lediglich von sechs Millionen ausgegangen. In einem Atemzug warnte er vor dem Risiko zunehmender Unruhen.

Die Wanderarbeiter der Volksrepublik verdingen sich fern ihrer ländlichen Heimat in Fabriken in Südchina, der „Fabrik der Welt“. Sie waren es auch, die das neue Schanghai mit ihren eigenen Händen erbauten. Bei einer Rückkehr in ihre meist im Westen Chinas gelegenen Dörfer wartet auf die Arbeitsmigranten nur Armut und Langeweile. Denn die Arbeitslosenrate im ländlichen China liegt schon jetzt deutlich über derjenigen, die Peking offiziell für die Städte ausweist. Sie ist von 4 auf nun 4,2 Prozent gestiegen, berücksichtigt aber nicht die - auch illegal - aus den Provinzen Zugewanderten.

Die Zahlen bleiben zweifelhaft

Oft sind die Arbeiter junge, tatkräftige Männer und Frauen, die mit ihrem unter härtesten Bedingungen erzielten Lohn ganze Familien im Westen des Landes durchbringen. Viele Arbeitgeber schulden den Entlassenen noch Lohn. Eine Arbeitslosenversicherung gibt es nicht. Auch haben Wanderarbeiter ihre Kinder im Schlepptau, selbst wenn diese keine Schulausbildung am Arbeitsort erhalten, da sie nicht in ihrem eigentlichen Bezirk leben.

Chen Xiwen, Stellvertretender Direktor des führenden Gremiums der Kommunistischen Partei für ländliche Entwicklung erklärte am Montag, nach einer offiziellen Erhebung hätten inzwischen 15,3 Prozent des auf 130 Millionen Menschen geschätzten Heeres der Wanderarbeiter schon ihre Stelle verloren. Die Zahlen allerdings bleiben zweifelhaft. Zum einen basieren sie auf einer Umfrage des Landwirtschaftsministeriums in nur 165 Dörfern in 15 Provinzen. Zum anderen wurden sie erhoben, bevor die Chinesen um das Neujahrsfest eine Woche Ferien bekamen. Aus diesem Anlass bezahlen die Arbeitgeber vielen Arbeitern aber eine Heimreise. Damit ist nicht auszuschließen, dass die wahre Zahl der Heimkehrer ohne Arbeit wesentlich über dem veröffentlichten Wert liegt, da sie aus dem Urlaub nicht mehr zurückkehrten

Industrie soll im unterentwickelten Westen zu investieren

Schon am Sonntag hatte die Regierung an die Firmen des Landes appelliert, Entlassungen wo eben möglich zu vermeiden. Chen bezeichnete die Entlassungen als „neuen Faktor, der die gesellschaftliche Stabilität belastet“. Offiziell hat sich Peking verpflichtet, neun Millionen neue Arbeitsplätze in diesem Jahr in den Städten zu schaffen. Seit Jahren wird die Industrie zudem mit eher mäßigem Erfolg dazu angehalten, im unterentwickelten Westen zu investieren.

Ein Ende der Probleme ist nicht abzusehen. Am Montag veröffentlichten die Analysten von CLSA in Hongkong ihren monatlichen Index, der die Aktivität der herstellenden Industrie misst. Ein Wert unter 50 steht für einen Rückgang. Im Januar lag der Wert bei 42,2, eine Prozentpunkt über dem Wert von Dezember. „Alle Werte unterhalb von 50 weisen auf ein deutliches Schrumpfen der Produktionsaktivitäten im Monatsvergleich hin“, erklärte Eric Fishwick, der Chefökonom von CLSA. Ein Strategiepapier der chinesischen Regierung warnt zur selben Zeit vor einem „extrem schweren“ Jahr 2009: „Während sich die internationale Finanzkrise ausweitet, vertieft sich von Tag zu Tag auch ihr negativer Einfluss auf unsere Volkswirtschaft. Die Schockwellen treffen die ländliche Entwicklung ohne Unterlass.“

Die chinesische Regierung erwägt unterdessen ein weiteres Paket, um die Konjunktur anzukurbeln. „Wir könnten weitere, zeitnahe und entscheidende Maßnahmen ergreifen (siehe China erwägt neue Konjunkturspritzen).

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Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

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