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China Deutsche Konzerne investieren weiter im Reich der Mitte

01.09.2004 ·  Bis 2010 wird ein Volumen von 10 Milliarden Euro erwartet / Längeres Warten auf Gewinne

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Die großen deutschen Unternehmen werden trotz der Öffnung Osteuropas und eines angespannten Wirtschaftsklimas in Deutschland weiter kräftig in China investieren. In den kommenden sechs Jahren werden deutsche Konzerne mindestens 10 Milliarden Euro nach China fließen lassen. Zugleich aber müssen viele der Auslandsinvestoren länger auf Gewinne aus dem Reich der Mitte warten.

Dies ist das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Bank unter Großunternehmen des Dax-30. Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Studie hat die britische Bewertungsagentur Fitch Ratings ihre Einstufung Chinas zwar bestätigt, zugleich aber vor hohen kurzfristigen Risiken gewarnt, die aus steigendem Inflationsdruck und einem nicht nachhaltigen Wachstum von Kreditvergabe und Investitionen erwachsen.

Große Unsicherheiten über das Wesen der Abkühlung

"Die Versuche, das Wachstum schrittweise zu verlangsamen, könnten sich als problematisch erweisen, da sie in engem Zusammenhang stehen mit relativ simplen Steuerungsmechanismen der Verwaltung und ausufernden Investitionen auch in jüngster Zeit. Dies weckt große Unsicherheit über das Wesen der bevorstehenden Abkühlung", warnt Brian Coulton von Fitch.

Die Analysten der Deutschen Bank weisen darauf hin, daß die Effizienz der Auslandsinvestitionen in China deutlich nachlasse: Das Verhältnis zwischen Kapitaleinsatz und dadurch gewonnener Wirtschaftsleistung (ICOR) werde immer schlechter und nähere sich demjenigen Amerikas an. "In dieser Hinsicht spricht inzwischen mehr für Indien", heißt es in der Bank. Deutschland als Investitionsstandort bleibt deutlich hinter allen drei Ländern zurück.

Länger auf Gewinne warten - wenige verdienen bislang Geld

"Angesichts sinkender Effizienz und wachsender Überkapazitäten könnte es länger dauern als ursprünglich erwartet, Gewinn zu machen", warnen die Autoren der Studie mit Blick auf China. Von den befragten 30 Dax-Unternehmen haben 23 geantwortet. Nur sechs von ihnen bestätigten, daß sie in China derzeit Geld verdienen. Nach den jüngsten Daten des Pekinger Handelsministeriums investierten Ausländer in China in den ersten sieben Monaten mit 38,4 Milliarden Dollar gut 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die genannte Investitionssumme von mehr als 10 Milliarden Euro aus Deutschland bis 2010 - zwischen 1995 und 2003 lag der Wert bei knapp 8 Milliarden Euro - täuscht insofern, als mehr und mehr Unternehmen inzwischen darauf achten, daß Neuinvestitionen zunächst in China selber verdient werden. Ein Beispiel dafür ist Volkswagen. Damit werden Auslandsinvestitionen als innerchinesische Investitionen behandelt. Unter dem Strich also könnte die Investitionssumme der Deutschen deutlich höher ausfallen, allerdings wird das Geld nicht mehr aus der Heimat übertragen. Auch die Partner kommen vermehrt ins Spiel: Im Fall von BASF oder Volkswagen etwa trägt die chinesische Seite in den Gemeinschaftsunternehmen die Hälfte der milliardenschweren Gesamtinvestitionen.

Rechtsunsicherheit und Personalprobleme machen Planungen schwierig

Die Eintrittshürden auf den chinesischen Markt bleiben hoch. Die Beobachter der Deutschen Bank verweisen auf den starken Wettbewerb in China, hohe Markt-Eintrittskosten und eine geringe Strategiesicherheit, verbunden mit mangelnder Transparenz. Zudem machten Rechtsunsicherheit und Personalprobleme ernsthafte Planungen in China "extrem schwierig". Schon eine Untersuchung der Deutschen Handelskammer in Schanghai hatte ergeben, daß fast die Hälfte der ansässigen deutschen Unternehmen mit dem Tempo der Implementierung nicht zufrieden sei (F.A.Z. vom 2. September 2003).

Deutsche Investitionen im internationalen Vergleich nicht überragend

Davon unbeeinflußt ist allerdings die auffällige Diskrepanz zwischen der China-Euphorie in Deutschland und der lange währenden Vernachlässigung von Fernost als Investitionsstandort insgesamt. So machen - obwohl China und einige Großprojekte dort in Deutschlands Wirtschaft in aller Munde sind - die Investitionen in China bislang nur 1,2 Prozent der gesamten deutschen Auslandsinvestitionen aus. In absoluten Zahlen stellen sie nur etwa ein Fünftel der Summe, welche die Vereinigten Staaten oder Japan in China investieren, und bleiben auch weit hinter den Werten Südkoreas und Taiwans zurück.

Was für China gilt, gilt für die gesamten Region: "Asien hat bis zum Ende der neunziger Jahre eine untergeordnete Rolle für deutsche Investoren gespielt. Lange Zeit hat Asien von den 14 bis 15 Prozent der deutschen Auslandsinvestitionen, die in Schwellenländer flossen, weniger als ein Drittel erhalten", berechnet Tamara Trinh von der Deutschen Bank. Aufgrund der hohen Wachstumsraten der Region würden deutsche Unternehmen das Potential allerdings zunehmend erkennen, das die dort beheimateten 45 Prozent der Weltbevölkerung böten.

Für China ist Deutschland wichtigster Handelspartner in Europa

Der Handel zwischen China und Deutschland hat Tradition. 2002 löste die Volksrepublik Japan als wichtigsten Handelspartner Deutschlands in Asien ab. Heute sind mehr als 1500 deutsche Unternehmen in China vertreten. Aus chinesischer Sicht ist Deutschland der wichtigste Handelspartner in Europa und zugleich der größte europäische Investor. Innerhalb Chinas wird das Geschäft der Deutschen - trotz wachsender Präsenz des Mittelstandes - auch künftig von den Konzernen getragen: Nur höchstens ein Fünftel der deutschen Gesamtinvestitionen in der Volksrepublik stammt von kleinen und mittleren Unternehmen. 80 Prozent aller Investoren stecken ihr Geld in den herstellenden Bereich. Dabei sind die Deutschen fokussiert: Rund 90 Prozent aller Auslandsgelder fließen in die drei wirtschaftlichen Kernregionen der Volksrepublik: in das Yangtze-Delta um Schanghai, in den Rostgürtel im Norden Chinas mit den Investitionen etwa von Volkswagen und BMW und - vor allem für kleinere Betriebe und Lohnfertigung - in das Perlflußdelta um Hongkong und Guangdong (Kanton).

Quelle: che., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.09.2004, Nr. 203 / Seite 11
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