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China Chancen für Hartgesottene

19.02.2009 ·  Chinas Hochschulabsolventen stürmen eine Jobmesse - ein wirtschaftliches Ereignis auf vielen Ebenen. Mehr als sechzigtausend Arbeitssuchende kommen innerhalb von zwei Tagen auf das Messegelände. Der Staat ist sparsam mit seiner Gunst.

Von Mark Siemons, Peking
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Die Brücken rund um das Pekinger Messegelände sind voll von jungen Leuten, die der Jobmesse zuströmen. Viele kommen in Gruppen und schwatzen und lachen, als gingen sie noch zur Universität. Unter den Männern tragen einige der älteren Anzug, und alle anderen zeigen mit ihren Jeans und Markenjacken - hohen Stiefeln bei den Frauen - den gleichen unauffälligen Schick, wie er auch auf dem Campus üblich ist. Eine Million Universitätsabgänger hatten in China letztes Jahr keine Stelle gefunden, und in diesem Jahr werden 6,1 Millionen die Hochschulen verlassen, das sind eine halbe Million mehr als 2008. Schon vor der Wirtschaftskrise hatten sich die Berufsaussichten für Akademiker verschlechtert, jetzt aber gilt die Lage auch in der offiziellen Sprachregelung als besorgniserregend.

Indessen herrscht strahlender Sonnenschein, in der Luft hängt der Duft der Süßkartoffeln, die an den Ständen ringsum angeboten werden. Die meisten, die hier hinkommen, sind nicht alt genug, um viele Enttäuschungen erlebt zu haben. Alles scheint auf Zukunft gestellt, und auch wer eine Arbeit sucht, ist ja immer noch zugleich ein Konsument. Vor dem Eingang bieten stämmige Männer die offizielle Messezeitung, die es drinnen umsonst gibt, für einen Yuan an. Andere Männer verkaufen Kugelschreiber, die ja jetzt jeder zum Ankreuzen und Unterschreiben braucht.

„Soldaten und Lehrer bevorzugt“

Eine Jobmesse ist ein wirtschaftliches Ereignis auf vielen Ebenen. Eine alte Frau holt aus den Mülleimern die weggeworfenen Messezeitungen wieder heraus, um sie später als Altpapier zu verkaufen. Firmen, die sich die Standmiete von 3500 Yuan pro Tag nicht leisten können, suchen schon draußen nach Personal. "Soldaten und Lehrer bevorzugt", steht auf den Schildern, die Männer in dunklen Anzügen vor sich halten. Andere sprechen die Studienabgänger auf den Besuch von Fitness-Studios an, man kann sich auf Listen eintragen, wann man zum Testen kommen will.

Wer die Sicherheitskontrollen und die Wachleute mit ihren weißen Helmen passiert hat, findet sich in der drangvollen Enge der Hallen wieder. Mehr als sechzigtausend Arbeitssuchende sind innerhalb von zwei Tagen auf das Messegelände gekommen. Siebenhundert Unternehmen bieten Stellen an. Eine Jobmesse ist kein Arbeitsamt, auch wenn die chinesische Regierung jetzt mehr als zuvor in den Arbeitsmarkt eingreifen will. Sie hat angekündigt, Existenzgründungen von Studienabgängern und Berufsbildungskurse von Unternehmen finanziell zu unterstützen, und sie verspricht Studenten, die auf dem Land oder bei der Armee anheuern wollen, die Rückzahlung der Studiengebühren zu erlassen. Aber staatliche Gunsterweise sind hier nicht zu haben.

Alle können und müssen sich als Kunden fühlen, ob sie nun um die Arbeitskraft oder einen Geldgeber werben. Vor manchen Ständen herrscht besonders viel Gedränge, aber auch dort nehmen sich die Firmenrepräsentanten Zeit für weiterführende Gespräche. "Würdest du auch auf Dienstreisen gehen?", fragt die Frau von einem Computer-Unternehmen. "Ja klar", sagt der Bewerber. "Wir suchen Leute", setzt die Frau nach, "die Bitternis essen können." "Ich war früher auf einer Bergbauschule", sagt der junge Mann, "das war auch schon hart." Die Frau macht sich eine Notiz.

Sekretärin „mit gutem Aussehen und guter Ausstrahlung“ gesucht

So ernst die Lage auch ist, eine gedrückte Stimmung hat sie in der chinesischen Öffentlichkeit bislang nicht hervorgebracht, und in den Messehallen erst recht nicht. Auf Treppen, Bänken und dem Fußboden sitzen Studenten und arbeiten die Messezeitung nach interessanten Angeboten durch. Eine Computerspielfirma sucht dreihundert 3D-Zeichner. Man muss einen Eignungstest durchlaufen, wer ohne Vorkenntnisse ist, kann auf Kredit einen Ausbildungskurs durchlaufen. Anfangsgehalt ist dreitausend Yuan, gut dreihundert Euro, monatlich.

Spezielle Anforderungen sind an den Ständen auch handschriftlich angeschlagen. Ein Ferienzentrum namens "Happy Valley" sucht eine Sekretärin "mit gutem Aussehen und guter Ausstrahlung". Bei einer Softwarefirma gibt jemand einen Lebenslauf ab, der dokumentiert, dass er vorher zwei Jahre im Management gearbeitet hat. "Aber das ist doch etwas ganz anderes als das, was wir suchen", gibt der Vertreter der Firma zu bedenken. "Ja, ich habe lange gebraucht, um zu wissen, was ich wirklich will", sagt der Bewerber. Jetzt habe er es gefunden. Zehntausend haben an diesen beiden Tagen eine Stelle bekommen. Die anderen fünfzigtausend werden wohl weiter suchen.

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