21.06.2010 · Wer heuer in China Millionen T-Shirts, Jacken oder Hosen bestellen will, wird mehr als Bittsteller denn als Auftraggeber empfangen. Chinas Wandel wird sich spätestens Anfang 2011 an den Preisschildern in Frankfurt, Paris oder Madrid ablesen lassen. Oder in den Gewinnrechnungen der Unternehmen.
Von Holger AppelIn diesen Tagen machen sich die Einkäufer der europäischen Einzelhandelsketten auf den Weg, um die Frühjahrskollektionen für 2011 zu ordern. Aus deren Berichten kann man Interessantes über die Wirtschaft erfahren. Wer heuer in China Millionen T-Shirts, Jacken oder Hosen bestellen will, wird mehr als Bittsteller denn als Auftraggeber empfangen.
Den Fabriken fehlen Mitarbeiter und damit Kapazität, weil viele nach dem chinesischen Neujahrsfest nicht zurückgekehrt sind. Sie sehen plötzlich Chancen in ihrer ländlichen Region, wo die Regierung die Entwicklung fördert. Wer zurückkommt, kann Lohnerhöhungen zwischen 30 und 100 Prozent durchsetzen. Die lokale Nachfrage ist so hoch, dass die Unternehmer lieber die einfache Ware für den heimischen Markt fertigen als anspruchsvolle für den Export. Und weil sie das Vertrauen in den Euro verloren haben, lassen sie Rechnungen jetzt in Dollar bezahlen.
Dies sei eine noch nie dagewesene Mischung, beklagen die Einkäufer, um 10 bis 20 Prozent müsste Kleidung teurer werden. Chinas Wandel wird sich spätestens Anfang 2011 an den Preisschildern in Frankfurt, Paris oder Madrid ablesen lassen. Oder in den Gewinnrechnungen der Unternehmen.
Frank-Holger Appel Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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