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Chile Erdbeben zerstört Infrastruktur

28.02.2010 ·  Das schwere Erdbeben hat in Chile Straßen, Erdölraffinerien, Häfen und andere Infrastruktur beschädigt. Die chilenische Wirtschaft aber gilt als solide. Angesichts der menschlichen Tragödien ist das ein schwacher Trost.

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Angesichts der menschlichen Tragödien ist es ein schwacher Trost. Doch immerhin: Wirtschaftlich dürfte sich Chile relativ schnell von den Erschütterungen des schweren Erdbebens vom frühen Samstagmorgen erholen. Zwar dürften die immensen Schäden an Straßen, Erdölraffinerien, Häfen und anderer Infrastruktur die Wirtschaft in den kommenden Monaten stark beeinträchtigen. Die scheidende Staatspräsidentin Michelle Bachelet erklärte weite Teile des Landes zum Katastrophengebiet. Doch schon im zweiten Halbjahr könnten die Reparaturen der Konjunktur sogar einen zusätzlichen Anschub geben, erwartet Alberto Ramos von der amerikanischen Bank Goldman Sachs. Das Land habe ausreichende Reserven, um sich selbst zu helfen. „Zum Glück ist Chile eine der am besten geführten Volkswirtschaften dieser Hemisphäre“, kommentierte Ramos.

So solide wie die meisten Gebäude, die aufgrund der Erfahrungen aus früheren Erdbeben schon seit Jahrzehnten weitgehend erdbebensicher gebaut werden, so solide präsentiert sich auch die chilenische Wirtschaft. Mit 4,9 Prozent im Jahr war Chiles Wirtschaftswachstum während der vergangenen dreißig Jahre fast doppelt so hoch wie im übrigen Lateinamerika.

Wirtschaftspolitisches Musterland

Das vielfach als wirtschaftspolitisches Musterland der Region bezeichnete Chile weist mit rund 10.000 Dollar je Kopf der Bevölkerung und je Jahr die höchste Wirtschaftsleistung in Lateinamerika auf. Seit Januar ist Chile als einziges Land Südamerikas Mitglied der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der die führenden Industrieländer der Welt angehören. Der im Januar gewählte neue Präsident Sebastián Piñera, der am 11. März die Regierungsgeschäfte übernehmen wird, sagte öffentliche Sondermittel zur Beseitigung der Schäden zu. An seinem Regierungsprogramm, das noch größere Freiheiten für die Privatwirtschaft schaffen soll, will der konservativ-liberale Piñera festhalten.

Chiles Staatsverschuldung entspricht lediglich 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zudem hat die Regierung in den vergangenen Jahren Rücklagen von etwa 10 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in einem staatlichen Stabilisierungsfonds gebildet, auf die man jetzt zurückgreifen kann. Vorerst benötige das Land nicht einmal die von vielen Seiten angebotene internationale Hilfe. Außenminister Mariano Fernández dankte für die vielen Solidaritätsbekundungen und Hilfsangebote. Die Regierung wolle jedoch zunächst eine Bewertung der Schäden vornehmen, bevor sie auf mögliche Hilfen zurückgreife.

Kupferproduktion offenbar weitgehend intakt geblieben

Die Lebensader der chilenischen Wirtschaft ist die Kupferproduktion, die allein mehr als die Hälfte der Exporteinnahmen des Landes einbringt. Offenbar ist sie weitgehend intakt geblieben. Zumindest die größten Bergwerke wurden von dem Erdbeben nicht direkt getroffen. Das ist eine gute Nachricht für die Weltwirtschaft, denn Chile liefert allein mehr als ein Drittel des Weltbedarfs an dem roten Metall. Viele der großen Kupferminen liegen im Norden des Landes, weit vom Epizentrum des Bebens entfernt.

Der Staatskonzern Codelco, größter Kupferproduzent der Welt, stellte zwar die Produktion in den Minen El Teniente und Andina vorübergehend ein. Dies sei jedoch lediglich auf Unterbrechungen in der Zuleitung von elektrischem Strom zurückzuführen, verlautete aus dem Unternehmen. Der Konzern Anglo American stoppte aufgrund verschütteter Zufahrtsstraßen die Arbeit in zwei Minen. Andere private Minenbetreiber wie BHP Billiton, Xstrata, Teck Resources Ltd. und Freeport McMoRan berichteten, ihre Bergwerke seien nicht beschädigt. Es könne jedoch zu Schwierigkeiten in der Stromversorgung kommen.

Chiles Bergbauminister Santiago González versicherte, sein Land verfüge über ausreichende Reserven, um den Exportverpflichtungen nachkommen zu können. In den von Stromausfällen betroffenen Minen könne die Produktion „in Kürze“ wieder anlaufen. Dennoch könnte die Unsicherheit über die Lage in Chile den Kupferpreis an diesem Montag in die Höhe treiben, fürchteten Rohstofffachleute.

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Von Heike Göbel

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