Der Vorgang ist zumindest ungewöhnlich. Ohne Vorwarnung wird beim Autohersteller Opel mitten in der Sanierung der Vorstandschef ausgewechselt. Die Entscheidung darüber wurde in der GM-Zentrale in Detroit getroffen.
Wohlwollend ließe sich interpretieren, dass Opel sich so weit erholt hat, dass Nick Reilly auf den beobachtenden Posten als Aufsichtsratschef wechseln kann. Tatsächlich hat der Autobauer in jüngster Zeit Absatz und Marktanteil gewonnen. Nach dieser Lesart hat sich die Lage in Rüsselsheim so beruhigt, dass Reilly das Tagesgeschäft einem anderen überlässt.
Doch die Sache wurde in der Art einer geheimen Kommandoaktion vorbereitet. Zudem war der neue Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke früher einmal Leiter des Werks in Bochum, in dem gerade die Verhandlungen über den Abbau von 1200 Stellen gescheitert sind.
Das lässt vermuten, dass Detroit mit den Sanierungsfortschritten unzufrieden ist und vielleicht sogar härtere Einschnitte fordert. Schließlich ist Opel der letzte Verlustbringer im GM-Konzern. Und in Amerika wurde die Sanierung viel härter durchgezogen. Mehr als ein Dutzend GM-Werke mussten schließen, bei Opel aber nur eines.