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Start-up Geospin : Die Datensammler

Bild: F.A.Z., Jonas Jansen

Das gerade gegründete Start-up Geospin will Unternehmen erklären, wie sie sich mit ihren gesammelten Daten besser auf ihre Kunden einstellen. Warum die Doktoren glauben, dass das funktioniert, erklärt einer von ihnen im Video.

          Forschen um der Forschung willen, das könnte den fünf Gründern um das Start-up Geospin nicht passieren. Während sie an ihren Doktorarbeiten schrieben, stellten die Studenten der Universität Freiburg fest, dass sich hinter ihrem Forschungsbereich ein großer Markt versteckt: Big Data für intelligente Städte. 

          Der Informatiker Sebastian Wagner ist geschäftsführender Gesellschafter der gerade vor drei Wochen gegründeten GmbH um Geospin. In Halle 11 steht der 28 Jahre alte Gründer vor einer großen, auf dem Boden ausgelegten Karte von Berlin und erklärt, warum seiner Meinung nach noch viel zu wenige Unternehmen ihre gesammelten Daten nutzen. Dabei könnten etwa Unternehmen mit schon jetzt frei verfügbaren Daten im Netz viel besser erkennen, wie sich ihre Kunden durch Städte bewegen, welche Auslastungen Geschäfte oder Cafés haben oder wann man am besten ein Mietauto im Prenzlauer Berg findet. Oder wo man als Energieversorger überall Ladesäulen für Elektroautos aufstellen soll. 

          Geospin sammelt Ortsdaten über Open-Source-Kartendienste wie „Open Street Map“, Öffnungszeiten und Informationen über Restaurants und Bars über die Anzeige der „beliebten Besuchszeiten“ von Google. Weitere Daten über Bewegungsströme bekommt das Start-up etwa über Ortsdaten, die Nutzer von Sozialen Medien an ihre Botschaften heften. Als Grundlage für ihre eigenen Algorithmen nutzt Geospin dabei fast ausschließlich offene Software wie Python oder Open Street Map. Wie eine Schablone legen sie darüber ihre eigenen, in den Doktorarbeiten entwickelten Big-Data-Lösungen. Die Kunden von Geospin sollen in Zukunft Unternehmen werden, die zwar viele Daten sammeln und vielleicht auch schon speichern - aber bislang noch nicht wissen, was sie damit alles anstellen können und wie sie ihnen nutzen könnten. 

          In seiner eigenen Doktorarbeit beschäftigte sich Wagner mit Auslastungszeiten und Geschäftsmodellen von Carsharing-Unternehmen; seine Mitgründer und Informatiker-Kollegen etwa damit, wie man Kriminalität voraussagen kann. Zu den drei Informatikern gesellten sich schließlich noch zwei Volkswirte - ein Marketing-Experte und ein Statistiker - und fertig war das Start-up. Denn: „Data Scientists“ wie Wagner und seine Kollegen sind derzeit gefragt wie nie - weshalb die jungen Männer auf die Idee gekommen sind, ihre gesammelten Forschungsergebnisse der letzten Jahre zu bündeln und einfach selbst zu gründen, statt sich gleich an ein Unternehmen zu binden. Damit das funktioniert haben sie neben ihren Doktorarbeiten einen Antrag auf Gründerzuschuss ausgefüllt und können nun noch bis September mit rund 150.000 Euro ein kleines IT-Start-up aufbauen. Schon in den ersten Stunden des ersten Tags auf der Cebit habe das Unternehmen „irre viele Kontakte geknüpft“, wie Wagner berichtet. Bei der Gründer-Ausstellung „Scale 11“, die von der F.A.Z. als Medienpartner begleitet wird, präsentieren sich insgesamt rund 350 Start-ups. 

          Noch arbeiten die Programmierer von Geospin nur in Projekten, das heißt, dass etwa eine Bank, die Kosten sparen muss, bei dem Start-up anfragt, welche Filialen in einer Stadt sich am besten schließen lassen. Basierend auf der Kundenanzahl in einem Stadtteil, den Filialstandorten oder wie sich die Bankkunden durch die Stadt bewegen, könnten Wagner und seine Kollegen errechnen, welche Filialen am wenigsten ausgelastet sind. Geospin wirbt damit, dass sich Unternehmen nicht auf ihr Bauchgefühl, sondern auf belastbare Daten verlassen sollten. Wagner sagt, dass die Genauigkeit ihrer Vorhersagen bei mehr als 90 Prozent liege. 

          Doch natürlich stehen die Gründer erst am Anfang und freilich gibt es schon dutzende große Big-Data-Analytics-Unternehmen auf dem Markt. Versuchen wollen es die Fünf aber trotzdem. Da kommt dann doch wieder der Forschungsdrang heraus - warum nicht das erlangte Wissen testen und schauen, was passiert? 

          Quelle: FAZ.NET

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