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Aufbruch in eine neue Zukunft : Hat der Mensch die Technik noch im Griff?

Wer hat hier wen in der Hand? Bild: ddp

Die Pioniere des Internets verzweifeln manchmal an ihrer Schöpfung. Die Daten liegen in den Händen weniger – und die Politik wirkt machtlos. Es beginnt eine neue Runde im Kampf um die Zukunft.

          Revolutionen beginnen mit einem Flüstern. Und dieses Flüstern hat vor 25 Jahren begonnen. Der Tag ist bekannt. Es war der 30. April 1993. Damals wurde am Kernforschungszentrum Cern in Genf der entscheidende Schritt vollzogen, der das Internet zu einem Phänomen für die breite Masse werden lassen sollte. Unter der Regie des Internetpioniers Tim Berners-Lee wurde der Zugang zu Dokumenten zur öffentlichen Nutzung über Internet-Datenleitungen freigegeben, die man mit der Auszeichnungssprache HTML optisch ansprechend gestalten konnte. Das klingt technisch, es war aber eine Sensation.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Damit öffnete sich das Internet, das vorher ein Nischendasein in der Wissenschaft führte, der Welt. Gründer machten sich daran, utopische Ideale zu verwirklichen. Es tat sich ein neuer Weg auf, für den es keine Regeln gab. Es entstanden riesige Internetkonzerne wie Google und sogenannte soziale Netzwerke wie Facebook, die mit ihrem Wachstum Staaten und Rechtssysteme überfordern.

          Ein Vierteljahrhundert später wird die Machtfrage neu gestellt. Die großen Hoffnungen von Internetpionieren wie Berners-Lee sind meist enttäuscht worden. Wo ist die Freiheit im Netz geblieben? Wer macht wann was mit unseren Daten – wird es jemals wieder möglich sein, unseren „digitalen Zwilling“ unter Kontrolle zu behalten?

          So wurden die einstigen Lieblinge des digitalen Zeitalters in atemberaubender Geschwindigkeit zu dunklen Mächten einer dystopischen Zukunft. Schon ist von einem „Techlash“ die Rede. Bücher, welche die Auswirkungen der Internet- und Social-Media-Sucht auf unser Leben anprangern, finden reißenden Absatz. Vorschläge gewinnen an Resonanz, dass Facebook, Google und andere große Plattformen eine Regulierung benötigen, die mit der Reaktion auf die Finanzkrise in den Jahren nach 2008 vergleichbar ist.

          Das Genie und sein digitales Monster

          In Deutschland gibt es inzwischen Gesetze, die harte Strafen für Hassreden und falsche Nachrichten in sozialen Medien verhängen, wenn sie nicht sofort gelöscht werden. Am 25. Mai ist in der Europäischen Union die Datenschutzverordnung in Kraft getreten, welche die Privatsphäre schützen soll, indem sie den Nutzern jedenfalls in der Theorie die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten zurückgibt.

          Kurz davor trat Facebook-Chef Mark Zuckerberg vor dem Europäischen Parlament auf, und die Befragung zeigte, dass Europas Politik Facebook trotz aller Bemühungen nach wie vor nur wenig entgegenzusetzen hat. Der Belgier Guy Verhofstadt verzweifelte darüber. Er schleuderte Zuckerberg die entscheidende Frage entgegen: „Sie sollten sich fragen, wie man sich an Sie erinnern wird. Als einer der drei großen Internetgiganten zusammen mit Steve Jobs und Bill Gates, die unser Leben und unsere Gesellschaft bereichert haben?

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          Oder auf der anderen Seite das Genie, das ein digitales Monster geschaffen hat, das unsere Demokratien und Gesellschaften zerstört?“ So groß sind die Sorgen inzwischen. Ein Monster wird beschworen. Die Zerstörung der Gesellschaftsordnung wird befürchtet. Was kann man tun? Es geht um strukturelle Alternativen, die das Big-Tech-Geschäftsmodell in Frage stellen.

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