http://www.faz.net/-gqe-813u4
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren
F.A.Z.-Index -- --
DAX ® -- --
Dow Jones -- --
EUR/USD -- --

Veröffentlicht: 17.03.2015, 13:51 Uhr

Amerikanischer Forscher Google-Algorithmus kann Demokratie gefährden

Können Veränderungen in der Reihenfolge von Google-Suchergebnissen unentschiedene Wähler beeinflussen? Der Forscher Robert Epstein nennt auf der Cebit erstaunliche Zahlen. Und fordert Konsequenzen.

© AP Handschlag im Wahlkampf: Barack Obama, damals noch Senator aus Illinois, und Google-Chef Eric Schmidt im Oktober 2008.

Die Suchformel von Google wird nach Ansicht des amerikanischen Forschers Robert Epstein zunehmend zu einer Gefahr für Demokratien in der Welt. Bei einem Vortrag auf der Computermesse Cebit warnte der Verhaltenspsychologe an diesem Dienstag in Hannover vor einer Art Eigenleben des Google-Algorithmus: „Ganz egal, was das (Google-)Management für Absichten haben mag: Das Programm entscheidet schon heute über den Ausgang von Wahlen in aller Welt.“ Epstein forderte daher eine strenge Regulierung und auch Überwachung von Suchfunktionen, die im Zusammenhang mit Wahlen stehen.

Der Akademiker wies auf Tests mit insgesamt 4556 Teilnehmern in Indien und den Vereinigten Staaten hin, die sein Amerikanisches Institut für Verhaltensforschung und Technologie (AIBRT) vor kurzem durchgeführt habe. Dabei habe sich im Umfeld der vergangenen indischen Wahlen unter 2150 unentschlossenen Wählern gezeigt, dass deren Gunst im Schnitt um 20 Prozent - in einigen Gruppen sogar um rund 60 Prozent - zugunsten eines Kandidaten verschoben werden könne. Epstein vermutet, 99 Prozent der Teilnehmer hätten keine Ahnung gehabt, dass sie manipuliert wurden.

Mehr zum Thema

Nach seinen Schätzungen kann durch die Reihenfolge, in der die Politiker in den Suchergebnissen auftauchten, auch bei anderen Tests etwa ein Viertel der unentschlossenen Wähler beeinflusst werden. „Was wäre aber, wenn man das Tag für Tag und zugeschnitten auf den Internet-Nutzer tun würde“, fragte der Wissenschaftler. Immerhin werde der Großteil aller Suchanfragen weltweit von nur einer Firma kontrolliert. In Nordamerika gäben Unternehmen heute schon jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar aus, um in den Ranglisten bei den Suchanfragen nach oben zu rücken. „Diese Rankings haben einen dramatischen Effekt auf Verbraucherentscheidungen“, erklärt Epstein.

Frauen und Alkohol

Von Alexander Armbruster

Au weia, da hat der Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem vielleicht einen Wirbel ausgelöst mit seiner Anmerkung im F.A.Z.-Interview über Solidarität, Schnaps und Frauen. Was nun tun? Mehr 10 30

Abonnieren Sie den Newsletter „Wirtschaft“

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden
Zur Homepage