http://www.faz.net/-gqe-8eusw

Verschlüsselungstechnologie : Wie eine App die sichere Kommunikation retten will

Bild: F.A.Z.

Qabel ist eine neue App für End-zu-End-Verschlüsselung, die sichere Kommunikation verspricht - für alle digitalen Kanäle. Doch wie will sie gegen übermächtige Konkurrenten bestehen?

          Die sichere Kommunikation ist kaputt - und Peter Leppelt will sie reparieren. Fast zwei Drittel der Internetnutzer sind besorgt, wenn es um Sicherheit im Internet geht, beinahe ein Drittel zensiert sich selbst, aus Angst vor Überwachung. Jeder fürchtet sich, doch kaum jemand tut etwas dagegen. „Fasst man die aktuelle Datenschutzdebatte zusammen, ist heute einfach alles furchtbar“, sagt Leppelt. Deshalb hat der Ingenieur vor zwei Jahren das Unternehmen Qabel gegründet und jetzt auf der Computermesse Cebit das erste Produkt seiner Arbeit der letzten Jahre präsentiert. Herausgekommen ist eine App, die Kommunikation Ende-zu-Ende verschlüsselt, also nur von den zwei Gesprächspartnern, die sich vorher identifiziert haben, als lesbare Nachricht dargestellt werden kann. Die Daten der Kommunikation liegen auf den Servern bloß als unverständlicher Datenhaufen, das wichtigste bei solch verschlüsselten Daten ist, dass sie nicht von einer zufälligen Reihung von Zahlen und Buchstaben unterscheidbar sein dürfen. 

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          Mehr Videos und Berichte von der IT-Messe Cebit finden Sie auf unserer Themenseite.

          Der Code, der hinter Programm und Plattform steht, ist für jedermann auf der Plattform Github einsehbar und damit auch überprüfbar. Es ist Leppelt wichtig, dass sich jeder ein Bild machen kann, versuchen kann, Schwachstellen zu finden und im ständigen Wettbewerb um sichere Kommunikation mitarbeiten kann, die Verschlüsselung zu verbessern. Denn absolut abhörsichere Kommunikation ist niemals möglich. „Wer so etwas verspricht, ist entweder ein Scharlatan oder hat keine Ahnung“, sagt Leppelt. Deshalb fordert Qabel seine Nutzer auch gar nicht auf, ihnen zu vertrauen, sondern das Konzept selbst zu testen. Der Startpunkt läutet somit eine Betaphase ein, das junge Start-up ist auf Rückmeldungen angewiesen. Die Qabel-Plattform benutzt derzeit die Algorithmen, die insofern als „sicher“ einzustufen sind, weil sie noch nicht geknackt wurden. Doch man kann sicher sein, dass irgendwo auf der Welt Leute gerade daran arbeiten, diese Codes zu knacken - ein ständiger Wettlauf.

          In seiner Lizenz verbietet Qabel, dessen Name ganz dem Nerdhumor treubleibend aus der Star-Trek-Sprache Klingonisch kommt und da „schlecht abzuhören“ heißt, Militärorganisationen und Geheimdiensten, seine Software zu benutzen. „Wir hoffen natürlich, dass sie es trotzdem versuchen, denn dann sind wir relevant“, sagt Leppelt. Doch würde das Unternehmen dann rechtliche Schritte einleiten; Leppelts Geschäftspartner Benjamin Schütze ist Rechtsanwalt.

          Verschlüsselung ist anstrengend

          Doch bevor Geheimdienste versuchen, bei Qabel mitzulesen, stellt sich die Frage, wer überhaupt Qabel nutzen sollte. Whatsapp und der Facebook-Messenger sind so etabliert, dass bisherige Versuche von Unternehmen, verschlüsselte Kommunikationsapps wie Threema oder Telegram zu etablieren, nur wenige Nutzer finden. Denn Sicherheit ist den Anwendern zwar wichtig, aber die Nutzerfreundlichkeit mindestens genauso. Und Verschlüsselung ist anstrengend, wenn jeder einzelne Kommunikationskanal wie E-Mail oder Chatnachricht mit verschiedenen Programmen verschlüsselt werden muss.

          Qabel will das mit seiner Plattform ändern, die jegliche Kommunikation über alle Kanäle verschlüsselt. Der Clou dabei: Whatsapp könnte sich dafür entscheiden, seine Kommunikation über die offene Qabel-Plattform laufen zu lassen und sie so verschlüsseln. Dass das passiert ist allerdings unwahrscheinlich, schließlich ist Facebook, das Whatsapp gekauft hat, nichts so wichtig wie Daten. 

          Dabei wäre Dezentralisierung von Daten sehr wichtig, findet Leppelt. Selbst Metadaten, also Informationen darüber, wann und wo man mit wem kommuniziert hat ohne dabei die Inhalte zu kennen, will Qabel verschleiern. „Alle Daten, die wir haben, sind nur ein verschlüsselter Haufen Mumpitz“, sagt Leppelt. Da sei es auch egal, auf welchem Server die Daten liegen, entschlüsseln könne sie - derzeit - ohnehin niemand.

          Geld will das Unternehmen dann auch damit verdienen, Firmen dazu zu bringen, die Plattform für ihre Kommunikation zu verwenden. Das Technologieunternehmen Konica Minolta hat Qabel dabei schon gewinnen können. Für private Nutzer und Non-Profit-Organisationen ist die Plattform kostenlos, mit einem Speicherplatz von zwei Gigabyte. In Zukunft will das Unternehmen auch mehr Speicherplatz gegen eine Gebühr anbieten. Damit das funktioniert, braucht die Plattform, die es derzeit nur für Android und Windows gibt, allerdings Nutzer. Investoren haben zwar Millionen in das Start-up investiert, aber der Speicherplatz und ständige Kampf um Sicherheit kostet.

          Weitere Themen

          Bewerben in geheimer Mission

          Anonyme Job-Apps : Bewerben in geheimer Mission

          Die Arbeit ist okay, aber eine neue Stelle wäre auch nicht schlecht: Wer so denkt, will meist nicht, dass der eigene Chef davon Wind bekommt. Apps für anonyme Bewerbungen sind daher im Trend.

          Chinas Weg zur Weltherrschaft

          Aufstieg der Volksrepublik : Chinas Weg zur Weltherrschaft

          Viele im Westen träumen von einer Öffnung Chinas. Doch das ist eine Illusion. Mit totaler Kontrolle beanspruchen die Digitalkommunisten in Peking die Macht über die Privatwirtschaft. Ein Essay.

          Topmeldungen

          Wählt Hessen wie Bayern? : Die Abgründe der anderen

          Bei der Wahl in Bayern mussten SPD und CSU herbe Verluste hinnehmen. Aber Bayern sei nicht Hessen, betonen nun die Spitzenkandidaten Bouffier und Schäfer-Gümbel. Doch nicht alle reagieren so.
          Google hat die Geschäftsregeln für das mobile Betriebssystem Android in Europa geändert.

          In Europa : Google ist nicht mehr überall gratis

          Der Internetkonzern verlangt jetzt von Handyherstellern Geld für seine Dienste. Das ist eine Abkehr vom bisherigen Geschäftsmodell. Und könnte eine dramatische Folge haben. Eine Analyse.
          Dem Urteil zufolge muss man während der Reise nicht einmal arbeiten, um sich den Reiseweg als Arbeitszeit vergüten lassen zu können.

          Bundesarbeitsgerichts-Urteil : Wer reist, der arbeitet

          Wer aus beruflichen Gründen reist, kann sich diese Reisezeit wie Arbeitszeit vergüten lassen. Wer allerdings noch Umwege einlegt, muss dafür selbst aufkommen. Das hat das Bundesarbeitsgericht jetzt entschieden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.