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Cebit-Motto „Shareconomy“ Teile und spare

Unter dem Motto „Shareconomy“ blickt die Cebit auf Tauschgeschäfte über das Internet. Der Trend zum gemeinsamen Konsum erfasst inzwischen auch Unternehmen.

© dpa Carsharing-Projekt von Daimler in Ulm

Über den Anfang machten sich viele lustig. „Zylinder auf Rädern“ oder „Fliegender Badebottich“ nannten die Amsterdamer das Autoteilprojekt Witkar, das der Ingenieur Luud Schimmelpennink erfunden hatte. Vor fast 39 Jahren rief Schimmelpennink mit Witkar in den Niederlanden eines der ersten Carsharing-Systeme der Welt ins Leben. Es lief 14 Jahre und zu Hochzeiten teilten sich rund 5000 Menschen die klobigen Fahrzeuge. Heute erreicht das Teilen über das Internet andere Größenordnungen.

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Einer repräsentativen Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge ist Teilen vor allem unter Jüngeren beliebt. So sehen 97 Prozent der 14 bis 29 Jahre alten Deutschen es als selbstverständlich an, das Netz zu nutzen, um Wissen, Ressourcen oder Erfahrungen zu tauschen. Inzwischen gibt es Tauschplattformen für alles: Auf Seiten wie Unseraller.de können Menschen ihre Erfahrungen einbringen, um neue Produkte mitzugestalten. Unter Kleiderkreisel.de tauschen Menschen Pumps, Pullover und Paillettenroben. Und auf Frents.de leihen sich Mitglieder untereinander ihre Bohrmaschinen.

Kürzlich hat der amerikanische Unterkunftvermittler Airbnb verkündet, dass über ihn im vergangenen Jahr rund um die Welt drei Millionen Menschen online eine temporäre Bleibe gefunden haben. Und in deutsche Carsharing-Autos sind 2012 mehr als 450000 Fahrer eingestiegen. Grund genug für die Cebit, in diesem Jahr unter dem Schlagwort „Shareconomy“ das Tauschen im Netz in den Mittelpunkt der Messe zu stellen.

Soziale Netzwerke machen es möglich

Das Geschäft mit dem Teilen floriert. Möglich gemacht haben das unter anderem soziale Netzwerke wie Facebook. Über sie fassen Menschen zu Fremden einen Grundstock an Vertrauen, der notwendig ist, um anderen Alltagsgegenstände oder sogar die eigene Wohnung zu überlassen. „Das mobile Internet über Smartphones und die sozialen Medien haben das Tauschen erst möglich gemacht“, sagt Alexander Holst, der beim Beratungsunternehmen Accenture den Bereich Nachhaltigkeit leitet. „So erhalten Menschen die Möglichkeit zu sehen, dass nur hundert Meter entfernt ein anderer eine Bohrmaschine verleihen will. Das Netz senkt die Kosten für den Tausch immens.“

Der Wille zu tauschen ist längst nicht mehr auf Endverbraucher und Konsumgüter beschränkt. Michael Kuhndt erforscht für das Wuppertaler Zentrum für nachhaltigen Konsum und Produktion den gemeinschaftlichen Konsum. Er berichtet von ersten Initiativen, die sich auf das Teilen zwischen Unternehmen verlegen, zum Beispiel von der niederländischen Plattform Floow2, auf der Landwirte oder Baubetriebe Traktoren, Kräne oder Bagger von Konkurrenten leihen können, die ansonsten ungenutzt in deren Fuhrpark stehen würden. „Der Anreiz für Unternehmen, per Tausch zusammenzuarbeiten sind die Kosten“, sagt Kuhndt. Nachdem auch Unternehmen zaghaft beginnen, miteinander zu teilen, werde der nächste Schritt nach Kuhndts Meinung gar ein neues englisches Akronym auf die Tagesordnung bringen. Statt B2C als Bezeichnung für Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen („business“) und Konsumenten („customer“) werde es bald C2B geben, wenn etwa Geschäftsreisende über private Unterkunfttauschseiten eine günstige Übernachtung buchen oder ein privat vermitteltes Carsharing-Auto anmieten.

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Accenture-Manager Holst sieht eine Gefahr darin, dass das moderne Teilen etablierte Geschäftsmodelle einfach über den Haufen wirft. „Wenn Nutzer ein Wirtschaftsgut unentgeltlich mehrfach nutzen, finden das die Nutzer toll. Aber die Unternehmen haben es eben nur einmal verkauft“, sagt Holst. Andererseits sieht er aber auch Chancen für Unternehmen: Fahrzeughersteller könnten über ein eigenes Carsharing-Programm mehr über das Nutzungsverhalten ihrer Kunden lernen und Markenloyalität steigern. Außerdem werde es künftig für alle zur Notwendigkeit, Ressourcen zu sparen.

Für die Zukunft erwartet Holst einzelne Produktkategorien wie Autos oder Unterkünfte, die weiter stark wachsen werden. „Aber Airbnb wird nicht alle Hotels ersetzen. Und es wird in fünf Jahren auch noch kein Massenphänomen sein“, sagt Holst. Das weiß er auch aus eigener Erfahrung: Als der Manager vor kurzem seine Frau überzeugen wollte, das eigene Heim anderen zur Verfügung zu stellen, habe die gleich abgewinkt.

Quelle: F.A.Z.

 
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