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Cebit : „Die digitale Welt, wie sie uns gefällt“

Auch die Telefonica hat einen Stand auf der Cebit in Hannover. Bild: EPA

Telefonica Next heißt ein Start-up, das als Kunden gleich alle abdecken will, die man sich ausmalen kann: Städte, Unternehmen und Konsumenten. FAZ.NET hat mit dem Chef gesprochen.

          Nur wenige Unternehmen haben so viele Daten über ihre Nutzer wie Telefonanbieter – zumindest potentiell. Wenn Internetverkehr durch die Leitungen der Telekom, von O2 oder Vodafone durchläuft, sehen die Anbieter, welche Seiten man besucht. Da hilft auch kein privater Modus im Internetbrowser. Hinzu kommen die unzähligen Funkzellen, durch die sich jeder Mensch jeden Tag bewegt und die dafür sorgen, dass man Telefon- und Internetempfang unterwegs hat.

          Doch bislang lagen diese Daten ungenutzt herum, der nicht umsonst restriktive Datenschutz hat den Unternehmen bislang ihre Grenzen aufgezeigt. Das macht er immer noch, nur sind durch die zunehmende Vernetzung nicht nur mit Smartphones, sondern auch durch immer mehr Geräte im Internet der Dinge neue Geschäftsfelder für Telefonkonzerne aufgetaucht.

          Da kommt etwas auf die Verbraucher zu: So hat Telefonica Deutschland, unter deren Dach erst kürzlich E-Plus und O2 fusioniert sind, ein eigenes Start-up gegründet, das sich auf die Verwertung der Nutzerdaten fokussieren soll. Telefonica Next heißt es, sitzt in Berlin und will als Kunden gleich alle abdecken, die man sich ausmalen kann: Städte, Unternehmen und Konsumenten.

          Besuch beim Volksfest

          Erstmals seit zehn Jahren präsentiert sich Telefonica auf der Cebit in Hannover, das Unternehmen zeigt hier seine Datenanalysen und welche Produkte es sich ausgedacht hat. So könnten Städte Daten aus dem Netz nutzen, um die Mobilität zu optimieren.

          Wie gut so etwas heute schon funktioniert, beweist Google mit seiner Stauprognose im Kartendienst Maps. Nur nutzt das den Städten bislang wenig: Ob es nun die normale Verkehrsplanung ist oder die Organisation von großen Menschenmengen an Veranstaltungen – Handydaten sollen bei der Planung helfen. So hat Telefonica gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut in Stuttgart untersucht, wie der Verkehrsfluss zum Volksfest an den Cannstatter Wasen war. Das Ergebnis: 50 Prozent mehr Gäste in der U-Bahn, eine Zahl, die auch die lokalen Verkehrsbetriebe überrascht hat.

          In Zukunft soll auch Telefonica-Technik in Produkten für Verbraucher stecken: Ob nun smarte T-Shirts die Herzfrequenz des Trägers messen oder Hundehalsbänder die Bewegung des Haustieres – das Start-up sammelt die Daten auf einer Plattform für das Internet der Dinge namens Geeny. Dort können Kunden ihre verschiedenen Geräte miteinander vernetzen und nach Angaben von Telefonica selbst entscheiden, welche Daten sie teilen. „Der Kunde soll seine digitale Welt so gestalten können, wie er es möchte“, sagt Nicolaus Gollwitzer, der Telefonica Next leitet, im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Es sei auch möglich, keine Daten dort zu hinterlegen. Doch der Nutzen für den Kunden steige, je mehr Daten er auswerten lässt.

          Auch Unternehmen können die Plattform nutzen, um dort ihre Produkte aufzusetzen: Wenn etwa ein neues Auto heutzutage eine Sim-Karte eingebaut hat, fallen dem Hersteller potentiell sensible Daten zu. Wo der Autofahrer hinfährt, wo er einkauft, wo er übernachtet oder wie schnell er sich bewegt. Viele Unternehmen seien sich noch gar nicht sicher, wie sie solche Daten nutzen könnten, ohne zu sehr in die Privatsphäre ihrer Kunden einzugreifen.

          Deshalb hat die Telefonica eine Anonymisierungssoftware in ihrer Plattform verbaut und diesen Aufbau von der Bundesbeauftragten für Datenschutz begleiten lassen. Das Ziel der Plattform: Alle Daten in mehreren Schritten so zu anonymisieren, dass sie in keinem Fall Rückschlüsse auf Personen zulassen. Der TÜV Saarland hat die Plattform zertifiziert. „Wir haben uns bewusst dazu entschlossen in Deutschland zu investieren – dem Land mit dem schärfsten Datenschutzrecht“, sagt Gollwitzer.

          Ein erstes Ziel des Unternehmens ist, die Telefonica digital zu transformieren. In den nächsten Schritten sollen dann Gebühren von Unternehmen erhoben werden, die die Plattformen nutzen. „Mit der Datenanalyse und dem Internet der Dinge setzen wir auf die digitalen Wachstumsfelder. Daraus werden sich völlig neue Geschäftsmodelle entwickeln“, sagt Gollwitzer. So könnte auch ein traditionelles Unternehmen, das etwa seine Skier smart machen will, die Geeny-Plattform benutzen, um die Daten auszuwerten, die Sensoren sammeln. Die Sensoren kämen dann zum Beispiel von anderen Technik-Start-ups, für die Vernetzung würde Telefonica sorgen. Was die Skifahrer letztlich mit den Daten machen wollen, würden sie schon selbst herausfinden, ist Gollwitzer überzeugt. „Drumherum wird sich ein Ökosystem finden, das wir uns heute vielleicht noch gar nicht vorstellen können.“

          Quelle: F.A.Z.

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