http://www.faz.net/-gqe-8ethc

Datenschutz : Amerikanische Konzerne setzen auf deutsche Cloud-Dienste

  • Aktualisiert am

Cloud-Symbol auf der CeBIT: Datenspeicherdienste werden immer beliebter. Bild: dpa

Amerikanische Sicherheitsbehörden haben immer mehr Zugriff auf Cloud-Daten. Die Konzerne wollen sensible Informationen schützen und verlassen sich auf Datenspeicherdienste aus Deutschland.

          Viele Internet-Nutzer fürchten sich mittlerweile mehr vor staatlichen Ermittlern als vor Hackern. Unternehmen geht es ähnlich, insbesondere wenn sie ihre Daten in Rechenzentren speichern. Diese sogenannten Cloud-Dienste versprachen anfangs mehr Sicherheit vor Angriffen von Cyberkriminellen, doch werden für viele Firmenchefs nun die Nachteile deutlich: Die einst vollkommene Kontrolle über die eigenen Firmendaten, das Kundenmanagement oder den E-Mail-Dienst geht verloren. Prominentes Beispiel ist Apple: Obwohl sich der Konzern in einem vieldiskutierten Fall weigert, das iPhone eines Attentäters zu entschlüsseln, gelangte die amerikanische Bundespolizei FBI an einige der Daten. Die waren nämlich als Sicherheitskopie auf Apple-Servern hinterlegt. Ein Ausweg für Konzerne ist die Flucht ins Ausland. In deutschen Clouds suchen sie inzwischen Schutz vor den eigenen Sicherheitsbehörden.

          Mehr Videos und Texte von der IT-Messe Cebit finden Sie auf unserer Themenseite.

          „Die Debatte macht deutlich, wie wichtig Sicherheit in der Cloud ist“, sagt Raimund Genes, Technologie-Chef der IT-Sicherheitsfirma Trend Micro, am Mittwoch auf der Computermesse Cebit in Hannover zu Reuters. Das sei nicht nur bei Apple relevant, sondern für alle Nutzer, die private oder geschäftliche Korrespondenzen bei US-Diensten wie Google oder Facebook speichern. Die dortigen Behörden könnten nämlich auf Basis von Antiterrorgesetzen von heimischen Internet-Konzernen verlangen, die Daten eines jeden Kunden herauszurücken, selbst wenn diese nicht in den USA, sondern in Europa gespeichert seien. „Deutsche Gesetze schützen nicht vor amerikanischen.“ Rechtlich gebe es keine Handhabe gegen die Datenschnüffler aus Übersee: Ein Gericht in New York habe die Praxis vor zwei Jahren noch untermauert.

          Für Privatkunden ist das meist nur ärgerlich. Unternehmen hingegen müssen fürchten, dass geheime Firmendaten oder die E-Mails des Geschäftsführers auf dem Schreibtisch eines US-Staatsanwalts landen. Laut einer Umfrage des IT-Branchenverbands Bitkom pochen vier von fünf Unternehmen darauf, dass ihr Cloud-Anbieter ausschließlich Rechenzentren in Deutschland betreibt. Wie gerufen kommt die Diskussion der Deutschen Telekom. Deren IT-Tochter T-Systems versucht seit fünf Jahren, Datenspeicherdienste „Made in Germany“ zu verkaufen - anfangs relativ erfolglos. Erst die Enthüllungen des Ex-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden über das weitgespannte Internet-Überwachungsprogramme der USA im Sommer 2013 machten den Dienst für Kunden interessant.

          Später Durchbruch für deutsche Cloud-Dienste

          Der Durchbruch kam dann voriges Jahres, als der amerikanische Vorzeige-Konzern Microsoft ankündigte, in ein hochsicheres Telekom-Rechenzentrum bei Magdeburg einzuziehen. Der Clou daran: Durch eine Vereinbarung gibt Microsoft die Oberhoheit über die dort gespeicherten Kundendaten an die Telekom ab. Selbst wenn also US-Stellen den Software-Riesen zum Aushändigen von Dokumenten drängen, kann Microsoft dem nicht Folge leisten. Und die Telekom als deutsches Unternehmen erst recht nicht.

          „Wir geben keine Daten heraus“, sagt Telekom-Managerin Anette Bronder zu Reuters. Der Erfolg des neuen Angebots sei so groß, dass die Rechenzentrale deutlich erweitert werde. Richtig ins Gewicht fällt das Cloud-Geschäft mit 1,4 Milliarden Euro Jahresumsatz im Vergleich zu den 69 Milliarden Euro bei der Telekom insgesamt noch nicht. Doch das Wachstum ist rasant: Bis 2018 sollen sich die Cloud-Erlöse dank neuer Kunden wie dem IT-Konzern Cisco oder dem Software-Anbieter Salesforce verdoppeln.

          Es ist nicht der einzige Weg, wie US-Konzerne bei verunsicherten Unternehmenskunden Vertrauen schaffen wollen. Amazon etwa betreibt seit kurzem Server in Frankfurt und verschlüsselt die Daten nach eigenen Angaben so, dass nur Kunden darauf Zugriff haben. Auch Apple plant ähnliches: Der Konzern will offenbar nach dem Eindringen des FBI auf seinen Dienst „iCloud“ alle in den USA gespeicherten Nutzerdaten verschlüsseln. Geplant ist, dass danach nicht einmal Apple-Chef Tim Cook Ermittlern Zugang zu den Inhalten des Speicherdienstes verschaffen kann.

          Weitere Themen

          Sicherheitsversprechen aus China Video-Seite öffnen

          „Autonomes Fahren“ : Sicherheitsversprechen aus China

          Chinas Ministerpräsident Li Keqiang hat den deutschen Autokonzernen die Sicherheit ihrer Daten und Technologien bei der gemeinsamen Entwicklung des autonomen Fahrens zugesagt. Sein Land wolle die Technologie zusammen mit deutschen Herstellern entwickeln.

          Pornostar Stormy Daniels in Stripclub festgenommen Video-Seite öffnen

          Trump-Affäre : Pornostar Stormy Daniels in Stripclub festgenommen

          In einem Stripclub im amerikanischen Ohio haben Behörden die Pornodarstellerin Stormy Daniels festgenommen. Daniels soll sich laut amerikanischen Medien auf der Bühne des Lokals von Kunden angefasst haben lassen. Laut dem Gesetz in Ohio ist das aber verboten.

          Topmeldungen

          „Made In USA“ : Seht her, so toll ist Amerika

          Cowboy-Stiefel, Kampfjet, Waffenschränke: Trump plant eine Ausstellung heimischer Produkte, um seine Handelspolitik zu untermauern. Währenddessen stapelt sich in amerikanischen Kühlhäusern immer mehr Fleisch.
          Uniform einer Hilfspolizistin in Magdeburg.

          Polizeibefugnisse : Gefährlich und verrufen

          Wegen einer Anfrage der Grünen ist in Sachsen eine Debatte über Polizeibefugnisse entbrannt. Die Attraktivität von Städten werde durch „Panikmache“ zerstört.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.