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Veröffentlicht: 20.03.2017, 10:24 Uhr

Cebit 2017 Was heißt hier Computer?

Desktops und Notebooks spielen in Hannover längst keine Rolle mehr. Der „Computer“ ist heute dennoch allgegenwärtig. FAZ.NET stellt die Schwerpunkte der diesjährigen Cebit vor.

von und
© AP Cebit 2017 in Hannover

Die Cebit ist in den vergangenen Jahren mächtig geschrumpft. Von 755.000 Besuchern wie vor gut zwei Jahrzehnten, als Bill Gates in Hannover das Microsoft-Betriebssystem Windows 95 vorstellte, können die Veranstalter heute nur träumen. Die Deutsche Messe AG ist schon froh, wenn 200.000 Menschen das ausladende Messegelände bevölkern.

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Trotzdem gilt die Cebit noch immer als die größte Computermesse der Welt. Der Begriff „Computer“ wird inzwischen jedoch sehr weit ausgelegt. Desktops oder Notebooks spielen allenfalls noch eine Nebenrolle. „Computer“ ist in Zeiten allumfassender Vernetzung eigentlich alles, was sich mit dem Internet verbinden lässt. „Elektronische Datenverarbeitungsanlagen“ – so die Wikipedia-Definition – haben inzwischen die Form von Automobilen, Smartphones und Zahnbürsten angenommen.

Schutz smarter Systeme im Blickpunkt

Und so gehört das Thema Internet der Dinge, nach der englischen Bezeichnung mit IoT abgekürzt, zu den ganz großen Themen der Cebit. Die konkreten Schätzungen liegen um viele Milliarden auseinander, aber ob es bis zum Jahr 2020 nun 20 Milliarden vernetzte Geräte sind oder 50 Milliarden, das ist letztlich nicht wichtig. Entscheidend ist die Erkenntnis, die sich von Halle 3 im Nordosten bis Halle 12 im Südwesten zieht: Alles ist online.

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Die einen betrachten diese Entwicklung als die größte Bedrohung der Menschheit überhaupt, als Datenschutz-GAU, als Ende der Privatsphäre, wie wir sie kennen. In Hannover stellt man naturgemäß eher die Chancen heraus. Die mit der Vernetzung entstehenden „unzähligen neuen Anwendungen und Geschäftsideen“ sollen die Besucher anregen und faszinieren – von der Straßenlaterne, die Schadstoffe misst, bis zum Weinberg, der dem Winzer den Reifegrad der Reben automatisiert mitteilt: „IoT ohne Grenzen“, jubelt die Industrie.

Aber sie weiß auch: Unsicherheit kann das System rasch kollabieren lassen. Ein Blick auf die Cyberangriffe der jüngsten Zeit macht klar: Wenn Systeme durch Hacker angegriffen werden und stundenlang ausfallen, wird es teuer. Ganz zu schweigen von Angriffen auf reale Dinge wie Autos: Hier geht es um Menschenleben und um das generelle Vertrauen in die Technik. Entsprechend prominent wird das Thema Cybersecurity in Hannover behandelt. In einem eigenen Ausstellungsbereich präsentieren Unternehmen eine Bandbreite an IT-Sicherheitslösungen: angefangen bei der App für das Smartphone, die abhörsicheres Telefonieren über Software in Echtzeit gewährleisten soll, bis zur kostenlosen sogenannten Volksverschlüsselung. Auch der Schutz smarter Systeme steht im Blickpunkt. Wer schon einmal gesehen hat, wie leicht ungeschützte private Überwachungskameras über eine einfache Suchmaschine aufgespürt und beobachtet werden können, ist sofort davon überzeugt, wie akut das Thema ist.

Größenordnung von 80 Milliarden Euro

Einigen Beobachtern kommt es wohlbekannt vor, was der Cebit-Veranstalter Deutsche Messe Jahr für Jahr wieder als wichtiges Thema identifiziert. Zu den Dauerbrennern zählt die Auslagerung von Dateien, Services und Dienstleistungen in die sogenannte Cloud, also in externe Rechenzentren. In diesem Jahr ist etwas wirklich neu: Eine große Mehrheit von Firmen hat inzwischen an der generellen Sinnhaftigkeit der Technik keine Zweifel mehr. Zwei von drei deutschen Betrieben nutzen nun Cloudangebote, wie eine Umfrage im Vorfeld der Cebit ergeben hat. Sie geben ihre Daten also aus der Hand – und profitieren letztendlich davon, weil sie dadurch effizienter arbeiten können. Im Ausstellungsbereich Big Data & Business Intelligence wird erklärt, wie das geht. Der Besucher lernt: Die Cloud ist angekommen. Im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen noch eine gehörige Portion Skepsis herrschte.

Am meisten dürften Privatbesucher drei Topthemen interessieren: Wie leben wir künftig, begleitet von künstlicher Intelligenz (KI/AI) und virtueller Realität (VR), und welche Rolle spielen Drohnen? Auch darauf versprechen die Computermesse und vor allem die vielen innovativen Start-up-Unternehmen in der Halle 11 Antworten.

Auf generelles Interesse dürften auch Technologien stoßen, die ein noch schnelleres Internet versprechen – allen voran der schnelle Mobilfunkstandard 5G. Er gilt als Voraussetzung für das Internet der Dinge. Aber auch der leitungsgebundene Breitbandausbau wird erörtert, zumal er politisch – Stichwort „Gigabit-Gesellschaft“ – einen hohen Stellenwert genießt. Langfristig, so sehen es die meisten Fachleute, führt am Glasfaserausbau kein Weg vorbei, wenn es um schnelles Internet geht. Doch Glasfaser flächendeckend in Deutschland zu verlegen käme extrem teuer – gerechnet wird mit einer Größenordnung von 80 Milliarden Euro.

Das Image städtischer Depression

Deshalb rüsten die Anbieter ihre vorhandene Infrastruktur auf. Ihre große Chance wittern vor allem Fernsehkabelanbieter wie Vodafone Kabel Deutschland oder Tele Columbus. Längst verdienen sie ihr Geld auch mit Internetanschlüssen – und präsentieren sich dabei gerne als die schnelleren Datentransporteure. Vodafone etwa will Bayern 2019 zum „ersten Gigabit-Land“ machen. Auf der Cebit prescht nun der Konkurrent Unitymedia vor.

Das Unternehmen ruft nach Informationen der F.A.Z. am Montag im Beisein des Düsseldorfer Landeswirtschaftsministers Garrelt Duin die Ruhrpottstadt Bochum zur „ersten Gigabitcity Deutschlands“ aus. Im ersten Quartal 2018 sollen den Planungen zufolge den Bewohnern entsprechende Internetzugangsangebote gemacht werden. SPD-Oberbürgermeister Thomas Eiskirch spricht euphorisch von der „schnellsten Stadt Deutschlands“. Vergessen machen will er das Image städtischer Depression, verbunden mit den Namen von Nokia und Opel. Ein schönes Beispiel, wie Computer, Internet und Digitalisierung ganz neue Horizonte eröffnen.

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