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Veröffentlicht: 12.03.2014, 10:23 Uhr

Cebit 2014 Ein Roboter mit himmelblauen Augen

Die Knochen sind aus Kunststoff, das Hirn ist ein Chip, das Herz eine Batterie. Auf der Computermesse Cebit marschiert eine neue Generation von Maschinenmenschen auf. Ein Blick in die Zukunft.

von , Hannover
© REUTERS Gestatten, meine Name ist Roboy

Hannover, 11. März. Die Knochen sind aus Kunststoff, das Hirn ist ein Chip, das Herz eine Batterie. Er wiegt 35 Kilogramm, ist keine anderthalb Meter groß und spricht mit sanfter Stimme alle Passanten an. An Roboy kommt man einfach nicht vorbei. Er sitzt an seinem Messestand der Cebit in Hannover, spult sein Programm ab, gibt sich locker, leicht und fröhlich. Der Roboter mit den himmelblauen Augen hatte am Sonntag Geburtstag. Daher haben seine Erschaffer ihm ein Hütchen aufgesetzt und ein wenig gefeiert. „Roboy ist unser Baby“, sagt Raffael Hostettler. Er ist einer seiner Erschaffer.

Stephan Finsterbusch Folgen:

Ein Jahr ist die Maschine nun alt, war schon in Peking, Schanghai und Washington, nun soll sie nach Brasilien und Tokio reisen. Sie hat noch viel vor sich. Roboy ist der kleine Star der größten IT-Messe der Welt. Während sich Technikkonzerne wie IBM, Fujitsu oder SAP auf ihren handballfeldgroßen Ständen alle Mühe geben, für die Geschäftskunden ihre neuesten Entwicklungen rund um Computer, Softwareprogramme und Netzwerke in Szene zu setzen, ziehen die Roboter der Cebit Tausende Besucher in die Hallen. Die Maschine als Mensch. Ein Blick in die Zukunft.

Mit Chips und Sensoren bespickt

Was vor einigen Jahren noch kostspielige und exotische Hobbys reicher Entwickler oder Industrieller waren, rückt nun ins Zentrum der Öffentlichkeit und vielleicht auch bald der Wirtschaft. Der Autokonzern Honda baut seit Jahren eigene menschengleiche Roboter; Sony war in den neunziger Jahren lautstark ins Geschäft ein- und dann kleinlaut wieder ausgestiegen; Google hat sich gerade eine eigene Roboterfirma gekauft; IBM macht mit seinem Supercomputer Watson viel Furore; Forscher in aller Welt machen sich an die Vermessung des menschlichen Gehirns.

Arme, Beine, Kopf und Körper. Wie ihre fernen Verwandten, die Industrieroboter, sind sie mit Chips und Sensoren von oben bis unten bespickt. Nirgendwo ist in Hannover so viel Zukunft zu sehen wie in Halle 9. Dort zeigt unter anderem die Parrot-Gruppe einen Flugroboter, dessen vier batteriegetriebene Motoren ihn über ein paar Propeller spielend leicht in die Luft erheben lassen. Die Steuerung erfolgt über eine Handy-App. Keine vierhundert Gramm schwer, schnurrt das kleine fliegende Wunder durch die Halle. Ein Drohnenroboter für den Himmel. „Man muss schon etwas verrückt sein, um so was zu machen“, sagt Andrèa Mestre-Hamel von der Firma Aldebaran.

Mehr als 400 Mitarbeiter

Das Pariser Unternehmen war 2005 von dem technikbegeisterten Bankangestellten Bruno Meissonier gegründet und aufgebaut worden. Vier Jahre später stand der erste Roboter des Hauses auf dem Schreibtisch des Chefs. Meissonier war von seinem eigenen Geschöpft begeistert und nannte es Nao. Er verkaufte die ersten hundert Stück an Schulen in Frankreich sowie England und ließ die zweibeinige, kaum einen halben Meter hohe Kunstkreatur technisch ständig weiterentwickeln. Mit Erfolg: Heute beschäftigt Aldebaran mehr als 400 Mitarbeiter und verkaufte bislang rund 5000 seiner singenden und laufenden Maschinen.

Sie wird unter anderem an Hochschulen zur Veranschaulichung abstrakter Formeln der Elektrotechnik und Informatik eingesetzt. Peer Johannsen von der Hochschule Pforzheim nennt Nao „eine Motivation für die Studenten“. Im Kopf des kniehohen Maschinenmannes sitze der alles steuernde und speichernde Prozessor, sagt Andrèa Mestre-Hamel. Die Ohren sind zwei Lautsprecher, in der Stirn steckt eine Kamera, in der Brust die Batterie, in den Gliedmaßen surren alles in allem 24 fingergroße Elektromotoren. Nao ist nach den Worten seiner Betreuerin quasi ein durchprogrammierter Computer mit eingebautem Zufallsgenerator. Keine künstliche Intelligenz, ein Geschöpf des binären Codes. Bits und Bytes mit Armen und Beine. Wenn er beim Laufen hinfällt, steht er von allein wieder auf. Er hält die Balance. Allein das ist eine technische Meisterleistung. Dahinter steckt eine Software mit Zehntausenden Programmierzeilen.

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Dagegen machte es sich der Koreaner Ingu Kang leicht. Er hat einen Tabletrechner auf eine rollende Kunststoffstatue montiert, nennt sie Furo oder Future Robot, lässt sie durch die Messehallen von Hannover fahren und will sie als Servicemaschine für den Hausgebrauch verkaufen. Mensch und Maschine wüchsen zusammen, erklärt Unternehmensgründer Song Se-Gyeong. Ein kleines, aber lohnendes Geschäft. Aus Brasilien kam schon eine Bestellung von hundert Stück. Ein Großauftrag. Sie werden dort als Werbemaschinen und Serviergeräte eingesetzt.

Raffael Hostettler denkt da ein wenig größer. Der kaum 30 Jahre alte Techniker war einer der Paten von Roboy. Keine neun Monate hatte es gedauert, den Schweizer Roboter aus der Taufe zu heben. Er war ein Forschungsprojekt und wird heute von einem Verein betreut. Für die Bewegungen der Arme und Beine wurden aus Kunststoffen und dünnen Drahtseilen quasimenschliche Muskeln und Sehnen nachempfunden. „Das hat bislang noch keiner gemacht“, sagt Hostettler. Roboy wirkt richtig elegant. Der in den „AI-Labes“ der Universität Zürich von einem 40 Ingenieure umfassenden Team um die Roboterforscher Rolf Pfeifer und Adrian Burri entwickelte Plastikkamerad kostete eine Million Euro. Die Bauteile sind allesamt auf dem freien Markt erhältlich. Ein Kunststoffwesen für die Zukunft.

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