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Cebit 2013 : Die jungen Pioniere der IT

Gründerbegeistert: Philipp Rösler Bild: GFT

Auf der Cebit sorgen nicht nur Konzerne wie IBM, SAP oder Acer für Furore. Unter der Dachmarke Code-N haben sich kleine junge Unternehmen mit großen Ideen versammelt.

          Ein kleiner Messestand, zwei Stühle, ein Tisch, darauf steht eine schwarze Box, die kleiner ist als ein Schuhkarton. Außen Plastik, innen Hightech: Computer-Chips, Leiterbahnen und viel unsichtbare Software. Jennifer Indovina nennt dieses Gerät ihre „Schatztruhe“. Es sei ein intelligenter Stromstecker, erläutert sie. Ein sogenannter „Smart Grid“. Einsetzbar in aller Welt. Sie habe ihn selbst entworfen und gebaut in Amerika - in der Garage ihres Vaters. Später dann gründete sie ihre Firma Tenrehte. In diesen Tagen steht die Box in Europa, auf der Messe Cebit.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          (Acht Teilnehmer stellen sich hier im Video vor.)

          Jennifer Indovina gehört zu den Besten ihres Fachs. Sie hat ihren Stecker „Picowatt“ getauft. Das klinge nicht nur lustig, das treffe den Nagel auch auf den Kopf, meint sie. Denn er lasse sich via Internet und Handy mit nur einem Fingerwisch über den Bildschirm bedienen. Der könne den Energieverbrauch eines ganzen Hauses steuern. „Geldsparend und umweltschonend“ sei das, sagt sie.

          Jennifer Indovina liegt damit im Trend der Zeit. Auf der größten IT-Messe der Welt, der Cebit in Hannover, in Halle 16 lässt Ulrich Dietz mit seinem Unternehmen GFT Technologies unter der Marke „Code-N“ 50 solcher junger Gründer ihre Vorstellungen von der Zukunft zeigen: Fluggeräte, Elektrofahrzeuge, Computer und Software; von Big Data bis Cloudcomputing, von Apps bis Umweltschutz ist alles dabei. Ein Treff von Unternehmern und Investoren; die Innovationskraft einer Generation. Konzerne wie BMW oder SAP schicken ihre Ingenieure durch die Halle. Nur zum Gucken.

          Ein batteriebetriebener Zwei-Mann-Hubschrauber

          Daniel Hager lacht: „Wir fassen auch an.“ Der Vorstandsvorsitzende des großen, international aufgestellten deutschen Elektrospezialisten Hager Group hat mehr als 40 Manager in die Halle geschickt. Immer auf der Suchen nach Neuem. Deutschland habe eine Energiewende und die Digitalisierung seiner Industrien zu stemmen, sagt Hager. Das brauche Kraft, gute Leute und frische Ideen.

          Hager investiert in jedem Jahr 6 Prozent seines 1,5 Milliarden Euro umfassenden Konzernumsatzes in die Forschung. So lässt er sich auch einen intensiven Blick auf solch einen Innovationscluster wie Code-N nicht entgehen. „Die beste Halle der Messe“, sagt er.

          Sie hat einiges zu bieten. Auch die Karlsruher Gründer von E-Volo zeigen ihr Konzept eines batteriegetriebenen Zwei-Mann-Hubschraubers. Die ersten Versuche führten schon erfolgreich in die Luft, sagt Alexander Zosel. Er ist einer der vier Macher der Firma. In zwei Jahren soll es einen Prototypen geben. Dafür habe man sich selbst einen kleinen Forschungsverbund organisiert: mit Firmen, Instituten, Universitäten. Später wolle man in die Massenfertigung gehen. In der Halle in Hannover ist ein Modell des „Volocopters“ zu sehen.

          Vernetzung gegen Kohlendioxid-Emissionen

          Einen Stand weiter setzt die Berliner Firma Changers mit einem „Solar Charger“ auf den Einsatz erneuerbarer Energien im täglichen Leben. Gleich nebenan zeigt der amerikanische Autodesigner Rob Cotter das Elektrofahrrad der Zukunft: aus Karbonfasern und Aluminium, überdacht und leicht wie ein Mannequins. Ein Rad für jedes Wetter. Vor einem Jahr gründete er die Firma Organic Transit. Er warb für diese eine viertel Million Dollar in Amerika ein, holte ein paar Materialspezialisten an Bord und beschäftigt heute 18 Mitarbeiter. Seine Kunden sind Fahrradvermieter. Cotter hat nun Kunden in Berlin im Blick.

          Das niederländische Unternehmen Greenclouds macht sich derweil mit seiner Technologieplattform daran, Datenzentren untereinander zu vernetzen um Kapazitäten besser zu nutzen. Denn 2 Prozent aller Emissionen von Kohlendioxid geht nach den Worten der Gründer Michel Korpershoek von Rechenzentren aus, so viel wie von der Luftfahrtbranche. Dabei werden die Kapazitäten von Datenzentren nach Angaben des Analystenhauses Gartner kaum zu einem Fünftel genutzt. Eine Riesenverschwendung und Riesenreservoir zugleich. Greenclouds will Potentiale heben.

          „Rahmenbedingungen hinter internationalen Standards“

          In Deutschland sei das für junge Unternehmen technisch zwar einfach, doch finanziell schwierig, beklagt Dieter Kempf, der Präsident des Branchenverbandes Bitkom. Nach Angaben des Bitkom und des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) konnten sich 2012 nur 252 Start-up-Firmen mit Wagniskapital versorgen. Die Höhe der Mittel belief sich auf 240,8 Millionen Euro. Das waren sogar 15 Millionen Euro weniger als im Jahr zuvor. „Wer kein dickes Sparbuch hat, hat ein Problem“, sagt Kempf.

          „Venture Capital ist wichtig für eine florierende Gründerszene“, erklärte Matthias Kues, Vorstandsvorsitzender des BVK. „Leider bleiben die Rahmenbedingungen in Deutschland hinter den internationalen Standards zurück.“ Die Berliner Politik verspricht Besserungen. Im Wahljahr 2013 haben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bis Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) und SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück auf der Cebit in Hannover viel von neuer Gründerkultur und besseren Möglichkeiten der Finanzierung junger Unternehmern geredet. „Wir wollen nicht warten, bis die endlich mal handeln“, meint Jakob Carsten von der Dresdner Finanzierungsanbieter Seedmatch. Auf der kaum zwei Jahre alten internetbasierten Plattform von Seedmatch können junge Unternehmer ihre Pläne darstellen und so Investoren finden.

          „Man muss da immer positiv denken“, sagt Jennifer Indovina aus Amerika. „Hannover ist eine Chance.“

          Quelle: F.A.Z.

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