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Cebit 2013 : Big in Hannover

Hingucker: Ob Modellbau oder selbst erschmolzener Nippes, 3D-Print als Privatanwendung findet auf der Cebit viel Beachtung Bild: Pilar, Daniel

Auf der Cebit traf sich die Fachwelt. Aber mehr als die Hälfte der Deutschen haben noch nie etwas von Big Data gehört. Vom großen Datenfischen sind sie alle längst betroffen.

          Ist Big Data nur der nächste Hype, den die IT durchs Dorf treibt?“ Michael Kleinemeier, Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom, hätte es kaum in einer noch schöneren Verbindung von deutschem Sprichwort und typischem Cebit-Neusprech in Hannover sagen können. Big Data - nur jeder siebte Deutsche verbindet damit die Verarbeitung großer Datenmengen mit Höchstgeschwindigkeit - war eins der Schlagworte, wie sie kometenartig über der Messe erscheinen, die längst keine „Computermesse“ mehr ist.

          Hans-Heinrich Pardey

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          In der IT-Branche herrscht Goldgräberstimmung: Jährliche Umsatz-Zuwachsraten von an die 48 Prozent mit dem Durchforsten von großen Datenmengen werden in Aussicht gestellt. Fakt ist, dass immer mehr Daten anfallen. Wenn jeder sich eine Festplatte mit mehreren Terabyte Speichervolumen im Ich-bin-doch-nicht-blöd-Markt kaufen kann, dann sind Datenberge in der Größenordnung von Peta-bytes bei großen Organisationen und Unternehmen oder Zettabytes auf der Welt zwar kaum vorstellbar, aber nicht unwahrscheinlich. Ein Großteil dieser Daten entsteht, ohne dass ihre Generierung von den Betroffenen wahrgenommen wird. Unsere Mobilität, die sich von Zelle zu Zelle buchenden Handys, Apps, die unseren Standort mit Empfehlungen von Sushi-Theken verknüpfen, Facebook und Konsorten, jede Kartenzahlung beim Discounter, all das lässt eine Datenflut entstehen, von der wir das Allermeiste nicht zu Gesicht bekommen. Doch diese Datenmassen sind nutzbar: Ob man nun an Handy-Standortmeldungen einen Autobahnstau erkennt, sobald er sich aufbaut, oder nach einer medizinischen Therapie anhand von Patientendaten aus aller Welt sucht oder als Fan-Trikot-Hersteller vor einer Fußball-WM anhand von Social-Network Einträgen die Popularität von Spielern einschätzt - die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sieht das und die Fragen des Datenschutzes nach einer Bitkom-Umfrage ganz entspannt.

          Eigene Basisstationen für ein besseres Netz

          Das Telefonieaufkommen in den Mobilfunknetzen steigt durch Flatrates, noch viel mehr steigt der mobile Datenverkehr. Die beiden großen Mobilfunkanbieter in Deutschland haben für die zusätzliche Netzlast zwei unterschiedliche Lösungen entwickelt. Vodafone will nicht nur das Netz ausbauen. Geschäftskunden - und seit der Cebit auch Private - können sich ihre eigene „Basisstation“ ins Haus holen. Die heißen allerdings „Femtozellen“, nach dem metrischen Präfix für 10 hoch minus 15 oder ein Billiardstel. Hardware daheim ist ein Einsatz für die Schukosteckdose. Über ihren Lan-Anschluss verbindet sich die kleine Zelle ins Internet und mit Vodafone. Danach versorgt die Femtozelle bis zu acht Mobiltelefone mit einem eigenen Vodafone-Netz, beliebige, oder, wenn man will, nur ganz bestimmte - etwa die Kellner im Kellerlokal, nicht aber dessen Gäste. Der Regulierungsbehörde muss die Zelle übrigens als Mobilfunksender gemeldet werden.

          Eine größere Femto-Variante sieht aus wie ein W-Lan-Router und versorgt bis zu 28 Teilnehmer, die gleichzeitig sprechen oder Daten übertragen können. Die Reichweite der kleinen Variante beträgt bis zu 30 Meter, bei der großen sind es 70 Meter. Femtozellen lassen sich hinstellen, wo weit und breit kein Netz ist: Sie sind keine Repeater, sie generieren Mobilfunk ganz frisch. Hat man keinen Lan-Anschluss, so tut es für wenige Teilnehmer zur Not auch Internet über Powerline; 6 Megabit in der Sekunde (MBit/s) sollten schon ankommen, ab 2 MBit/s klappt es. Fünfzig Euro kostet die kleine Box, zehn Euro im Monat der Betrieb.

          Netzdose: Vodafone Femtozelle
          Netzdose: Vodafone Femtozelle : Bild: Jörn

          Die Telekom will den steigenden Datenverkehr in einer Art von Trittbettverfahren abwickeln: Wenn in den privaten W-Lans wenig läuft, kann die verfügbare Bandbreite doch von anderen genutzt werden. Aus den vielen privaten W-Lans sollen „Hotspots“ werden. Dazu kooperiert die Telekom mit dem spanischen Unternehmen Fon. Das neue Angebot nennt sich „W-Lan to go“: Jedem, der Fremden Zugang über den eigenen Telekom-Router spendiert, bekommt seinerseits Zugang zu allen anderen Fon-Sendern, sogar im Ausland. So sollen in Deutschland bis 2016 rund 2,5 Millionen für Telekom-Kunden zugängliche Hotspots entstehen. Die Router der Telekom werden neben dem privaten Sendesignal einen zweiten SSID (Service Set Identifier) abstrahlen, so dass privates W-Lan und Hotspot getrennt sind. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich zeigen. Hinderlich mag sein, dass Fon sich nicht an den inzwischen etablierten „Passpoint“-Standard für den Hotspot-Zugang hält, der Geräten automatisches Einbuchen ermöglicht.

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