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Eröffnung der Digitalmesse : Altmaier: Abschaffung der Cebit wäre „Dummheit“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) bei der Eröffnung der Cebit in Hannover am Montag Bild: EPA

Bundeswirtschaftsminister Altmaier beschwört zur Eröffnung der Cebit die Innovationskraft der Künstlichen Intelligenz. Auf einen prominenten Gast muss der Minister allerdings verzichten.

          Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat zur Eröffnung der Cebit am Montagabend gesagt, dass die Diskussionen um die Zukunft der Digitalmesse ein Fehler gewesen seien. Eine eigenständige Cebit sei eine deutsche Marke, die es auch in Zukunft geben solle. „Wo wir überall reden über die größte Herausforderung unserer Generation wäre es eine Dummheit sondergleichen, wenn wir die Cebit nicht bewahren“, sagte Altmaier.  

          Jonas Jansen

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für die „Netzwirtschaft“.

          In Deutschland gebe es so viele Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum wie nie zuvor. Doch müsste die Gesellschaft darüber nachdenken, wie sie diese Innovation nicht nur gestalten, sondern sie nach Europa und Deutschland holen könne. Altmaier kritisierte die gescheiterten Diskussionen der G 7 über Zölle in Kanada. „Ich weiß nicht, ob es für die wichtigsten Politiker der Welt die richtige Lösung ist, über Zölle auf Motorräder so lange zu reden und dann nicht zu einer Lösung zu kommen.“ Es gäbe dringendere Probleme wie Unterernährung in Afrika, mangelnde Bildung oder die Vermüllung der Meere. 

          Trotzdem werde Technologie die Welt verändern. So sei Künstliche Intelligenz eine Basisinnovation, die alle anderen Innovationen überflügele und beiseite dränge, sagte Altmaier. „Wir werden mehr Menschen brauchen, die vor neuen Technologien keine Angst haben und sie weiterentwickeln“, sagte Altmaier. Aber es ginge nicht nur um die Ausbildung im eigenen Land: Deutschland müsse dafür sorgen, dass auch ausländische Entwickler attraktive Angebote aus Deutschland bekommen und nicht nur darauf hoffen, dass deutsche Talente ins Ausland gezogen würden. „Sonst werden wir diese Auseinandersetzung nicht gewinnen“, sagte Altmaier. 

          „Es muss auch unser Ziel sein, dass wir solchen Plattformen wie Booking eine Heimat in Deutschland bieten.“ Junge Start-ups müssten Ideen entwickeln, die auf der ganzen Welt skalierbar seien. So habe es mit der ZVAB in Deutschland früher ein „großartiges Netzwerk“ gegeben, das antiquarische Bücher verkauft habe, mit einem Bestand von mehr als 30 Millionen Büchern. Nur habe es eben nicht Amazon übernommen, sondern sei im Gegenteil von dem Online-Händler gekauft worden. Altmaier mahnte die Anwesenden zur Eröffnung, keine Angst vor der Zukunft zu haben. „Die Künstliche Intelligenz ist eine künstliche. Die menschliche Intelligenz ist die entscheidende“, sagte Altmaier. Der Bundeswirtschaftsminister wird sich am Dienstag auf einem Rundgang über die Schwerpunkte der neu ausgerichteten Cebit informieren.

          Autofahrt mit Audi-Chef Stadler abgesagt

          Audi-Chef Rupert Stadler hatte indes eine geplanten Spritztour mit Altmaier in einem autonom fahrenden Auto abgesagt. Das bestätigte ein Sprecher der Cebit am Montagabend. Der Grund dafür ist die Weitung der Abgas-Affäre, am Montag wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft München gegen Stadler ermittelt. Am Montagabend wurde Altmaier deshalb noch von einem Menschen chauffiert, die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) stieg aber am Abend der Eröffnung aus einem Audi aus, wo niemand am Steuer saß. Freilich braucht diese Entwicklung noch viel Zeit, selbstfahrende Autokilometer werden in Deutschland bislang auf Teststrecken absolviert. „Technologische Innovationen brauchen Zeit, bis sie sich auf den Weltmärkten etabliert haben und das Vertrauen der Menschen gewonnen haben“, sagte Karliczek denn auch.

          Doch auch Dinge, an die sich die Gesellschaft zwangsläufig längst mehr als gewöhnt hat, bieten noch Digitalisierungspotential. So verbringen alleine in Deutschland Autofahrer rund 500 Millionen Stunden im Jahr damit, freie Parkplätze zu finden. Um solche Probleme zu lösen, könnte eine App namens Aipark helfen, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz freie Parkplätze in der Stadt sucht. Die App, die vor drei Jahren aus einem Universitätsprojekt in Braunschweig entstanden ist, hat am Montagabend den „Innovation Award“ gewonnen, einen mit insgesamt 100.000 Euro dotierten Preis.

          Die Gründer nutzten die Preisübergabe gleich dafür, für ihre derzeit laufende Finanzierungsrunde zu werben. Für Start-ups sind 100.000 Euro zwar viel Geld, aber ein Unternehmen kann man damit noch nicht am Laufen halten. Aipark ist eines von tausenden Start-ups, die sich in der kommenden Woche in Hannover präsentieren. Stephan Weil, der Ministerpräsident Niedersachsen, sagte zur Eröffnung, dass die Cebit das Potential habe, das größte Start-up-Festival der Welt zu werden. Nun sei die Cebit durch die Neuausrichtung aber zunächst einmal das größte Start-up der Veranstaltungen.

          „Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif“

          Bitkom-Präsident Achim Berg versuchte, auch den größeren Digitalunternehmen Mut zu machen. Denn natürlich geht es auf der Cebit auch darum, wie Deutschland in der Digitalisierung mit der Konkurrenz aus Amerika und China mithalten kann. In der Entwicklung des neuen Mobilfunkstandards 5G „wollen und können wir Vorreiter sein“, sagte Berg. Allerdings bedeute 5G flächendeckend, dass alle 200 Meter auf jedem Acker ein Sendemast stehe – von dieser Entwicklung geht der Bitkom zunächst nicht aus. Doch mit Industrie 4.0, im 3D-Druck, im autonomen Fahren und der Künstlichen Intelligenz müsse sich Deutschland nicht verstecken. Der Industrie stünden aufregende Zeiten bevor. „Es ist, als wäre die Dampfmaschine und der Motor zur gleichen Zeit erfunden worden“, sagte Berg. Kritisch sieht der Bitkom-Präsident, dass nur 23 Prozent der Unternehmen zielgerichtet in Innovationen investierten. „Die Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif, liebe Unternehmer“, sagte Berg. 

          Bis Freitag präsentieren sich rund 2800 Aussteller aus 70 Ländern auf der Cebit. Zum ersten Mal seit 1986 findet die Digitalmesse im Sommer statt. Die Messe sieht sich mehr als Digitalfestival denn als klassische Messe. Im Zentrum des neuen Konzepts steht eine Art Campus unter dem Expo-Dach.

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