Die europäische Staatsschuldenkrise dürfte dem reichsten Mann der Welt sehr zupass kommen. Der Mexikaner Carlos Slim, mit seinem lateinamerikanischen Konzern America Movil stark engagiert in der Mobilfunkbranche, hat schon seit längerem ein Auge auf den alten Kontintent geworfen. In der Vergangenheit versuchte er sich - erfolglos - bei Telecom Italia einzukaufen, ebenso wie in Spanien, Polen und Serbien. Nun nimmt Slim die Niederlande und Österreich ins Visier.
Mit Teilübernahmeangeboten für KPN und, ganz neu, für Telekom Austria dürfte ihm mehr Erfolg beim Versuch beschieden sein, einen Fuß in die europäische Tür zu setzen. Slim hat sein Multi-Milliarden-Imperium nicht zuletzt mit Hilfe einer Schnäppchen-Strategie aufgebaut.
Vor gut einem Jahrzehnt war er in Südamerika aktiv. Damals galten Länder wie Brasilien nicht als wirtschaftlich heftig aufstrebende Staaten, vielmehr steckten sie mitten in einer schlimmen ökonomischen Krise. Slim ließ sich davon nicht beirren und kaufte zu. Jetzt hat eine Krise Europa erwischt, und Carlos Slim wittert abermals seine Chance. Statt fatalistisch in Untergangsszenarien zu verharren, könnte sich daran auch mancher Europäer ein Beispiel nehmen.