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Caritas & Co. : Die heimlichen Geschäfte der Wohltäter

Mit dem Geld anderer Leute machen Caritas & Co. einen Milliarden-Umsatz Bild: dpa

Caritas & Co. sind zu einem gigantischen Wohlfahrtsimperium geworden: Sie betreuen Kinder, beraten Süchtige, pflegen Alte. Aber unter dem Siegel der Gemeinnützigkeit verbergen sich Intransparenz und Ineffizienz.

          „Herzen öffnen“ heißt die CD, die das Deutsche Rote Kreuz alljährlich zur Adventszeit verschickt. Mary Roos und Bernd Clüver singen „Alle Jahre wieder“ oder „Stille Nacht“. Die Deutschen werden eingestimmt in die große Weihnachtsspendenaktion der Wohltätigkeitsorganisation: Wo Herzen sich öffnen, öffnen sich auch die Geldbeutel.

          Rainer Hank

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nächstenliebe hilft nicht nur den vielen Bedürftigen. Die organisierte Menschenfreundlichkeit nährt zugleich eine gigantische Wohltäterindustrie. Mit 80.000 hauptamtlich Beschäftigten ist das Rote Kreuz eher ein kleiner Player.

          Notorische Verschwiegenheit

          Die ganz Großen der Branche heißen Caritas (katholisch) und Diakonisches Werk (evangelisch), die zusammen fast eine Million Mitarbeiter auf ihren Gehaltslisten führen. Allein die Zahl der Arbeitsplätze bei den großen fünf der Mildtätigkeit hat sich seit 1970 mehr als verdreifacht. Marktführer Caritas ist mit knapp 500.000 Beschäftigten der größte private Arbeitgeber in Deutschland. Aber niemand weiß das.

          Bild: F.A.Z.

          Das liegt an der notorischen Verschwiegenheit der Branche. Über die guten Werke redet man gerne. Doch die Sozialunternehmen bleiben im dunkeln. Noch nicht einmal die Chefs der großen Verbände kennen Umsatz und Kassenlage ihrer Wohlfahrtsimperien.

          Intransparenz unter dem Siegel der Barmherzigkeit

          Geschweige denn gibt es Vergleichsdaten darüber, wo effizient oder schludrig gewirtschaftet wird. „Unter dem Siegel der Barmherzigkeit findet sich viel Intransparenz“, sagt Dominik Enste, Fachmann für Wohlfahrtsökonomik beim Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

          Die Branche der Wohltäter hat sich in einem Gewirr rechtlich selbständiger, regionaler Kleinverbände organisiert, die völlig unabhängig nebeneinander wirtschaften.

          „Franchising im Namen der Nächstenliebe“

          Sie weigern sich hartnäckig, ihre Zahlen an die Zentralen weiterzureichen. „Franchising im Namen der Nächstenliebe“, nennt Enste das Organisationsprinzip der Branche. Der altruistische Zweck heiligt den Schleier der Intransparenz.

          Und führt zu mangelnder Wirtschaftlichkeit. „Es ist kaum zu glauben, wie aufgebläht die Verwaltungen der Verbände sind“, kritisierte schon vor Jahren der damalige Pforzheimer Oberbürgermeister Joachim Becker: „Für alles gibt es Referenten, Unterreferenten und Sachbearbeiter in großer Zahl.“

          Gegen den gerne erweckten Anschein spielen Spenden und private Zuwendungen zur Finanzierung der Wohlfahrtspflege eine sehr untergeordnete Rolle. Schätzungen zum Spendenaufkommen schwanken zwischen 2 und 4 Milliarden jährlich.

          55 Milliarden Umsatz

          Der Umsatz der Gesamtbranche liegt aber, Rechnungen des IW zufolge, bei 55 Milliarden Euro. Über 80 Prozent der Einnahmen stammen aus dem Füllhorn des Sozialstaats, aus dem sich die Wohltäter meisterhaft zu bedienen wissen.

          Es ist allemal das Geld anderer Leute, welches Caritas & Co. ausgeben: Darunter sind Ausschüttungen aus dem staatlichen Glücksspielmonopol, Zuwendungen von gerichtlich eingestrichenen Geldauflagen und vor allem Mittel aus Pflege- oder Krankenversicherungen.

          „Wenn die Verbände die Kürzungen des Sozialetats geißeln, dann tun sie das nicht nur im Namen der Nächstenliebe, sondern auch, um das finanzielle Wohlergehen ihrer eigenen Kindertagesstätten, Fortbildungshäuser und Beratungsdienste zu sichern“, sagt IW-Mann Enste. Der Sozialstaat nährt die Wohlfahrtsindustrie bestens.

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