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Bundesliga Rechtepoker bringt Rekorderlös

07.06.2006 ·  Die DFL hat sich mit der Telekom und Arena geeinigt. Gewinner des Deals sind die Profiklubs, sie erhalten fast 50 Prozent mehr als letzte Saison. Und der große Verlierer steht auch schon fest: Premiere.

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Die Deutsche Fußball Liga (DFL) erlöst aus dem Verkauf der Übertragungsrechte für die erste und zweite Bundesliga in Zukunft mehr Geld als erwartet. Die 36 Vereine der beiden obersten deutschen Spielklassen könnten in den kommenden drei Spielzeiten mit Einnahmen von insgesamt 1,326 Milliarden Euro rechnen, sagte Liga-Präsident Werner Hackmann am Mittwoch vor Journalisten in München.

Bei der ersten Vergabe von Übertragungsrechten im Dezember hatte die DFL bereits 1,26 Milliarden Euro eingefahren, jetzt kommen zusätzliche Einnahmen aus dem Verkauf von Mobilfunkrechten und für die Übertragung in Gaststätten (Sportbars) hinzu. Erstmals gibt es mit der Deutschen Telekom zudem auch einen Namenssponsor für die Liga.

Telekom spart 8 Millionen

Die jetzt abgeschlossene Verkaufsrunde bringt den 36 Profiklubs ein sattes Aufgeld von knapp 50 Prozent: Kassierten sie in der abgelaufenen Saison noch rund 300 Millionen Euro für die Übertragungsrechte, sind es in den nächsten drei Jahren 442 Millionen Euro pro Saison.

Der Einigung in der Nacht zum Mittwoch ging ein monatelanger Streit um die Abgrenzung der Übertragungsrechte voraus. Der jetzt vereinbarte Kompromiß hat sich allerdings bereits vergangene Woche abgezeichnet. Er sieht vor, daß die Telekom ihre Rechte für die Live-Übertragung der Spiele im neuen Internetfernsehen (IP-TV) nur über DSL-Telefonleitung, nicht aber über die reichweitenstarken traditionellen Fernsehübertragungswege Kabel und Satellit nutzt.

Diese bleiben, wie von der DFL gefordert, dem neuen Bezahlfernsehsender Arena vorbehalten. Die Telekom zahlt deshalb weniger für ihre Rechte als die im Dezember vereinbarten rund 50 Millionen Euro pro Saison. Nach Informationen dieser Zeitung aus Verhandlungskreisen liegt der Abschlag bei 6 bis 8 Millionen Euro.

10 Millionen für die Sportbars

Durch den Verzicht auf Kabel und Satellit, gegen den sich die Telekom im Ringen mit der DFL lange gewehrt hat, wird der Bonner Konzern im Bundesliga-Wettbewerb gegenüber Arena zunächst zum Nischenanbieter. Zum Saisonstart im August haben weniger als zehn Prozent der deutschen Fernsehhaushalte einen der neuen V-DSL-Anschlüsse, an die das Bundesliga-Angebot der Telekom gekoppelt ist.

Für die nächsten drei Jahre erhält die Handysparte der Telekom, T-Mobile, außerdem die Mobilfunkrechte und zahlt dafür rund 15 Millionen Euro pro Saison. T-Mobile hat damit den Rivalen O2 ausgestochen. Auf das Namenssponsoring hat die Telekom eine Option, und zahlt 25 bis 30 Millionen Euro pro Saison.

Arena hat am Mittwoch wie erwartet zusätzlich zu den allgemeinen Bezahlfernsehrechten auch die Lizenzen für die Übertragung in Gaststätten (Sportbars) erhalten. Dafür bezahlt der Neueinsteiger nach Informationen aus Verhandlungskreisen rund 10 Millionen Euro. Über die mehr als 13.000 Sportbars will Arena vor allem den Verkauf von Bundesliga-Abonnements an Privatleute ankurbeln. Finanziell gelten die Sportbars dagegen als wenig profitabel.

Premiere ist der große Verlierer

Arena verzichtet nach Angaben der DFL außerdem wie von der Telekom gefordert, darauf, ihr Bundesliga-Bezahlprogramm an andere DSL-Betreiber weiterzuleiten und so der Telekom im Telefonnetz direkt Konkurrenz zu machen. Arena ist mit rund 200 Millionen Euro pro Saison in Zukunft der Hauptfinanzier der Vereine. Zweitgrößter Geldgeber ist die öffentlich-rechtliche ARD welche mit ihrer „Sportschau“ den ersten Zugriff auf die Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen hat. Die ARD zahlt insgesamt rund 95 Millionen Euro pro Spielzeit.

Hauptverlierer der Einigung ist der Abonnementsender Premiere, der die Bezahlfernsehrechte bereits im Dezember überraschend an Arena verloren hat. Premiere hat zwar eine Bundesliga-Kooperation mit der Telekom vereinbart, doch hat der Sender die Telekom vergeblich bedrängt, auf der Kabel- und Satellitenverbreitung zu beharren.

Der Premiere-Aktienkurs ist seit dem Verlust der Bundesliga um mehr als die Hälfte eingebrochen. Premiere-Chef Georg Kofler droht damit, die Rechtevergabe durch die DFL rechtlich anzufechten. „Darüber werden wir in den nächsten zwei bis drei Wochen entscheiden“, sagte er am Mittwoch dieser Zeitung. Außerdem überprüfe Premiere zur Zeit seine Geschäftsprognosen für 2006 und 2007 und plane Preissenkungen.

Quelle: theu., F.A.Z., 08.06.2006
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