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Bundesbankpräsident Weidmann : „Es liegt in der Hand der Griechen“

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„Die Europäische Zentralbank hat Forderungen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro gegen Griechenland“, sagt Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Bild: Frank Röth

Sparen oder Austreten: Bundesbankpräsident Jens Weidmann erinnert die Griechen im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, dass sie ihr Schicksal selbst bestimmen können.

          Herr Weidmann, die politische und finanzielle Zukunft Griechenlands ist vor den Neuwahlen mehr als ungewiss. Lässt die Situation den Bundesbankpräsidenten noch ruhig schlafen?

          Die Lage ist in der Tat sehr ernst, und wie es weitergeht, ist unsicher. Klar ist: Griechenland steht vor grundsätzlichen Weichenstellungen. Dabei ist der entscheidende Punkt, ob Griechenland sich an die getroffenen Vereinbarungen hält oder nicht. Das Reform- und Sparprogramm ist notwendig, damit Griechenland seine tiefgreifenden Probleme in den Griff bekommt und irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen kann. Gleichzeitig ist es die Grundlage für alle Hilfsmaßnahmen.

          Der Internationale Währungsfonds hat die Kontakte zu Griechenland eingefroren. Ist das der Anfang vom Ende?

          Mit dieser Entscheidung reagiert der IWF lediglich darauf, dass in Athen bis zur Parlamentswahl am 17. Juni keine Regierung mit einer ausreichenden parlamentarischen Unterstützung als Ansprechpartner zur Verfügung steht.

          Glauben Sie, dass Griechenland den Euro verlassen wird?

          Das liegt in der Hand der griechischen Bevölkerung und der von ihr gewählten Volksvertreter. Die Währungsunion besteht aus eigenverantwortlichen Staaten. Diese entscheiden letztlich über ihr eigenes Schicksal und ob sie getroffene Vereinbarungen einhalten oder nicht.

          Also bestimmt Griechenland, und die anderen Länder müssen die Folgen ausbaden?

          Wenn ein Land Vereinbarungen einseitig aufkündigt, die nach langem Ringen gerade erst getroffen wurden und mit umfangreichen Hilfen verbunden sind, müssen die Konsequenzen klar sein. Eine solche Entscheidung würde sicherlich Griechenland am härtesten treffen. Dass es Hilfen nicht ohne die vereinbarten eigenen Anstrengungen gibt, ist aber von entscheidender Bedeutung: für den konkreten Fall Griechenland, für Hilfsvereinbarungen mit anderen Ländern und für das Vertrauen in die Stabilitätsorientierung der Währungsunion.

          Viele Griechen scheinen nicht so recht an die Zukunft des Euro in ihrem Land zu glauben, sonst würden sie nicht so panikartig Geld an den Geldautomaten abheben. Ist das Eurosystem auf einen Ausstieg Griechenlands vorbereitet?

          Mein Eindruck ist nicht, dass in Griechenland panikartig Geld von den Konten geräumt wird. Allerdings ist die Nervosität in der Tat groß, und insbesondere Griechenland selbst muss alles tun, um eine weitere Zuspitzung zu vermeiden. Im Übrigen äußere ich mich grundsätzlich nicht öffentlich zu möglichen Notfallplänen.

          Im Augenblick finanziert die Europäische Zentralbank über das Eurosystem die griechischen Banken. Ist das nicht heikel?

          Das Eurosystem hat dies im Vertrauen darauf getan, dass die Solvenz Griechenlands gewahrt bleibt und die griechischen Banken rekapitalisiert werden. Das geht allerdings mit höheren Risiken für die Notenbanken einher, darauf habe ich schon in der Vergangenheit wiederholt hingewiesen.

          Was bedeutet das für die Bundesbank?

          Aufgrund der besonderen Art der Bankenrefinanzierung steigen unmittelbar vor allem die Risiken für die griechische Notenbank. Im schlimmsten Fall wären aber auch die EZB und die Bundesbank erheblich betroffen.

          Bis zu einer Regierungsbildung in Griechenland werden noch Wochen vergehen. Ist es sinnvoll, so lange die griechischen Banken zu finanzieren - und am Ende tritt das Land aus dem Euro aus?

          Die griechische und die europäische Politik müssen sich möglichst rasch darauf festlegen, wie es weitergehen soll. Angesichts der extrem unsicheren Lage ist es meines Erachtens auch klar Aufgabe der Finanzpolitik, darüber zu entscheiden, ob die europäischen Steuerzahler zusätzliche Risiken schultern sollen. Ich würde es in der Tat nicht für richtig halten, wenn das Eurosystem das gegenüber Griechenland eingegangene Risiko jetzt noch weiter erhöht.

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