21.04.2004 · Nach dem Rücktritt Weltekes kam das Kandidatenkarussell in Bewegung. Der Auserwählte hieß am Ende Weber, in der Öffentlichkeit unbekannt und gelobt von allen Seiten.
Von Manfred SchäfersSo etwas nennt man Überraschungscoup. Den Professor aus Köln hatte niemand auf seiner Rechnung, selbst als das Kandidatenkarussel für die Nachfolge des zurückgetretenen Bundesbank-Präsidenten Welteke schon mächtig in Schwung war. Erst am Abend zuvor war die Entscheidung von Finanzminister Eichel und Bundeskanzler Schröder durchgesickert. So schaute Eichel sichtlich mit sich und der Welt zufrieden drein, als er am Mittwoch Axel Weber als frischgekürten Bundesbankpräsidenten in spe der Öffentlichkeit präsentierte.
Ein Fachmann, kein Mann einer Partei, weder einer der beiden Staatsekretäre aus den Ministerien für Finanzen und Wirtschaft, Koch-Weser und Tacke, noch der vertretungsweise amtierende Präsident der Notenbank, Stark. Ihnen wurde die Politisierung der Hotel-Affaire zum Verhängnis; die einen gelten als SPD-nah, der andere als Unions-nah. So wurde es ein in weiten Teilen der Bevölkerung Unbekannter.
Wie kam es zu der Lösung, die außerhalb der gewohnten (Denk-)Bahnen liegt? Alle Präsidenten waren zuvor entweder Staatssekretär oder an herausragender Position im Bundesbanksystem gewesen (selbst der 1969 berufene Deutsche Bank-Sprecher Karl Klasen war 1948 bis 1952 Präsident der Landeszentralbank Hamburg gewesen). Traditionell rückte der Vizepräsident der Bundesbank auf, oder es wurde, wie Welteke, zumindest ein Landeszentralbankpräsident berufen. Doch die Landeszentralbanken, aus deren Reihe man sich an Stark vorbei hätte bedienen könnte, gibt es nicht mehr.
Das Kandidatenkarussel
Nach dem Rücktritt Weltekes vergangenen Freitag besprachen der Kanzler und sein Finanzminister am Rande der nachgeholten Geburtsfeier in Hannover kurz das Verfahren. Schnell sollte es gehen, möglichst bis zu diesem Mittwoch sollte ein Nachfolger gefunden werden, um die Bundesbank aus den Schlagzeilen zu holen. Namen sollen dort noch nicht erwogen worden sein. Am Wochenende hat Eichel mit seinen wichtigsten Mitarbeitern diskutiert, wer in Frage komme, wer parteipolitisch unbedenklich scheine, wer fachlich geeignet sei.
Die drei Kandidaten, Koch-Weser, Tacke und Stark galten auf einmal als "politisch zu heiß". Gegen Koch-Weser sprach, daß dann der Vorwurf, da sei eine Intrige gesponnen worden, neue Nahrung erhalten hätte. Gegen Tacke, Schröders Mann im Wirtschaftsministerium, ließe sich ähnliches einwenden, zudem ist öffentlich immer lauter die Frage nach seiner geldpolitischen Kompetenz gestellt worden. Diese ist zwar bei Stark zu keinem Zeitpunkt angezweifelt worden, aber je lauter die Union nach ihm rief, um mehr sanken seine Chancen. "Die Forderungen der Union haben ihn unmöglich gemacht", hört man aus dem Finanzministerium.
Allseits zufriedene Stimmen
Um die Bundesbank und den zuständigen Minister wieder aus der Schußlinie zu bringen, mußte eine Lösung gefunden werden, die möglichst weit außerhalb des politischen Dunstkreises liegen sollte. So kam man auf Weber - Lehrstuhlinhaber für internationale Ökonomie, Mitglied des renommierten Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und vormals Leiter des Center for Financial Studies in Frankfurt. Was will man mehr?
Am Montag abend kam Eichel mit Schröder im Kanzleramt zusammen, zwischen zwei Protokollterminen mit ausländischen Politikern diskutierten sie die heikle Personalie. Schon da soll man sich schnell einig gewesen sein. Andere Namen, die später genannt wurden, sollen keine Rolle gespielt haben. Noch am selben Abend hat Eichel mit Weber gesprochen. Der bat sich einen Tag Bedenkzeit aus, um sich mit der Familie beraten zu können. Am Dienstag sagte er zu.
Eichel sprach nach der Kabinettsitzung von einem "hervorragendem Personalvorschlag". So schaffte er es, nicht nur seinen Ausgewählten, sondern auch sich zu loben, was lange Zeit niemand gemacht hat. Keiner widersprach ihm. Aus den Reihen der Opposition, Wirtschaft und Finanzbranche waren vor allem zufriedene Stimmen zu hören.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |