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Gentrifizierung : Wohnen statt werben: Hamburgs neue Bürgerwehr

Die Zeisehallen gefallen den Menschen - was dahinter passiert, nicht. Denn der Werbekonzern WPP will hier Büroflächen bauen. Bild: Bode, Henning

Eine Bürgerinitiative sieht sich als Schutzschild gegen Gentrifizierung. Warum der geplante Neubau des Werbekonzerns WPP im Hamburger Stadtteil Ottensen die Gemüter erhitzt.

          Auf der Bahrenfelder Straße im Westen Hamburgs herrscht am frühen Abend ein buntes Treiben. Junge Frauen mit Kinderwagen schlendern durch die kleinen Designerläden, die sich hier im Herzen des angesagten Stadtteils Ottensen angesiedelt haben. Männer mit Bärten und dickrandigen Brillen hetzen zum deutschen Fleischer und zum türkischen Gemüsehändler, um schnell noch die Zutaten für das Abendessen zu besorgen. Über den Giebeln der Altbauten geht die Sonne unter, die Bars und kleinen Restaurants füllen sich.

          Julia Löhr

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wenige Meter weiter, hinter dem wuchtigen Klinkerbau der denkmalgeschützten Zeisehallen, wo bis in die siebziger Jahre hinein noch gewaltige Schiffsschrauben produziert wurden, ist es vorbei mit der Idylle. Auf dem einstigen Parkplatz hinter dem Gebäudekomplex ragen Baukräne in den Himmel. Hier soll ein Bürogebäude entstehen, für den größten Werbekonzern der Welt, die britische WPP-Gruppe. Zu ihr gehören bekannte Agenturen wie Scholz & Friends. Den Alteingesessenen in Ottensen gefallen diese Pläne so gar nicht. Sie fürchten eine Invasion der Latte-macchiato-Schlürfer und SUV-Fahrer und wollen das Vorhaben mit aller Macht verhindern.

          Künstler und Kreative fürchten um Gesicht des einstigen Arbeiterviertels

          In einer Bürgerinitiative namens „Pro Wohnen Ottensen“ haben sich Künstler und Kreative aller Art versammelt. Sie befürchten, dass sich das Gesicht des einstigen Arbeiterviertels stark verändert, wenn Hunderte Werber in den Bezirk einfallen und womöglich weitere Bauprojekte dieser Art folgen. „Wir haben in Ottensen heute eine einzigartige Mischung aus Gastronomie und kleinen Gewerben“, sagt Janette Bleeker, eine Journalistin und Filmemacherin, die in der Nähe der Zeisehallen wohnt und sich für die Bürgerinitiative engagiert. „Das wird durch Projekte wie diesen Neubau aufs Spiel gesetzt.“ Für diesen Samstag hat die Bürgerinitiative zu einer Demonstration aufgerufen.

          Die Werber reiben sich derweil die Augen: Kreative wehren sich gegen den Zuzug von anderen Kreativen – wie kann das sein? Man sei schon etwas überrascht, heißt es aus dem Hause Scholz & Friends, jener Agentur, die derzeit mit ihrer Opel-Werbung für Aufsehen sorgt und die mit rund 400 Mitarbeitern die Hälfte des Platzes in dem neuen Gebäude einnehmen soll. „Aber wir nehmen es nicht persönlich“, sagt Christian Tiedemann, der das Bauvorhaben auf Vorstandsebene begleitet. Er sieht die Auseinandersetzung eher als ein Beispiel dafür, wie viel Misstrauen manche Menschen gegenüber großen Wirtschaftsunternehmen generell hegen.

          Bürgerinitiative als Schutzschild gegen die Gentrifizierung

          Unterstützt werden die Gegner des Baus von Prominenten wie dem Regisseur Fatih Akin und der Schauspielerin Nina Petri. In einem offenen Brief an WPP-Chef Martin Sorrell fordern sie, dass sich der Konzern statt in Ottensen doch lieber in der Hafencity niederlassen soll. Von einem „Ausverkauf Ottensens an einige wenige Profiteure“ ist in dem Schreiben die Rede, und weiter: „Das ist unser Terrain, unser Stadtteil. Wir sind viele, wir sind hervorragend vernetzt, und wir haben einen langen Atem.“

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