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Buchmesse 2003 Der Buchhandel spricht jetzt von Durststrecke statt von Krise

06.10.2003 ·  Die Krisenstimmung im Buchhandel ist trotz einer weiterhin schwachen Konjunktur im Einzelhandel verflogen. Der Börsenverein erwartet ein Umsatzminus von 2 Prozent. Buchhandelsketten expandieren weiter.

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Die Krisenstimmung im Buchhandel ist trotz einer weiterhin schwachen Konjunktur im Einzelhandel verflogen. "Die Masse hat die Depression des vergangenen Jahres überwunden", bilanziert der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, im Gespräch mit dieser Zeitung. Von einem Aufschwung könne aber keine Rede sein, die Durststrecke dauere an. Ende August habe der Umsatz noch um 4,9 Prozent unter dem Vorjahr gelegen. Bis zum Jahresende werde vor allem durch das traditionell wichtige Weihnachtsgeschäft und den alljährlichen Harry-Potter-Effekt mit einer Besserung auf minus 2 Prozent gerechnet - der gleiche Rückgang wie im Vorjahr. Im Juli hatte Schormann noch mit einem stagnierenden Geschäft gerechnet. Der fünfte Band von Harry Potter kommt am 8. November in die Läden. In einzelnen Buchhandlungen hat der Titel den Umsatz in den vergangenen Jahren um bis zu 5 Prozent in die Höhe getrieben.

Besonders bekommen die mittelgroßen Buchhandlungen sowie die Niederlassungen in teuren Innenstadtlagen die schwache Konjunktur zu spüren. So bilanziert Deutschlands zweitgrößte Buchhandlung Hugendubel zwar seit März dieses Jahres wieder ein anziehendes Geschäft. Sämtliche Mitarbeiter in dem Unternehmen, das vor gut einem Jahr mit der Einführung von Kurzarbeit Schlagzeilen gemacht hatte, arbeiten wieder Vollzeit. Sorge machen jedoch die Filialen in München und in Frankfurt. "Die Banken- und IT-Krise macht uns zu schaffen", stellt Geschäftsführer Heinrich Hugendubel fest. Der spontane Bücherkauf in der Mittagspause falle spärlicher aus. Zwar kämen derzeit sogar mehr Kunden in den Laden als zuvor. Diese gäben aber je Kopf gerechnet weniger Geld für Bücher aus.

Steigende Einnahmen bestärken Ketten

Die langsam wieder steigenden Einnahmen bestärken die großen Ketten indes in ihren Expansionsplänen. Hugendubel und die Mayersche Buchhandlung wollen jedes Jahr eine neue Niederlassung eröffnen. Auch Branchenführer Thalia baut seinen Marktanteil auf dem deutschsprachigen Buchmarkt aus. Zum 1. Oktober hat die Gesellschaft die Buchhandlung "Zur alten Post" in der Schweiz übernommen. "Der Wettbewerb wird ruppiger", beobachtet Hugendubel. Von Konzentration mag aber noch keiner sprechen. Hugendubel hat derzeit einen Marktanteil von 2 Prozent, die zum Douglas-Konzern gehörende Thalia kommt auf gerade 3 Prozent.

Mit Zusammenbrüchen namhafter Buchhändler wie Bouvier in Bonn oder Kiepert in Berlin in den vergangenen beiden Jahren rechnet der Börsenverein nicht mehr. Freilich hat sich die Zahl der Buchhandlungen im vergangenen Jahr um 200 verringert, das entspricht etwa 4 Prozent des Marktes. Neben der schwachen Konjunktur waren vielerorts auch fehlende Nachfolger dafür verantwortlich. "Wegen der geringen Rendite und der hohen Arbeitsbelastung finden viele schwer einen Nachfolger", meint Hermann Riethmüller von der Osianderschen Buchhandlung in Tübingen.

Buchhändler uneins über Konkurrenz von Discountern

Uneins zeigt sich die Branche über die Konkurrenz mit Discountern und Großmärkten, die verstärkt in das Geschäft drängen. Hugendubel sieht dies als Belastung. "Das ist unser Brot-und-Butter-Geschäft." Die ersten zehn Titel auf der Bestsellerliste seien essentiell für das Geschäft. Würden diese bei Aldi, Lidl oder Kaufland erworben, müßten die Buchhändler um ihre Einnahmen fürchten. Andere Mitstreiter sehen die Konkurrenz gelassener. Das Programm in den Märkten sei begrenzt, beruhigt Riethmüller von der Osianderschen Buchhandlung. "Schon jetzt gibt es in Anglerläden Bücher über Fische oder Kochbücher im Haushaltswarengeschäft. Dadurch geht uns kein Umsatz verloren." In der Heine-Buchhandlung geht man davon aus, daß in den Super- und Großmärkten ohnehin vor allem Kunden Bücher kaufen werden, die selten in eine Buchhandlung kommen. "Damit wird der Markt erweitert, und das kann uns nur recht sein."

Quelle: clb., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.2003, Nr. 232 / Seite 18
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