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Browser-Auswahl Microsoft droht abermals EU-Geldbuße

 ·  Der Softwarekonzern hat schon wieder Ärger mit der EU-Kommission: Die Wettbewerbshüter in Brüssel werfen Microsoft vor, Windows-Nutzern keine alternativen Browser mehr anzuzeigen - und damit gegen Auflagen zu verstoßen. Microsoft spricht von einem „technischen Fehler“.

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Die EU-Kommission hat am Dienstag ein formelles Verfahren gegen Microsoft eingeleitet, weil der Softwareriese Windows-Nutzern seit Februar vergangenen Jahres nicht mehr automatisch alternative Webbrowser anzeigt. Das Unternehmen räumte seianen Fehler umgehend ein und versprach, bis Ende der Woche alle 28 Millionen betroffenen Windows-PCs in der EU mit einem entsprechenden Update zu versorgen. Es habe sich um einen „technischen Fehler“ gehandelt, hieß es in einer Erklärung.

Das reicht Almunia aber nicht. Er drohte dem amerikanischen Konzern „ernste Konsequenzen“ an, wenn sich bestätige, dass die Firma eineinhalb Jahre lang EU-Auflagen gebrochen habe. Möglich wäre eine Strafe von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.
Mit dem Verfahren geht der jahrelange Streit zwischen den EU-Wettbewerbshütern und dem Softwaregiganten in eine neue Runde. Brüssel hatte Microsoft 2009 gezwungen, zunächst bis 2014 allen Windows-Nutzern in der EU automatisch alternative Browser anzubieten. Darauf hatten Konkurrenten gedrungen, die sich durch die Windows-Standardeinstellung für den Microsoft Internet Explorer ausgebootet sahen. Und aus Sicht Brüssels zu Recht.

Auswahl-Bildschirm mit Windows-7-Update verschwunden

Microsoft hatte auch reagiert und 2010 einen Auswahl-Bildschirm für Windows eingebaut, auf dem die User ihren Lieblingsbrowser herunterladen können. Das Fenster fordert die Nutzer auf, einen oder mehr von zwölf frei verfügbaren Browsern auszuwählen. Der Internet Explorer ist nicht mehr automatisch installiert. Das zeigte Wirkung: So schoss schon kurz darauf der Verkauf des schwedischen Navigators Opera um 130 Prozent in die Höhe.

Obwohl der Konzern die Kommission noch im Dezember 2011 darüber informiert habe, dass es den Auswahl-Bildschirm nach wie vor gebe, hätten sich Konkurrenten über einen Bruch der Verpflichtungen beschwert, sagte Almunia. Tatsächlich sehe es so aus, als sei die Auswahl-Seite seit einer neuen Version von Windows 7 im Februar vergangenen Jahres verschwunden - und zwar bis zum heutigen Tage.

„Wir haben unsere Verantwortung nicht erfüllt“, gestand Microsoft nun ein, und gab sich zerknirscht: „Wir bedauern den Fehler sehr und entschuldigen uns dafür.“ Bei den Computern mit der Originalversion von Windows 7 sowie den Versionen Vista und XP sei alles ordnungsgemäß. Bei den rund 28 Millionen PCs, die mit dem Servicepaket 1 für Windows 7 ausgeliefert worden seien, fehle aber tatsächlich das Auswahlfenster.

Microsoft will Konkurrenz-Browser 15 Monate länger anbieten

Darüber sei man allerdings erst „kürzlich“ informiert worden. Zwei Tage später, am 3. Juli, habe man damit begonnen, Updates mit dem Auswahl-Schirm zu verteilen. Bis Ende der Woche sollten alle betroffenen PCs abgedeckt sein.

Zudem bietet Microsoft an, die von Brüssel erzwungene Periode von fünf Jahren, in denen die Konkurrenz-Browser angeboten werden müssen, um 15 Monate zu verlängern. Gleichwohl „verstehen wir, dass die Kommission Sanktionen beschließen könnte“, heißt es in der Microsofterklärung. Der Konzern will am Donnerstag seine Geschäftszahlen für das vierte Quartal vorlegen.
Almunia zeigte sich erbost über den Vorfall. Er drohte an, alle ihm zur Verfügung stehenden Instrumente „zur Abschreckung und Bestrafung“ gegen Microsoft zu nutzen. Es sei „das erste Mal“ das gegen entsprechende Auflagen der EU-Wettbewerbshüter verstoßen worden sei.
 

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