Die Londoner City lässt sich nicht so leicht schocken. Aber der Donnerschlag der britischen Zinssenkung ließ die Briten doch zusammenzucken. Großbritannien rutscht in die schwerste Rezession seit Jahrzehnten. Vor diesem Hintergrund war es nicht länger angemessen, das Zinsniveau höher als in allen anderen westlichen Industriestaaten zu halten, zumal sich die Inflationsgefahr angesichts der täglich niedrigeren Energiepreise abschwächt.
Doch der unerwartet große Zinsschritt der Bank von England von 4,5 auf 3 Prozent wirkt fast kopflos. Es sieht danach aus, als ob die Notenbank den Ernst der Lage zu lange verkannt hat, wie schon so oft in dieser Finanzkrise.
Man erinnere sich daran, dass die Bank von England anfangs weder Banken retten noch dem Geldmarkt aus der Klemme helfen wollte. Nun regt sich der Verdacht, dass das staatliche Rettungsprogramm für die Banken und die Liquiditätshilfe am Geldmarkt nicht die erhofften positiven Effekte haben: Statt wachstumsfördernd mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben, dampfen die Banken – mit Blick auf ihr Eigenkapital und weitere Risiken – das Kreditvolumen ein. Eine panisch agierende Notenbank trägt aber kaum zur Vertrauensbildung bei.
Zinssenkung entgegen jeglicher Logik
Hans Jensen (gent1)
- 06.11.2008, 19:58 Uhr