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EU-Austritt der Briten : Notenbank warnt: 75.000 verlorene Finanzjobs durch Brexit plausibel

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Canary Wharf ist der Finanzdistrikt der britischen Hauptstadt. Bild: RAIN/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Wenn die Briten die EU verlassen, sind viele Arbeitsplätze in der wichtigen Finanzbranche bedroht. Der stellvertretende Zentralbankchef legt nicht mal die schlimmste Schätzung vor.

          Die britische Notenbank rechnet mit einem deutlichen Stellenabbau in der Finanzbranche durch den geplanten Ausstieg aus der EU. Zentralbank-Vize Sam Woods nannte einen Verlust von bis zu 75.000 Arbeitsplätzen bei Banken und Versicherern „plausibel“. Vor einem Ausschuss des Oberhauses sagte er an diesem Mittwoch, zum angestrebten Brexit-Zeitpunkt im März 2019 könnte der wichtige Wirtschaftszweig bereits ungefähr 10.000 Stellen eingebüßt haben.

          Die Austrittspläne bereiten nicht nur britischen, sondern auch amerikanischen und asiatischen Finanzinstituten Sorgen. Denn nach dem Brexit können Geldhäuser von London aus voraussichtlich keine Produkte mehr in den verbleibenden 27 EU-Staaten verkaufen. Zumindest benötigen sie dafür dann eine Banklizenz in einem dieser Länder.

          Allein die britischen Finanzdienstleister und Versicherer beschäftigen insgesamt 1,1 Millionen Menschen, die meisten davon im Inlandsgeschäft. Einige Unternehmen haben bereits Mitarbeiter aus Großbritannien abgezogen. Andere warten ab, ob sich die EU und die Regierung in London auf eine Übergangsphase für einen reibungslosen Brexit einigen können.

          Zu den drohenden Stellenverlusten der Finanzindustrie in Großbritannien gibt es bislang sehr unterschiedliche Schätzungen. Die Brüsseler Forschungsgruppe Bruegel sagte einen Abbau von 30.000 Jobs voraus. Der Chef der Londoner Börse, Xavier Rolet, brachte dagegen die Zahl von 232.000 ins Spiel. Die von Notenbank-Vize Woods angeführte Spanne von 65.000 bis 75.000 Arbeitsplätzen stammt seinen Worten zufolge zwar nicht von der Bank von England selbst, sondern von der Beratungsfirma Oliver Wyman. Deren Schätzung liege aber in einem glaubhaften Rahmen möglicher Szenarien.

          Quelle: FAZ.NET/Reuters

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