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Brennstoff Preis für Heizöl nähert sich Rekord

10.08.2005 ·  Die Verbraucher halten sich mit ihren Heizölbestellungen noch zurück. Hoffen sie auf bessere Zeiten? Der Rohölpreis zumindest steigt weiter und signalisiert damit, daß auch Heizöl nicht billiger werden wird.

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Verbraucher müssen wegen der hohen Rohölpreise in den kommenden Monaten mit steigenden Kosten für Benzin, Diesel und Heizöl rechnen. Schon jetzt kosten 100 Liter Heizöl mehr als 55 Euro. Vor einigen Wochen mußten bis zu 60 Euro bezahlt werden, mehr als je zuvor. Auch in den Konzernzentralen der Mineralölkonzerne wird die Entwicklung „mit Staunen“ verfolgt.

In Deutschland sind die gestiegenen Rohstoffpreise noch nicht voll an den Verbraucher weiter gegeben worden. Das zeigen die Preise für Heizöl, Diesel oder Benzin ohne Steuer. Dort rangiert Deutschland im europäischen Vergleich nach Analysen des Branchenblattes Energie Informationsdienst noch immer auf einem der hinteren Ränge. Nach Angaben von Branchenvertretern, liegt das am höheren Wettbewerbsdruck in Deutschland.

Konsumenten hoffen auf fallende Preise

Die Preise für Heizöl, Dieselkraftstoff sowie Benzin liegen vor allem wegen der höheren Steuerbelastung über denen anderer europäischer Länder. Beim Heizöl, für das Deutschland das größte Abnehmerland ist, warten viele Verbraucher derzeit noch mit ihrer Kaufaufträgen ab. Die Bestellungen liegen deutlich unter dem, was erfahrungsgemäß für den nächsten Winter gebraucht wird. Nach Einschätzung von Branchenexperten liegt die Bedarfsunterdeckung bei 10 bis 15 Prozent.

Viele Konsumenten hoffen offenbar noch auf fallende Preise. Dazu tragen auch Empfehlungen wie die des Präsidenten des Mieterbundes bei. Er rät dazu sich erst im Oktober oder November einzudecken. „Derzeit stehen die Tankwagen sich die Reifen platt“, beschreibt ein Sprecher eines Mineralölkonzerns die Situation. Nach den neuerlichen Höchstständen bei Rohölpreisen rechnet kaum noch ein Experte mit einem Trend nach unten. Wahrscheinlicher sei, daß es einen Engpaß gebe, wenn im Herbst vollgetankt werden muß.

„Der Wettbewerbsdruck ist groß“

Bei Benzin und Diesel sind die Preise in den vergangenen Wochen bereits deutlich gestiegen. Doch bislang spiegeln die höheren Beschaffungskosten der Mineralölkonzerne noch nicht in den Preisen. Der Konkurrenzdruck im Markt ist nach Darstellung der Branche zu hoch. Dort, wo Markentankstellen und freie Tankstellen aufeinander treffen, ändern sich die Preise oft mehrmals täglich.

Auch die großen Tankstellenbetreiber erlauben regionale Preisabweichungen. Karl-Heinz Schult-Bornemann, Pressesprecher von Esso: „Der Wettbewerbsdruck ist groß, die Verbraucher fahren an der Tankstelle vorbei, wenn es Benzin oder Diesel an der nächsten einen Cent günstiger gibt.“ Der Wettbewerb hat schon zu Jahresanfang dazu geführt, daß viele Tankstellen rote Zahlen geschrieben haben.

Rohölnachfrage treibt die Preise

Treiber für die steigenden Preise für Heizöl und Benzin sind die hohen Preise für Rohöl. Die Notierungen für die in New York gehandelte Sorte „West Texas Intermediate“ (WTI) erreichte am Dienstag im elektronischen Handel den Höchststand von 64,27 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Die Tendenz, daß die nahen Kontrakte auf der Zeitkurve der Terminpreise gegenüber den entfernteren „relative Stärke“ zeigen, hat sich weiter ausgeprägt. Händler deuten dies als Zeichen für zunehmende Zweifel an ausreichendem Angebot im Herbst und im Winter.

Dabei wird derzeit innerhalb der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) so viel gefördert wie seit gut 25 Jahren nicht mehr, und zwar mit steigender Tendenz, wie Vertreter des Kartells versichern. Sein Präsident teilte mit, die Opec habe ihre Förderung allein in den beiden vergangenen Wochen um 300 000 Barrel auf 30,4 Millionen Barrel am Tag erhöht. Die vom Kartell geförderten Ölsorten sind jedoch überwiegend schwer oder schwefelreich und damit von den meisten Raffinerien in der westlichen Hemisphäre weniger gefragt. Die leichten oder schwefelarmen Öle wie WTI und Brent aus der Nordsee sind relativ knapp und dürften nach Einschätzung von Fachleuten bei anhaltend hoher Nachfrage mit fortschreitender Zeit noch rarer werden.

Ohne Zweifel spielt gegenwärtig auch Besorgnis über die politische Situation im Mittleren Osten eine bedeutende Rolle bei der Preisbildung am Ölmarkt. Sie gilt vor allem den nuklearen Plänen Irans und der als nicht gering bezeichneten Wahrscheinlichkeit, daß westliche Kräfte einen überraschenden Militärschlag gegen die atomaren Anlagen dieses bedeutenden Opec-Mitglieds führen könnten. Aus einem solchen Vorgehen ergäben sich gravierende Risiken für die Versorgung mit Rohöl möglicherweise aus dem gesamten Mittleren Osten, heißt es.

Quelle: sitt./hi., F.A.Z., 10.08.2005, Nr. 184 / Seite 17
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