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Brauereien Carlsberg-Chef Andersen schätzt es „knochenhart“

20.01.2004 ·  Dem Vorstandsvorsitzenden der dänischen Carlsberg-Brauerei, Nils Smedegaard Andersen, eilt ein Ruf als „knochenharter Bierhund“ voraus. Er setze nur auf Zahlen und Erträge, heißt es.

Von Robert von Lucius
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Es scheint, als wolle Nils Smedegaard Andersen dem Ruf gerecht werden, der ihm vorausging. Als er Vorstandsvorsitzender der dänischen Carlsberg-Brauerei wurde, hieß es, er sei ein „knochenharter Bierhund“, der auf Zahlen und Erträge setze. Sein Vorgänger, den er im August 2001 ablöste, nannte seinen damaligen Stellvertreter ehrgeizig, qualitätsbewußt und hart arbeitend.

Dennoch äußerten sich deutsche Gewerkschaftsvertreter zunächst freundlich, als Carlsberg am Dienstag ankündigte, die Mehrheit der Holsten-Bauerei zu übernehmen und damit zu einer der größten deutschen Brauereien zu werden. Andersen kennt nicht nur den deutschen Markt - er leitete bis 1997 die Deutschland-Tochter von Carlsberg -, sondern spricht auch gut deutsch. Wie seine drei Kinder spricht er zudem spanisch, englisch und Schweizer-deutsch.

Manager mit internationalem Netzwerk

Vier Jahre lang hatte er den Konzern, bei dem er seit 1983 arbeitet und in dem er rasch aufstieg, verlassen, um in der Schweiz die Hero-Gruppe zu leiten, die Nahrungsmittel herstellt. Auch in Spanien hatte Andersen eine Carlsberg-Tochter geleitet. Aus diesen Jahren besitzt er ein erhebliches internationales Netzwerk, auf das er nach eigenem Bekunden öfters zurückgreift.

Hilfe brauchen Andersen und seine Umgebung in ihrem Büro, in einem umgerüsteten ehemaligen Silo nahe dem historischen Elephantentor in Kopenhagen, schon deshalb, weil die von ihm geleitete Carlsberg Breweries eingeflochten ist in eine historisch bedingte verschachtelte Eigentümerstruktur. So muß er zwischen zwei Großaktionären und deren Sprechern jonglieren, der börsennotierten Carlsberg A/S und der norwegischen Orkla-Gruppe. Die Carlsberg A/S wiederum gehört mehrheitlich dem Carlsberg-Fonds, dessen Erträge der Kunst und Wissenschaft zugute kommen. Neue Großkäufe wie bei Holsten kann er nur in Absprache mit diesen vorbereiten.

Finanzielles Polster für interessante Einkäufe

Ihnen schmeichelte er, als er vor wenigen Monaten sagte, Carlsberg habe „für einen mittelgroßen Kauf“ 800 Millionen Euro bereit, aber 2,7 Milliarden Euro, falls die beiden „getreuen“ Aktionäre mitspielten. Und im übrigen habe Carlsberg viel „Saft und Kraft zu neuer Aggressivität“. Als den für ihn interessantesten Markt nannte Andersen dabei Deutschland.

Der Holsten-Kauf mag ihm helfen, aus negativen Schlagzeilen der vergangenen Monate herauszukommen, die er nicht verstehen will: Denn seine Brauerei könne den besten Mengenzuwachs aufweisen aller großen Brauereien und habe ihren Aktionären nach der südafrikanisch-amerikanischen Braugruppe SAB-Miller auch den besten Ertrag in den letzten drei Jahren geboten.

Kritik an Aktivitäten in Dänemarkt und Schweden

Dennoch fiel auf ihn in den letzten Wochen immer wieder Kritik: etwa weil Expansionspläne in Asien nicht reiften, was dänische Zeitungen ausschlachten, Gewinne in Rußland fielen oder er eine Äußerung des Wettbewerbshüters zum Dosenpfand, offenherzig wie er es liebt, als „unwissend und unqualifiziert“ bezeichnete. Vor allem die schwedische Tochter aber bereitet ihm Ungemach: Von der Wettbewerbsbehörde verordnete Verkäufe und Verschiebungen am schwedischen Biermarkt brachten hohe Verluste.

Als er daraufhin ankündigte, die Brauerei in Stockholm zu schließen und 300 Angestellte zu entlassen, schritten Vertreter der Arbeitnehmer zu einem ungewöhnlichen Schritt. Sie schalteten in einer dänischen Finanzzeitung eine ganzseitige Anzeige, in dem sie das Unternehmen und vor allem Andersen persönlich barsch angriffen.

Er treffe Entscheidungen, behaupten sie, nach persönlichem Gutdünken und nicht nach Ertragsgesichtspunkten. Soziale Kompetenz gehe ebenso verloren wie Professionalismus; daher stehe die Führungskultur bei Carlsberg unter einem Fragezeichen. Der Aufsichtsrat stellte sich hinter Andersen. Wenn sich der 45 Jahre alte Volkswirt Nils Smedegaard Andersen von solchen Anwürfen erholen will, bevorzugen seine Familie und er lange Ski- und Wandertouren, zudem Golf und Tennis.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1949, politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

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