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Branchenprimus der Wall Street Goldman Sachs verliert fast 400 Millionen Dollar

 ·  Es ist der zweite Quartalsverlust seit dem Börsengang. Die Bank schreibt den Wert von Investitionen ab und leidet unter der Zurückhaltung von Firmenkunden und Investoren.

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Die auf Wertpapiergeschäfte spezialisierte amerikanische Bank Goldman Sachs, der bisherige Branchenprimus der Wall Street, hat zum zweiten Mal seit ihrem Börsengang vor zwölf Jahren einen Quartalsverlust ausgewiesen. Die Bank schrieb angesichts der jüngsten Kursverluste an den Finanzmärkten den Wert von großen Beteiligungen wie der chinesischen Großbank ICBC ab. Dazu belastete der Rückgang der Einnahmen im wichtigen Handelsgeschäft mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen. Auch die Erträge aus der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen sowie der Emission von Aktien und Anleihen gingen zurück. „Das Vertrauen von Vorstandsvorsitzenden und Investoren sowie die Preise von Anlagen in allen Märkten waren im dritten Quartal angesichts der unsicheren Lage von Konjunktur und Märkten niedriger“, konstatierte Lloyd Blankfein, der Vorstandschef von Goldman Sachs, in einer Pressemitteilung.

Goldman berichtete für das dritte Quartal einen Verlust von 393 Millionen Dollar oder 84 Cent je Aktie. Analysten, die ihre Prognosen für Goldman angesichts der Börsenschwäche jüngst zurückgenommen hatten, hatten im Durchschnitt mit einem Verlust von 16 Cent gerechnet. Im dritten Quartal des Vorjahres hatte Goldman Sachs noch 1,9 Milliarden Dollar Gewinn gemacht. An der Börse reagierte der Aktienkurs von Goldman Sachs im frühen Handel dennoch mit leichten Aufschlägen. Der Kurs der Goldman-Aktien liegt in diesem Jahr allerdings mit mehr als 40 Prozent im Minus. Goldman hatte zuletzt im vierten Quartal 2008, das vom Zusammenbruch des Konkurrenten Lehman geprägt war, einen Verlust gemacht. „Das dritte Quartal war sehr schwierig für den Handel, was sich in kommenden Quartalen angesichts der aktuellen Lage wiederholen dürfte“, kommentierte Jon Fisher, Fondsmanager bei der Vermögensverwaltung der Fifth Third Bank.

Die Einnahmen von Goldman Sachs im Anleihehandel fielen im dritten Quartal um 36 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar. Der Rückgang resultierte vor allem aus dem schwachem Geschäft bei Kreditprodukten, Hypothekenanleihen und Devisen. Die Einnahmen im Handel mit Rohstoffen und Zinsprodukten seien dagegen gestiegen. Im Aktienhandel stiegen die Einkünfte gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Als Grund nannte Goldman vor allem höhere Transaktionsgebühren. Die Kurse an den globalen Aktienmärkten waren im Quartal stark gefallen und von heftigen Schwankungen geprägt.

Im klassischen Investmentbanking gingen die Einnahmen im Vergleich zum Vorjahr um 33 Prozent auf 781 Millionen Dollar zurück. Die Einkünfte aus der Beratung von Unternehmen bei Fusionen und Übernahmen nahmen zwar leicht auf 523 Millionen Dollar zu. Das Emissionsgeschäft, wo die Einnahmen um 61 Prozent auf 258 Millionen Dollar sanken, verhagelte der Bank allerdings das Gesamtresultat. Sowohl bei der Emission von Anleihen als auch von Aktien hielten sich Kunden zurück. Im September hatte es an der Wall Street wegen der schwankenden Aktienkurse keinen einzigen Börsengang gegeben. Das schwache Ergebnis wird sich auch negativ auf die Boni der Goldman-Angestellten auswirken. Für die Vergütung der um 4 Prozent auf 34200 Mitarbeiter reduzierten Belegschaft hat Goldman im dritten Quartal 1,58 Milliarden Dollar zurückgestellt - 59 Prozent weniger als im Vorjahr.

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Jahrgang 1965, Finanzmarktkorrespondent in New York.

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