08.04.2009 · Die Technik hat das Geschäft mit der Musik von Grund auf verändert und auch im 21. Jahrhundert kann man noch viel Geld verdienen. Die Schallplatte wird durch Heimcomputer ersetzt, die Plattenläden durch Internetplattformen - letztere boomen unaufhaltsam.
Von Marcus TheurerMit Musik kann man auch im 21. Jahrhundert noch viel Geld verdienen. Beispiel eins: Das von der kalifornischen Software-Firma Activision vermarktete Computerspiel „Guitar Hero“ hat sich in den vergangenen drei Jahren mehr als 20 Millionen Mal verkauft. Mit Guitar Hero können Musikfans daheim an der Spielkonsole, mit einer Plastikgitarre in der Hand und mit Soft- ware-Unterstützung ihre Lieblingslieder nachspielen. Guitar Hero gilt mittlerweile als eines der erfolgreichsten Computerspiele - und die Musiker profitieren davon: Nach Angaben von Bobby Kotick, dem Vorstandschef von Activision, haben die Altrocker von „Aerosmith“ mit den Lizenzgebühren des Luftgitarristen-Spiels bereits mehr Geld verdient als mit irgendeinem ihrer zahlreichen Alben.
Beispiel zwei: Als Michael Jackson vor wenigen Wochen nach langjähriger Konzertpause für diesen Sommer sein Bühnen-Comeback ankündigte, waren die insgesamt eine Million Eintrittskarten für 50 Auftritte binnen weniger Stunden vergriffen. Jackson geht nicht auf Tour, er tritt ausschließlich in der größten Konzerthalle Londons auf. Das ist Weltrekord. Noch nie hat ein Künstler eine einzige Halle so oft hintereinander ausverkauft.
Die CD ist zum kommerziellen Auslaufmodell geworden
Aus Sicht der Musikindustrie haben die schönen Erfolgsgeschichten von Guitar Hero und vom Konzert-Marathon des „King of Pop“ allerdings einen entscheidenden Haken: Für die Tonträgerhersteller ist es zwar beruhigend zu wissen, dass es noch ein wirtschaftlich nutzbares Interesse an Musik gibt. Aber ihr Geschäft wird dadurch nicht angekurbelt. Wie eine Schallplatte mit Sprung immer an derselben Stelle hängen bleibt, stecken die Musikriesen seit neun Jahren in einer Abwärtsspirale fest, aus der sie bisher keinen Ausweg gefunden haben. Seit das Internet zum Massenmedium geworden ist und das kostenlose Austauschen von digitalen Musikdateien rund um den Globus ermöglicht hat, geht es mit den einst hochprofitablen Plattenkonzernen bergab. Die CD ist zum kommerziellen Auslaufmodell geworden und das bisherige Geschäftsmodell weitgehend ruiniert.
In Deutschland ist der Tonträgerumsatz einschließlich bezahlten Downloads seit Ende der neunziger Jahre um 40 Prozent gefallen. 2008 zeichnete sich mit einem Minus von 4,6 Prozent weiter keine Stabilisierung ab. Auch weltweit zeigt die Umsatzkurve der Branche steil nach unten, seit im Jahr 2000 mit der längst in die Geschichte eingegangenen Online-Tauschbörse Napster der Siegeszug der kostenlosen Internetmusik begann. Der Weltverband der Musikindustrie Ifpi schätzt, dass im vergangenen Jahr weltweit 95 Prozent der Musikdateien illegal erworben wurden.
Der Niedergang der Musikindustrie begann bei den kleinen Plattenfirmen
Den Konzernen gelingt es zwar, immer mehr Musikdownloads zu verkaufen, doch das Geschäft mit der CD schrumpft viel zu schnell, als dass diese Lücke geschlossen werden kann. Der Handel räumt mittlerweile den verkaufsschwachen Ladenhütern immer weniger Raum in seinen Regalen ein. Als die australische Hardrockband AC/DC im Herbst ihr neues Album „Black Ice“ auf den Markt brachte, war es in den Vereinigten Staaten auf CD nur in den Filialen des Marktführers Wal-Mart zu bekommen. Die noch vor wenigen Jahren undenkbare Exklusivvereinbarung zeigt, wie sich die Machtverhältnisse zwischen Handel und Musikkonzernen zugunsten der Ladenketten verschoben hat.
In den ersten Jahren war der Niedergang der Musikindustrie vor allem eine Existenzkrise der kleinen Plattenfirmen. Viele der sogenannten Independent-Labels sind pleitegegangenen. Vor zwei Jahren meldete etwa L'age D'or Insolvenz an, eine der wichtigsten Plattenfirmen der Hamburger Popszene mit Bands wie Tocotronic und Die Sterne unter Vertrag. Tocotronic, eine Band, die während ihrer Karriere fest im Independent-Lager verwurzelt war, ist zum Weltmarktführer Universal gewechselt.
EMI ist nur noch ein Schatten früherer Jahre
Doch mittlerweile steht selbst die Zukunft einstiger Musik-Weltmächte auf dem Spiel. Die traditionsreiche britische EMI, das Plattenlabel der Beatles, von Coldplay und Robbie Williams, ist nur noch ein Schatten früherer Jahre. Zuerst führten Missmanagement und mangelnde Investitionen in neue Künstler zu chronisch sinkenden Marktanteilen. Dann fiel EMI im Sommer 2007 und damit kurz vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise für mehr als 6 Milliarden Euro in die Hände des Finanzinvestors Terra Firma.
Dem neuen Eigentümer ohne Branchenerfahrung fiel außer Kostenkürzen nicht viel ein, um den hoffnungslos überhöhten Kaufpreis wieder reinzuholen, und so setzte sich der Niedergang fort. Im März nahm Terra Firma eine milliardenschwere Abschreibung auf EMI vor. Kurz darauf gab Guy Hands, ein früherer Investmentbanker, seinen Posten als Vorstandschef von Terra Firma auf. Zwar gibt es für das EMI-Fiasko viele hausgemachte Gründe, doch in einer Strukturkrise, wie sie die Musikindustrie durchleidet, wiegen solche Fehler umso schwerer.
Noch immer kein neues tragfähiges Geschäftsmodell
Ansätze, die CD durch eine neue Geschäftsbasis zu ersetzen, gibt es viele. Acht Jahre ist es her, dass der Computerhersteller Apple mit seinem iPod den erfolgreichsten tragbaren Musikspieler der Welt vorstellte und damit die Initialzündung für den Start der Musikindustrie in der digitalen Welt gab. Doch noch immer hat sich kein neues tragfähiges Geschäftsmodell herauskristallisiert. Zu den derzeit größten Hoffnungsträgern vieler Musikmanager gehört der schwedische Online-Dienst Spotify, der seit vergangenem Herbst in einer Reihe von Ländern gestartet ist. Spotify ist eine Art Internet-Jukebox, mit der Musik angehört, nicht aber kopiert werden kann. Das Besondere: Dem Unternehmen gelang es, das Repertoire aller vier Marktführer im Musikgeschäft - Universal, Sony, Warner und EMI - auf seine Plattform zu holen. Finanziert wird Spotify in seiner kostenlosen Version, die in Deutschland bisher nicht freigeschaltet ist, über Werbeeinnahmen. Daneben gibt es für 10 Euro im Monat einen „Premium-Dienst“.
Den Schwachpunkt der werbefinanzierten Grundversion von Spotify legt allerdings zurzeit die weltweite Konjunkturkrise offen. Auch die Online-Werbeeinnahmen sprudeln wegen des Wirtschaftsabschwungs nicht mehr so wie bisher. Online-Musikfirmen mit ähnlichen werbebasierten Geschäftsmodellen wie Spiralfrog sind daran bereits gescheitert. Auch der Streit zwischen der ebenfalls werbefinanzierten Video-Börse Youtube und den Musikkonzernen deutet darauf hin, wie hart der Verteilungskampf um die Werbegelder geworden ist. Seit kurzem gibt es in Deutschland auf Youtube keine Musikvideos von Universal, Sony und EMI mehr. Die von den Musikriesen geforderten Lizenzgebühren seien völlig überzogen, argumentiert Youtube, eine Gesellschaft des Internetkonzerns Google.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.728,19 | −0,15% |
| FAZ-INDEX | 1.500,83 | −0,21% |
| TecDAX | 773,85 | −0,19% |
| MDAX | 10.253,60 | −0,35% |
| SDAX | 5.023,80 | +0,24% |
| REX | 421,66 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.488,29 | −0,13% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,26 | −0,27% |
| Dow Jones | 12.878,30 | +0,03% |
| Nasdaq 100 | 2.575,24 | +0,22% |
| S&P500 | 1.350,50 | −0,09% |
| Nikkei225 | 9.052,07 | +0,59% |
| EUR/USD | 1,3127 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,17 $ | +0,32% |
| Gold | 1.722,00 $ | +0,61% |
| Bund Future | 138,53 € | +0,15% |