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Branchen und Märkte (161): Computerindustrie Anspruchsvolles möglichst billig

14.09.2008 ·  Die Computerindustrie kann Rekordabsätze verbuchen und wird 2008 im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Doch die Preise für Computer fallen. Wer seitens der Hersteller Gewinne erzielen will, muss in der Fertigung rationalisieren.

Von Stephan Finsterbusch
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Der Computerindustrie stehen bewegende Wochen ins Haus. Während die Großaktionäre von Fujitsu-Siemens dieser Tage über die Zukunft und den Erhalt von Europas größtem Hersteller von Personal und Laptop-Computern verhandeln, erwägt die amerikanische Dell-Gruppe den Verkauf aller Fabriken. Damit könnte sich die an den Verkäufen gemessene Nummer zwei des Weltmarktes effizient und flexibel aufstellen, sich von der traditionellen, aber teuren Produktionsmethode kundenspezifischer Fertigungen trennen, die Konkurrenten auf Distanz und den Anschluss an Erzkonkurrent Hewlett-Packard halten.

Das aber wird auch mit einem neuen Geschäftsmodell mit weniger Produktionsanteil nicht einfach. Zwar wird die Computerindustrie 2008 im zweistelligen Prozentbereich wachsen und Rekordabsätze von mehr als 300 Millionen Computer im Jahr verbuchen. Doch die Preise fallen. Wer seitens der Hersteller Gewinne erzielen will, muss in der Fertigung rationalisieren, auf eine gute Marke und in der Leistung auf neueste Technologie setzen.

Apple wird weiter nach vorne preschen

Der Absatzprimus Hewlett-Packard spult indes auf allen Märkten eine Produktoffensive nach der anderen ab und schloss binnen eines Jahres umsatzmäßig zu Dell auf, nachdem die milliardenschwere Übernahme des texanischen Computerbauers Compaq mit einer langwierigen Integration verdaut worden ist. Am unteren Ende der Rangskala setzen Hersteller wie Asus auf internetfähige billige Kleinstcomputer. In der Mitte machen sich Lenovo und Acer breit. Die beiden asiatischen Produzenten investierten in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Euro in Marketing und neue Produkte, kauften Konkurrenten zu und rationalisierten.

Darüber hinaus werden Anbieter wie die amerikanische Nobelmarke Apple in den kommenden Quartalen weiter nach vorn preschen. Die Gruppe hat dank ihrer Erfolge im Geschäft mit der Digitalisierung von Musik auch im Absatz von Computern kräftige Impulse erhalten. Dagegen fällt die Lenovo-Gruppe, die 2005 das Geschäft mit Personal Computer (PC) von IBM übernommen hatte, etwas ab. Zwar ist Chinas größter Computerhersteller weiter auf Wachstumskurs. Mit 7,8 Prozent aber legt der Umsatz weniger deutlich zu als jener der größeren Konkurrenten. Darüber hinaus verfehlen die Chinesen die oft sehr hoch gesteckten Erwartungen vieler Analysten.

Ordentliche Wachstumsraten

Auch namhafte japanische Hersteller wie Sony, Fujitsu und Toshiba finden sich auf den hinteren Rängen der Weltrangliste wieder. Sie konzentrieren sich heute kaum noch auf das Rechnergeschäft. Toshiba investiert Milliarden von Euro in den Kraftwerksbau. Sony steckt viel Geld in die Unterhaltung. Fujitsu setzt auf IT-Dienstleistungen. Das hat Folgen für die deutsch-japanische Kooperation von Fujitsu Siemens Computers (FSC). Zwar will Siemens aus dem gemeinsamen Computergeschäft aussteigen. Die Japaner aber scheuen sich, die deutschen FSC-Anteile zu übernehmen. Denn sie setzen mehr auf den gewinnträchtigeren Servicebereich, weniger auf margenschwache Hardware.

Zwar hat FSC vor zwei Jahren das Wartungsgeschäft von SBS übernommen und profitabel gemacht. Doch darf Fujitsu Siemens laut Gründungsvertrag nicht auf die lukrativen Märkte Asiens vordringen. Dort macht Fujitsu Geschäfte auf eigene Rechnung. Die unsichere Lage drückt die Stimmung bei FSC. So gab Fujitsu Siemens in Deutschland gerade die langjährige Marktführerschaft an Acer ab. Im Herbst wird wohl auch Hewlett-Packard an FSC vorbeiziehen.

„Die Verkäufe werden 2008 mehr als 15 Prozent zulegen“

Wie für den deutschen Markt werden auch für den Weltmarkt in den kommenden Quartalen ordentliche Wachstumsraten prognostiziert. Während große Volkswirtschaften am Rande einer Rezession stehen, gehen die Fachleute des Analyseinstitutes Gartner davon aus, dass der Computermarkt in diesem Jahr um 13 Prozent wächst. Vor wenigen Wochen hatten sie noch mit einer Steigerungsrate von allenfalls 10 Prozent gerechnet.

Grund für die Aufwertung waren die gestiegenen Verkäufe von Laptops. So könnten 2008 erstmals mehr als 300 Millionen Computer in einem Jahr verkauft werden. Doug Bell, Marktbeobachter von IDC, geht weiter: „Die Verkäufe werden 2008 mehr als 15 Prozent zulegen und die Verkaufszahlen auf 310 Millionen Einheiten steigen lassen.“

Im vergangenen Jahr wurden 260 Millionen Computer verkauft

Nach Einschätzung von IDC dürfte die Nachfrage in den kommenden Jahren kaum nachlassen. Kunden wollten mobil und multimedial vernetzt sein. Das lasse sie mehr und mehr zu Laptops greifen. So werde die Computerbranche auch in den kommenden zwei Jahren im zweistelligen Prozentbereich wachsen. Im Jahr 2012 liege das Umsatzwachstum der Branche immer noch im hohen einstelligen Prozentbereich. Dann könnten 472 Millionen neuer Computer im Jahr verkauft werden.

Im vergangenen Jahr hatte die Branche gerade erst die Marke von 260 Millionen Computer genommen. Dabei hatte sie erstmals mehr tragbare Geräte verkauft als Standgeräte. „Der Absatz von Laptops hat unsere Erwartungen deutlich übertroffen“, sagt Georg Shiffler von Gartner. Was früher nur mit Desktops technisch möglich war, schaffen heute auch tragbare Computer. Die Prozessorenhersteller Intel und AMD fertigen immer bessere und robustere Steuerbausteine. Toshiba, Seagate und San Disk vervielfachen Speicherkapazitäten. Microsoft legt anspruchsvolle Software vor. Die jüngsten Entwicklungen dieser Techniken finden sich nicht mehr nur in Desk-, sondern auch in Laptops gebündelt.

Software und Service im Blick

Trotz der technischen Fortschritte hat sich die Branche auf weiter sinkende Preise einzustellen. Daher müssten die Produzenten ein strafferes Kostenkorsett anlegen und das Geschäft mit der Hardware enger an das mit Software und Dienstleistungen rücken. Mit Software und Dienstleistungen werde derzeit das Geld verdient, meint Sascha Pfeifer vom Beraterhaus Close Brothers. IBM beschritt diesen Weg bereits in den neunziger Jahren, spaltete dann die Computersparte ab und verkaufte sie an Lenovo. Heute ist IBM eines der gewinnreichsten Unternehmen der Hochtechnologie.

Fujitsu-Siemens folgte den Amerikanern auf dem Weg der Dienstleistung vor zwei Jahren, wird mit den Früchten seiner Arbeit aber nicht so recht froh. Hewlett-Packard zog Anfang des Jahres mit der 13 Milliarden Dollar teuren Übernahme des amerikanischen Systemhauses EDS nach. Tony Prophet, Vizepräsident des Marktführers, erklärte, der Konzern stelle die Hälfte seiner Computer in Fremdfabriken her. Apple und Toshiba stehen dem kaum nach.

Dell lässt vom taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn produzieren

Von diesem Geschäftsmodell, das zwischen Produktion, Marketing und Vertrieb differenziert, profitieren die auf Massenproduktion und niedrige Kosten getrimmten Fertiger aus Taiwan. Dazu zählen Wistron, Hon Hai, Asustek und Quanta. In den Fabriken der Inselrepublik werden bereits acht von zehn in der Welt verkauften Laptops gefertigt. Von den 100 größten IT-Unternehmen der Welt kommen 16 aus Taiwan. Die Mehrzahl von ihnen ist auf Computer spezialisiert. Die großen Namen der Branche wie Apple oder Hewlett-Packard investieren in ihr Marketing und halten die Zügel im Vertrieb fest in der Hand.

Auf diesen Zug wird nun wohl auch Dell aufspringen, um in der Industrie weiterhin ganz vorn mitzumischen. Einen ersten Versuch haben die Amerikaner bereits gestartet: Die Nummer zwei der Branche lässt seit vergangenem Jahr Zehntausende Laptops vom taiwanischen Auftragsfertiger Foxconn produzieren. Im Gegenzug machte Dell eines seiner Werke in Texas dicht. Die Forcierung dieser Strategie dürfte in den kommenden Wochen in der Branche noch für einige Bewegung sorgen.

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Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1966, Redakteur in der Wirtschaft.

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