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Branchen im Überblick Die deutsche Industrie blickt positiv auf das neue Jahr

Die deutsche Industrie geht mehrheitlich mit positiven Gefühlen in das neue Jahr. Die Stimmung hellt sich auf. Die deutsche Chemieindustrie geht mit besonderem Selbstbewußtsein voran.

Die deutsche Industrie geht mehrheitlich mit positiven Gefühlen in das neue Jahr. Die Stimmung hellt sich auf.

Die deutsche Chemieindustrie geht mit besonderem Selbstbewußtsein voran. Sie befindet sich in bester Verfassung. Die Produktion nahm 2005 überraschend stark um 6 Prozent zu, und der Umsatz wuchs sogar um 7 Prozent - das sind Zuwächse, die Mitte des Jahres noch als unwahrscheinlich galten. Inzwischen hat die Branche gezeigt, daß sie die hohen Ölpreise erheblich besser als erwartet verkraftet. Das liegt vor allem an der hohen Nachfrage des Auslandes nach deutschen Chemikalien, die die Weitergabe der hohen Energie- und Rohstoffpreise an die Kundschaft erleichtert. Eine spürbare Abschwächung der Chemiekonjunktur befürchten Beobachter daher 2006 noch nicht.

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Die deutsche Pharmaindustrie hingegen ist deutlich weniger homogen als die Chemieindustrie. So lassen sich die Chancen und Risiken weniger dem Verlauf einer Pharmakonjunktur zuordnen als vielmehr der Entwicklung der einzelnen Unternehmen. Dabei fällt ins Auge, daß die wichtigen deutschen Anbieter weniger mit neuen Produkten Aufmerksamkeit erregen als vielmehr mit Neuordnungen. So arbeitet Altana am Verkauf der Pharmasparte, und die Merck KGaA hat überraschend den Chef gewechselt.

Für die deutschen Banken sollte das Geschäft im Jahr 2006 in vergleichsweise ruhigen Bahnen verlaufen - gemessen an den Turbulenzen, die das deutsche Kreditgewerbe zu Beginn des neuen Jahrtausends durchqueren mußte. Markierte das zu Ende gehende Jahr die Trendwende mit wieder steigenden Gewinnen, so könnte jetzt die Finanzwirtschaft die zurückgewonnene Handlungsfreiheit nutzen, um die Konsolidierung voranzutreiben. Im Sparkassensektor dürften im Jahr 2006 Veränderungen auf der Ebene der Landesbanken anstehen. Was die Ertragszahlen angeht, so muß die Bankbranche ihre - relativ hohen - Gewinne von 2005 bestätigen, um international wieder Anschluß zu finden. In diesem Punkt ist die Deutsche Bank unter den heimischen Finanzhäusern am zuverlässigsten. Vorstandssprecher Josef Ackermann hat 2005 wohl sein Ziel erreicht, die Eigenkapitalrendite auf 25 Prozent vor Steuern zu heben.

Die Energiebranche steht vor einem entscheidenden Jahr: Die Bundesnetzagentur wird 2006 die Weichen in Richtung Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt stellen. Mehr Wettbewerb könnte sinkende Preise und damit fallende Gewinne für die erfolgsverwöhnte Branche zur Folge haben. Druck auf die Preise kommt zudem aus der Politik: Da die Stromversorger die Preise für die Kohlendioxyd-Emissionsrechte zwar nicht gezahlt, aber dennoch als Kosten in ihrer Kalkulation berücksichtigt haben, sind die Stromtarife inzwischen wieder so hoch wie zu Monopolzeiten. Die Bundesregierung will das nicht länger hinnehmen, um die energieintensive Industrie zu entlasten. Auch werden die großen Unternehmen versuchen, Standbeine im Ausland aufzubauen.Viele Milliarden Euro stehen dafür bereit, aber die Übernahmeobjekte sind rar.

Ähnlich von Übernahmen geprägt wird sich das Jahr für die Telekommunikation in Deutschland darstellen. Zwar wachsen die Umsatz und Gewinn der Unternehmen seit einigen Quartalen wieder anständig. Das langfristige Wachstum allerdings wird nur durch Zukäufe, durch eine Konsolidierung auf dem Markt zu erzielen sein. Dies gilt für die weiterhin marktdominante Deutsche Telekom ebenso wie für ihre Wettbewerber. Es gilt aber auch für den Mobilfunk, wo die Wachstumsraten bisher noch etwas höher liegen als im Festnetz, das durch die Internettelefonie unter Druck gerät. Der Branchenverband Bitkom, der auch die Informationstechnik vertritt, rechnet für 2006 mit einem Gesamtzuwachs der Branche von 2,4 Prozent auf 137,3 Milliarden Euro Umsatz.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau steuert auf ein drittes Rekordjahr zu, auch wenn die Dynamik 2006 nachlassen wird. Doch für die zyklisch geprägte Branche ist das neuerliche Wachstum schon eine Erfolgsmeldung, da ein drei Jahre währender Aufschwung ungewöhnlich ist. Der vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erwartete Produktionszuwachs von 2 Prozent wird ausschließlich dem Auslandsgeschäft zu verdanken sein. Dort - vor allem in Schwellenmärkten wie Rußland, Indien und Mittlerer Osten - agieren die deutschen Unternehmen trotz wachsenden Wettbewerbs immer erfolgreicher. Bei einem Produktionszuwachs von 4 Prozent auf rund 144 Milliarden Euro in diesem Jahr steigt die Exportquote von 71 auf rund 73 Prozent. Trotz des Wachstums ist die Zahl der Beschäftigten von 868 000 auf rund 858 000 Mitarbeiter gesunken.

Mit umfassenden Stellenabbau-Plänen bereitet sich die westeuropäische und nordamerikanische Autoindustrie auf die kommenden Jahre vor. Fast jeder Hersteller streicht Stellen und senkt die Personalkosten. Mit Wachstum ist auf den gesättigten Märkten nicht zu rechnen. Insbesondere auf den europäischen Automärkten bleibt die Lage angesichts hoher Rabatte unsicher. In Europa zählen 2005 die deutschen Premiumhersteller BMW und Audi sowohl beim Marktanteil als auch beim Neuzulassungsvolumen zu den großen Gewinnern. Für 2006 verspricht ausgerechnet der bisher hart umkämpfte deutsche Automarkt Wachstum. Grund ist die für 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung, die die Autofahrer schon 2006 zum Kauf eines Neuwagens veranlassen könnte.

Quelle: F.A.Z., 02.01.2006, Nr. 1 / Seite 14

 
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