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Branchen (62): Banken Banken im Aufwind

25.09.2006 ·  Deutsche Banken verdienen wieder gut - aber nicht gut genug. Im internationalen Vergleich sind sie Ertragszwerge. Das ist die Folge der hohen Wettbewerbsintensität in Deutschland.

Von Benedikt Fehr und Daniel Schäfer
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Deutschlands Banken feiern Wiederauferstehung. Nach Jahren des Stellenabbaus und der Verluste erzielen die Kreditinstitute in diesem Jahr wieder ansehnliche Ergebnisse. Die hiesigen Großbanken konnten zuletzt ebenso mit guten Gewinnen aufwarten wie die Auslandsbanken sowie manche Landes- und Genossenschaftsbanken. Die Einschnitte der vergangenen Jahre scheinen Früchte zu tragen.

Zwar beherrschen weiterhin Berichte über Stellenabbau bei einigen großen Instituten die Schlagzeilen. Denn Banken und Sparkassen werden auch 2006 die Zahl ihrer Beschäftigten insgesamt verringern. Doch nähert sich die Phase der harten Kostensenkungsprogramme ihrem Ende. Nach vollzogener Sanierung schalten immer mehr Institute auf Strategien um, die die Erträge wachsen lassen sollen.

Stabilität des Bankensystems weiter gefestigt

Schon im vergangenen Jahr hat sich der Jahresüberschuß nach Steuern der deutschen Kreditwirtschaft von 4,8 auf 23,5 Milliarden Euro vervielfacht. Diese Steigerung verdeckt jedoch, daß die deutschen Banken im internationalen Vergleich Ertragszwerge sind. Allein die amerikanische Citigroup hat im vergangenen Jahr mit einem Nettogewinn von 19 Milliarden Euro so verdient wie vier Fünftel des deutschen Kreditgewerbes.

Kein Wunder, daß der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, noch keinen Anlaß zu Freudensprüngen sieht. Zwar hat sich die Stabilität des deutschen Bankensystems weiter gefestigt, haben die deutschen Großbanken bei Erfolgskennziffern wie Eigenkapitalrendite und Aufwand-Ertrag-Relation im internationalen Vergleich wieder aufgeschlossen, wie er unlängst herausstellte.

Wettbewerb hält die Zinsmargen niedrig

Doch war dies zu einem beträchtlichen Teil auf die Hochkonjunktur im kapitalmarktnahen Geschäft zurückzuführen. Das aber ist volatil, seine nachhaltige Ertragsstärke steht in Frage. Hingegen hat das Zinsgeschäft nach Analyse der Bundesbank noch keinen maßgeblichen Beitrag zur Ertragsentwicklung gegeben. Das liegt teils daran, daß das Zinsniveau allgemein recht niedrig ist.

Teils spielt aber auch eine Rolle, daß der in Deutschland besonders intensive Wettbewerb die Zinsmargen niedrig hält. Einer unlängst veröffentlichten Studie der Ratingagentur Fitch zufolge haben sich die großen Banken in Deutschland seit 1999 stets mit niedrigeren Zinsmargen begnügen müssen als ihre Konkurrenten in den europäischen Nachbarländern.

Wenig Spielraum für Wachstum

Ein wichtiger Grund dafür ist die Aufspaltung des deutschen Kreditgewerbes in die drei „Säulen“ Privatbanken, Genossenschaftsbanken und öffentlich-rechtliche Sparkassen und Landesbanken. Sie läßt den Privatbanken wenig Spielraum für Wachstum auf dem heimischen Markt. So halten die fünf deutschen Großbanken am Geschäft mit den privaten Haushalten nach Angaben von Wulf von Schimmelmann, dem Chef der Deutschen Postbank, nur einen Anteil von 15 Prozent.

In Nachbarländern wie Frankreich, Spanien und Großbritannien liegt dieser Anteil bei 50 Prozent und mehr. Eine Folge dieser Zersplitterung sind ineffiziente Strukturen und hohe Kosten. Laut von Schimmelmann müssen deutsche Kreditinstitute für jeden Euro Ertrag im Durchschnitt 80 Cent aufwenden, die europäischen Konkurrenten hingegen nur etwas mehr als 50 Cent.

„Kundenferne“ Tätigkeiten werden ausgelagert

Jedoch arbeiten die deutschen Institute daran, ihre Kostenstrukturen zu verbessern. Viele Häuser lagern „kundenferne“ Tätigkeiten an Spezialisten aus. Beispielsweise wickelt die Transaktionsbank DWP sowohl für zahlreiche Genossenschaftsbanken und Sparkassen als auch für die Dresdner Bank Wertpapiergeschäfte ab. Daneben gibt es innerhalb der Lager Fusionen und Ubernahmen - und damit einen Trend hin zu größeren und damit kosteneffizienteren Einheiten.

Beispiele dafür sind die Übernahme der Landesbank Rheinland-Pfalz durch die Landesbank Baden-Württemberg, der Kauf der Eurohypo durch die Commerzbank sowie die Übernahme der Berliner Bank durch die Deutsche Bank. Im kommenden Jahr steht mit der Landesbank Berlin - der früheren Bankgesellschaft Berlin - ein recht großes Institut zum Verkauf. Dabei könnte es zu einer Premiere kommen, nämlich der Übernahme eines öffentlich-rechtlichen Instituts durch eine private Bank.

Deutsche Bank in Deutschland Marktführer

Bei der Konsolidierung auf europäischer Ebene werden die deutschen Banken allerdings kaum eine aktive Rolle spielen. Denn aufgrund ihrer vergleichsweise mäßigen Ertragsstärke sind sie an der Börse Leichtgewichte. Selbst die Deutsche Bank, die in Deutschland Marktführer ist, zudem zu den drei größten Investmentbanken der Welt zählt, bringt es derzeit nur auf eine Marktkapitalisierung von gut 48 Milliarden Euro - womit sie unter den europäischen Banken nur auf Platz 13 liegt. Unlängst hat sich Josef Ackermann, der Chef der Deutschen Bank, von seinem früheren Ziel verabschiedet, die Bank nach Marktkapitalisierung wieder unter die zehn größten in der Welt zu bringen.

Wegen der ungünstigen steuerlichen Rahmenbedingungen und der unterentwickelten Aktienkultur hierzulande sei das nicht möglich, argumentierte Ackermann. Doch sei dies auch nicht nötig, da die zentrale Zielgröße für ihn nicht der Börsenwert des Instituts sei, sondern die Entwicklung des Aktienkurses. Indirekt hat sich Ackermann damit von seinem früheren Ziel verabschiedet, bei der Konsolidierung der europäischen Banken als Gestalter mitmischen zu wollen. Für die anderen deutschen Institute kommt dieses mangels Masse ohnehin nicht in Frage. Allenfalls kleinere Projekte wie der Einstieg der Commerzbank bei der russischen Promsvyazbank sind möglich.

Potential in der Vermögensverwaltung

Doch bieten sich den deutschen Instituten durchaus noch viele Chancen, organisch zu wachsen. Einige ausländische Wettbewerber haben das eindrucksvoll demonstriert. Sie haben vermeintliche Marktnischen wie das Ratenkreditgeschäft oder das Directbanking zu bedeutenden und ertragreichen Geschäftsfeldern entwickelt. Das spornt jetzt auch manches deutsche Haus an.

Ein riesiges Potential liegt zudem in der Vermögensverwaltung. So ist das Vermögen der privaten Haushalte zwischen 1995 und 2005 von 2.650 auf 4.260 Milliarden Euro angeschwollen. Aufgrund der staatlichen Förderung der privaten Altersvorsorge wird sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren noch beschleunigen.

Kreditinstitute für Aktiengeschäfte

Bislang ist Deutschland hinsichtlich einer modernen Vermögensanlage allerdings noch Entwicklungsland. Beispielsweise sind nach Angaben von Deutsche-Bank-Chef Ackermann nur 7 Prozent der Deutschen direkt oder über Fonds indirekt Aktionäre. In Frankreich ist der Anteil doppelt, in Großbritannien gut dreimal so hoch, in Spanien beträgt er sogar 33 Prozent. Derzeit hätten zwar 97 Prozent der Deutschen ein Girokonto, stimmt Postbank-Chef von Schimmelmann ein.

Aber nur 16 Prozent nutzten die Kreditinstitute für Fondsgeschäfte und lediglich 7 Prozent für Aktiengeschäfte. Den Kreditinstituten hierzulande bietet sich somit viel Spielraum, diese für sie lukrativen Geschäftsfelder auszubauen. Ein weiterer Wachstumsmarkt ist privates Wohneigentum. Hinsichtlich des Anteils der Haushalte, die in ihren eigenen vier Wänden leben, liegt Deutschland weit unter dem europäischen Durchschnitt.

Lukratives Geschäft mit Immobilienfeuilles

Satte Zuwachsraten erhoffen sich die Kreditinstitute zudem von neuen Formen der Mittelstandsfinanzierung. Dabei geht es zum Beispiel darum, viele kleine Kredite zu Portefeuilles zusammenzufassen und als Wertpapiere am Kapitalmarkt zu plazieren. Selbst Mittelständler erhalten so Zugang zum Kapitalmarkt - und umgekehrt ausländische Kreditgeber Zugang zu deutschen Mittelständlern.

Ähnlich dürften von nächstem Jahr an große Immobilienportefeuilles in steuerbegünstigte Immobiliengesellschaften eingebracht werden. Diese sogenannten „Reits“ werden dann an der Börse plaziert werden. Den Investmentbanken verspricht dies viel lukratives Geschäft.

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