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Branchen (13): Mobilfunk Kleine Anbieter fordern die großen mit Billigangeboten heraus

01.10.2005 ·  Für eine Weile hatte der Mobilfunk nicht mehr wie eine Erfolgsgeschichte ausgesehen. Doch heute nutzen mehr als zwei Milliarden Menschen das Handy. Eine weitere Konsolidierung der Branche steht bevor.

Von Johannes Winkelhage
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Allen Zweifeln zum Trotz: Der Mobilfunk ist eine Wachstumsbranche, in diesem Geschäft wird viel Geld verdient und die Möglichkeiten der Industrie sind noch bei weitem nicht ausgeschöpft. Inzwischen nutzen mehr als 2 Milliarden Menschen mobile Geräte zum Telefonieren, um Daten abzurufen oder selber zu verschicken. Bis zum Jahr 2010 soll die dritte Milliarde erreicht sein, hofft der Handyhersteller Nokia. Die Zahl der im Mobilfunk vermittelten Gesprächsminuten steigt entsprechend, und auch der Datenumsatz der Unternehmen kommt langsam in Schwung.

Schon besitzen rund 80 Prozent der 182 Millionen Westeuropäer ein Handy. Dieser Wert - Penetrationsrate genannt - steigt unaufhaltsam. Davon profitieren zunächst die Netzbetreiber. Je mehr Kunden die teuren Mobilfunknetze nutzen, desto billiger wird die „Produktion“ der Dienstleistung Sprachkommunikation je Minute für die Anbieter. Die Netze sind gebaut, die Investitionen getätigt. Jetzt gilt es, sie auszulasten.

Rund 150 Milliarden Euro Umsatz werden die Unternehmen in diesem Jahr allein in Europa erzielen - mehr als doppelt so viel wie im Jahr 2000. Viele der Unternehmen arbeiten profitabel und mit ansehnlichen Gewinnmargen. Entsprechend der schwunghaft steigenden Nachfrage hat sich auch der Umsatzanteil des Mobilfunks an dem gesamten Telekommunikationsumsatz in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Waren es im Jahr 1998 noch knapp 22 Prozent, entfielen im vergangenen Jahr fast 35 Prozent der Einnahmen auf dieses Marktsegment.

Schwere Krise 2000

Dabei hatte der Mobilfunk für eine Weile nicht mehr wie eine Erfolgsgeschichte ausgesehen. Nach der Versteigerung der Lizenzen für die neue, leistungsfähigere Generation UMTS im Jahr 2000 war die gesamte Branche in eine schwere Krise gestürzt. Lange ächzten die Konzerne unter der auch durch die UMTS-Kosten verursachten Schuldenlast. Hohe Verluste waren an der Tagesordnung. Auch die milliardenschweren Übernahmen - wie der Kauf von Mannesmann durch Vodafone - haben ihre Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Allerdings darf nicht übersehen werden, daß auch in diesen Krisenjahren sowohl Umsatz als auch Kundenzahlen der Unternehmen deutlich gewachsen sind und die Branche damit eine Krise auf relativ hohem Niveau durchlebt hat.

Derzeit prägen drei wichtige Tendenzen den Mobilfunkmarkt in Europa. Auf der einen Seite rollt eine weitere Übernahmewelle. Die France Télécom hat den spanischen Mobilfunkanbieter Amena für 6,4 Milliarden Euro zu 80 Prozent übernommen und stärkt damit ihre Mobilfunk-Tochtergesellschaft Orange. T-Mobile kaufte die Telering in Österreich und ist offenbar auch stark am britischen Markt interessiert. Hier sollte vor einigen Wochen zunächst O2 - gemeinsam mit der KPN übernommen - werden. Die britische O2 wäre dann mit T-Mobile in Großbritannien verschmolzen worden, während die KPN die deutsche O2 übernommen hätte. Der Plan scheiterte in diesem ersten Anlauf, ist aber noch nicht zu den Akten gelegt. Kleinere Anbieter auf den nationalen Mobilfunkmärkten werden zu Übernahmezielen der größeren Konzerne, die damit ihre eigene Position im Ausland stärken wollen, wo sie bisher nur an dritter oder vierter Stelle im Markt agiert haben. In der Tendenz deutet alles darauf hin, daß es künftig nur noch drei bis vier große Netzbetreiber je Land geben wird.

Weniger Wettbewerb, mehr Billiganbieter

So verringert sich auf der einen Seite der Wettbewerb im Mobilfunkgeschäft, was eigentlich zu stabilen Preisen auf einem weiterhin hohen Niveau führen sollte. Auf der anderen Seite - hier zeigt sich die zweite starke Tendenz - drängen zunehmend Billiganbieter auf den Markt und versuchen, mit vergleichsweise niedrigen Einheitspreisen Kunden zu gewinnen.

Getrieben wird dieser Prozeß vor allem durch die kleineren Anbieter wie E-Plus in Deutschland. Diese versuchen durch Billigmarken mehr Kunden auf ihre Netze zu ziehen, um eine bessere Auslastung der teuren Infrastruktur zu erreichen. Allein hierzulande sind in den vergangenen Monaten mehr als sechs solcher Angebote auf den Markt gekommen. Es ist absehbar, daß weitere folgen werden. Damit wurde ein Preissturz ausgelöst, der die Mobilfunkkosten für die Kunden in vielen Fällen deutlich reduziert hat. E-Plus hat - über die Tochtergesellschaft Base - sogar einen Pauschaltarif im Programm, der Gespräche ins Festnetz und das E-Plus-Netz zum Festpreis bietet. Auch T-Mobile, als Marktführer in Deutschland, hat sein Netz inzwischen für solche Billiganbieter geöffnet, die dort ihre Telefonminuten zum Großhandelspreis einkaufen und auf eigene Rechnung weiter vermarkten. Kein Anbieter wird auf Dauer darum herumkommen, dies Marktsegment zu bedienen. Dabei nehmen die Netzbetreiber hier auch Abschied von der Subventionierung der Endgeräte.

Kampf dem Festnetz

Die deutlich sinkenden Mobilfunkpreise sind Ausdruck der dritten starken Bewegung auf dem deutschen Markt, die allerdings auch in den anderen europäischen Ländern zu beobachten ist. Bisher werden nur rund 20 Prozent der Telefonminuten über die Mobilfunknetze abgewickelt - 80 Prozent fallen noch in die Domäne der Festnetzanbieter. Dies aber soll sich nach den Wünschen der Mobilfunkanbieter ändern. Sie haben dem Festnetz mit niedrigen Minutenpreisen den Kampf angesagt. Ziel ist es, den Kunden komplett zu übernehmen. Daher versuchen Unternehmen wie Vodafone oder O2 inzwischen den Internetzugang über UMTS, den schnellen Datenkanal des Mobilfunks, zu realisieren.

Generell setzt die Branche große Hoffnungen auf den mobilen Datenverkehr, der vor allem durch die schnelle Übertragung in den UMTS-Netzen an Attraktivität gewinnen soll. Bisher ist es den Netzbetreibern allerdings nicht gelungen, die Kunden in großer Zahl von den Vorzügen dieser Dienste zu überzeugen. Gründe hierfür waren zunächst der langsame Ausbau der UMTS-Netze und die fehlenden Endgeräte. Inzwischen sind aber attraktive Handys in großer Anzahl auf dem Markt. Vor allem Vodafone hat das Marketing für diese Geräte und die entsprechenden Dienste deutlich verstärkt.

Von dieser Entwicklung profitieren auch die Handyhersteller, da sie so auf den eher gesättigten Märkten in Europa weiter mit ansehnlichen Wachstumsraten bei höherwertigen Mobiltelefonen rechnen können. In absoluten Zahlen sind allerdings Märkte wie China, Indien oder auch Brasilien und Rußland die Garanten einer weiter boomenden Handynachfrage. Während im Jahr 1997 erst rund 107 Millionen Geräte verkauft wurden, sollen nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Gartner im laufenden Jahr fast 780 Millionen Mobiltelefone über den Ladentisch wandern. Im Jahr 2009 soll die Grenze von einer Milliarde verkauften Handys überschritten werden.

Auf Grund der hohen Zuwachszahlen in den aufstrebenden Märkten ist nach Ansicht der Branchenbeobachter aber damit zu rechnen, daß vor allem preiswertere Einsteigergeräte mit geringer Marge verkauft werden. Daher haben vor allem die großen Anbieter wie der Marktführer Nokia, die amerikanische Motorola oder Samsung und LG auf Grund ihrer Mengenvorteile bei der Produktion gute Chancen dies Absatzwachstum in steigende Gewinne umzumünzen. So wird der Mobilfunk den Anbietern auf nahezu allen Märkten der Welt auch künftig gute Wachstumschancen bieten, die weiterhin deutlich über den Zuwächsen der Gesamtwirtschaft liegen werden.

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